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Amethyst



Amethyst
Eine Mineral-Stufe mit aufgewachsenen Amethysten
Chemismus SiO2+(Al, Fe, Ca, Mg, Li, Na)
Mineralklasse Oxide; Metall zu Sauerstoff = 1:2
siehe Quarz (nach Strunz)
siehe Quarz (nach Dana)
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse trigonal-trapezoedrisch \ 32
Farbe violett, teilweise fleckig-trüb, auch zonare Farbverteilung (farblos-violett)
Strichfarbe weiß
Mohshärte 7
Dichte (g/cm³) 2,65 g/cm3
Glanz Glas- bis Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Bruch muschelig
Spaltbarkeit keine
Habitus kurze bis lange, prismatische, pseudohexagonale Kristalle
Häufige Kristallflächen
Zwillingsbildung
Kristalloptik
Brechzahl no = 1,5442
ne = 1,5533
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
Δ = 0,0091 ; einachsig positiv
Pleochroismus sehr schwach, violett und grauviolett, selten auch deutlich violett und helleres kobaltblau (mit violetten Stich)
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
2vz ~ 0-10° (0,013)
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen
Schmelzpunkt
Chemisches Verhalten wird von Flusssäure (HF) geätzt
Ähnliche Minerale andere Quarzvaritäten, Ametrin
Radioaktivität nicht radioaktiv
Magnetismus nicht magnetisch
Besondere Kennzeichen schwache, grünliche Fluoreszenz

Amethyst ist eine violette Varietät des Minerals Quarz (SiO2).

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Geschichte

Die Herkunft des Namens aus dem griechischen αμεθυστoς (amethystos) – „dem Rausche entgegenwirkend“ – drückt den alten Glauben aus, dass ein Träger von Amethyst gegen die berauschende Wirkung von Wein gefeit sei. Ebenso sollte Wein aus einem Becher aus Amethyst nicht betrunken machen. Ursprünglich ergab sich dieser (Aber)Glaube aus dem Brauch den (Rot)Wein mit Wasser zu verdünnen, welcher dann eine rötlich-violette (amethystfarbene) Färbung annahm. Gleichzeitig konnte man natürlich wesentlich mehr davon trinken, ohne gleich betrunken zu werden oder gar einen Kater erleiden zu müssen.

Eine andere Variante der Namensgebung ist die, dass Bacchus, der Gott des Weines, eine in einen Kristall verwandelte Nymphe namens Amethyst mit Wein begoss, woraufhin dieser violett wurde.

Dem Amethyst wurde auch eine apotropäische Wirkung gegen Diebstahl nachgesagt. Dieser Umstand wird belegt durch frühgeschichtliche Grabfunde. Merowingerzeitliche Gräber mit Amethyst zeigen, wenn überhaupt, Beraubungsspuren nicht im Bereich der Niederlegung der Steine (Halskette), auch dann nicht, wenn etwa goldene Schmuckanhänger ebenfalls hier zu finden waren. Möglicherweise gab es in dieser Epoche der Frühgeschichte eine weitergehende (und heute nicht mehr rekonstruierbare) nachgesagte (Negativ-)Wirkung des Amethysts auf den Dieb.

Farbe

Die violette Farbe des Amethysts reicht von einem sehr hellen, leicht rosafarbenen bis zu einem sehr dunklen Violett.

Die Verteilung der Farbe im Kristall ist meist unregelmäßig. Intensiver gefärbt sind für gewöhnlich Kristallsektoren, die parallel zum Hauptrhomboeder {10-11} liegen. Dort konzentriert sich die violette Färbung in dünnen dunkelvioletten Bändern parallel zu den {10-11} und seltener {01-11}- Flächen.

In diesen Sektoren weisen Amethyste eine unregelmäßige, feinlamellare Verzwillingung nach dem Brasilianer Gesetz auf und die intensiv gefärbten Ebenen markieren diese Zwillingsebenen.

Farbgebend sind Gitterdefekte, mit einen Fe4+-Ion in tetraedrischer Koordination, d.h. umgeben von vier Sauerstoffionen, sogenannte [FeO4]- Zentren. Nach wie vor umstritten ist, ob diese Defekte auf der Siliziumposition auftreten (Fe4+ ersetzt Si4+) oder auf Zwischengitterplätzen (Fe4+ in einer normalerweise leeren Tetraederlücke in einem der 6- seitigen Kanäle der Quarzstruktur).

Diese Defekte entstehen aus Defekten mit Fe3+ in einer Tetraederlücke durch Bestrahlung mit radioaktiver Strahlung. Diese entfernt ein Elektron aus dem Fe-Ion und oxidiert so Fe3+ zu Fe4+. Die zur Erzeugung der Amethystfarbe nötige Strahlungsdosis wird z. B. in granitischen Gesteinen allein durch den Zerfall des natürlich vorkommenden 40K-Isotops in 6.000.000 Jahren erzeugt.

Amethyste können auch durch künstliche Röntgenbestrahlung z. B. in Kernreaktoren aus farblosen Fe-haltigen Quarzen erzeugt werden.

Unter Einfluss von Sonnenlicht verlieren Amethyste recht schnell ihre Farbe. Die Steine sollten deshalb keiner direkten UV-Bestrahlung ausgesetzt werden.

Beim Erhitzen verlieren Amethyste ihre Farbe ebenfalls. Sie entwickeln zumeist eine Citrinfärbung, hervorgerufen durch submikroskopische Eisenoxidentmischungen, und seltener eine grüne Prasiolithfärbung oder werden ganz farblos.

Bildung und Fundorte

Amethyst ist ein weit verbreitetes Mineral; große und klare Exemplare, die sich zum Schneiden und zur Weiterverarbeitung als Schmuckstein eignen, sind auf vergleichsweise wenige Fundorte beschränkt. Vorkommen gibt es in Brasilien, Uruguay, Madagaskar, Russland und Sri Lanka. Solche Kristalle findet man vor allem in Hohlräumen in hydrothermalen Adern und in vulkanischen Gesteinen. Häufig im Handel anzutreffen sind auch sogenannte Amethystdrusen, bei denen sich die Kristalle innerhalb eines Hohlraumes gebildet haben, umgeben von einer Schicht Chalcedon. Die schönsten Drusen stammen in aller Regel aus Brasilien und können mannshoch sein.

Ein bekannter deutscher Fundort ist der Steinkaulenberg in Idar-Oberstein. Die einzigartige und bekannte blau-violette Färbung ist dort durch die Metalle im Bergmassiv gegeben. Nachdem in Brasilien riesige Lagerstätten gefunden und diese Kristalle auch gefärbt werden können, wurde der Bergbau im Steinkaulenberg eingestellt. Der Mineralabbau ist dort mittlerweile verboten. Die Farbe der Amethyste aus Idar-Oberstein ist bei brasilianischen Kristallen allerdings nur durch entsprechendes Färben zu erreichen.

Europas größtes Amethystvorkommen befindet sich bei der niederösterreichischen Stadt Maissau. Die vor ca. 150 Jahren entdeckte Fundstelle des Amethyst von Maissau liegt etwa 60 km nordwestlich von Wien, 1 km nach der Ortschaft Maissau an der Horner Straße in Richtung Horn. Das Vorkommen in Maissau weist einen gesicherten Verlauf von ca. 400 m auf, davon ca. 40 m im Schaustollen aufgeschlossen zugänglich, zeigt eine maximale Breite von 2 m und steht nahezu senkrecht (Einfallen zwischen 80 und 90° nach SSW bzw. NNE). Die ersten gezielten Grabungen fanden 1986 unter der Aufsicht des Krahuletz-Museums Eggenburg statt. Ab 1999 begann die systematische Freilegung des Ganges durch die Maissauer Amethyst-Gesellschaft (MAG). Diese eindrucksvolle Offenlegung eines Amethystganges ist weltweit einzigartig. Darüber hinaus kann eine Fortsetzung des Ganges über eine Strecke von 1 km vermutet werden.

Ein weiteres reiches Amethystvorkommen ist seit dem 19. Jahrhundert im Umfeld des Friedhofes von Eggenburg bekannt. Bereits Johann Krahuletz konnte hier wertvolle Funde tätigen.

Verwendung als Schmuckstein

  Amethyst in Edelsteinqualität ist ein beliebter und weit verbreiteter Schmuckstein, der für den Handel entweder in unterschiedlich facettierte Formen (Brillant, Navette, Briolett) oder in Cabochonform geschliffen wird.

Als besonders wertvoll gelten dunkelviolette Steine. Daneben werden auch die Varietäten Ametrin (Kombination von Amethyst und Citrin in einem Stein) oder die violett-weiß gebänderte, undurchsichtige Varietät Amethystquarz als Schmuckstein geschätzt.

Manipulationen und Imitationen

Durch Brennen von Amethyst (ca. 400 °C) entsteht die gelbe bis goldene Färbung der Varietät Citrin. Bei vielen der im Edelsteinhandel irreführenderweise verkauften "Gold- oder Madeiratopase" handelt es sich in Wirklichkeit um gebrannte Amethyste. Bei einigen Amethysten erzeugt das Brennen auch einen grünlichen Farbton ähnlich dem Prasiolith, als welcher der gebrannte Amethyst dann auch verkauft wird. In der Flamme verschwindet die Farbe manchmal aber auch ganz und es bleibt weißer Quarz übrig.

Gebrannte Steine bekommen meist auch deutlich mehr Risse und Sprünge, die durch ihren Glanz auffallen. Oft zerplatzen auch die Kristallspitzen und Flächen. In der Regel werden nur Amethyste niedriger Qualität gebrannt, um sie so "aufzuwerten". Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass gebrannte Schmucksteine, die dann als Citrine bezeichnet werden, nicht als gebrannt deklariert werden müssen. Es handelt sich aber auch hierbei um eine Fälschung, da wesentliche Eigenschaften durch menschliches Zutun verändert werden. Echter Citrin ist meist nur hell gefärbt und hat immer eine bergkristallähnliche lange Form. Citrin bildet keine Drusen und ist auch um einiges seltener als Amethyst.

Eine billige, wenn auch nicht sehr haltbare Methode, Amethyst farblich aufzuwerten, ist die Behandlung mit gefärbtem Wachs, da sich Amethyst im Gegensatz zu Achat nur oberflächlich färben lässt.

Seit dem 19. und 20. Jahrhundert werden Synthesen verschiedener Edelsteine, so auch dem Amethyst hergestellt, die allenfalls durch Abweichungen von Struktur und Reinheit von natürlichen Amethysten unterschieden werden können.

Für Modeschmuck wird der Amethyst durch violettes Glas imitiert oder in zusammengesetzter Form als Dublette angeboten.

→ siehe auch Hauptartikel Schmuckstein - Manipulationen und Imitationen

Esoterik

  In der Esoterik wird der Amethyst als Heilstein gegen Trunksucht und Süchte eingesetzt. Zudem werden ihm reinigende, inspirierende und Erkenntnis bringende Eigenschaften zugesprochen. Hildegard von Bingen benutzte Amethyst als Heilstein für diverse Krankheiten wie Hautunreinheiten, Schwellungen, Insekten- und Spinnenbisse sowie gegen Läuse. Wissenschaftliche Belege für eine solche Wirkung existieren nicht.

Als Tierkreisstein wird der Amethyst dem Sternzeichen Fisch, anderen Quellen zufolge den Sternzeichen Schütze oder auch Steinbock und als Planetenstein dem Planeten Neptun beziehungsweise dem Pluto zugeordnet.

Amethystdrusen werden häufig zur energetischen Reinigung und Aufladung anderer Heilsteine verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. 13. Auflage. BLV Verlags GmbH, 1976/1989, ISBN 3-405-16332-3
  • Bernhard Bruder: Geschönte Steine, Neue Erde Verlag (1998), ISBN 3-89060-025-5
  • Rossman, G.R.: Colored Varieties of the Silica Minerals in: Heaney, Prewitt & Gibbs (Editors) 1994: Silica, Reviews in Mineralogy Vol. 29, ISBN 0-939950-35-9
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Amethyst aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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