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Blasformen



Das Blasformen, auch Extrusionsblasen genannt, ist eine Methode zur Herstellung von Hohlkörpern aus Thermoplasten.

Inhaltsverzeichnis

Herstellungsprozess

  Zunächst wird kontinuierlich oder auch diskontinuierlich ein Schlauch aus heißem, formbaren Kunststoff aus einem angeflanschten Werkzeug als Vorformling senkrecht nach unten ausgestoßen (extrudiert). Die Materialstärke im Schlauch wird dabei entsprechend der Form des fertigen Werkstücks geregelt.

Dann fährt ein Dorn von oben oder unten in den Schlauch ein. Das zu diesem Zeitpunkt noch geöffnete zweigeteilte Werkzeug fährt dann zu und umhüllt den Schlauch mitsamt dem Dorn. Durch den Dorn wird sodann Druckluft in den Schlauch gepresst, womit dieser aufgeblasen und an die Kontur des Blaswerkzeugs angepresst und abgekühlt wird. Der Kunststoff passt sich so der vorgegebenen Form an und wird fest.

An der Halspartie, am Boden und an der Nahtstelle zwischen den beiden Werkzeughälften entstehen Butzen aus Kunststoff, die teilweise gleich beim Öffnen abgeschert werden, teilweise ist eine Nachbearbeitung notwendig. Dieser Abfall wird wiederverwendet (Recycling).

Durch Variation der Materialstärke im Schlauch lässt sich die Dicke des Kunststoffs im Fertigprodukt steuern. Bei symmetrischen Gebilden wie Fässern lässt sich dies vorausberechnen, bei komplexeren Formen wird in einer sogenannten Nullserie die Materialstärke variiert, bis das Ergebnis passt.

Eine Eigenschaft des Blasformens gegenüber dem Spritzgießen ist, daß Hohlteile hergestellt werden und auch Hinterschnitte ohne Schieber (siehe Formenbau) in begrenztem Ausmaß hergestellt werden können. Die Variation der Wanddicke ist gegenüber dem Spritzgießen nur indirekt möglich, erreichbare Toleranzen daher größer.

Weltmarktführer zur Herstellung von Produktionsanlagen für mehrschichtigen Kunststoff-Kraftstoffbehältern ist das deutsche Unternehmen Kautex Maschinenbau GmbH aus Bonn. Mehr als 190 Blasformmaschinen zur Herstellung von Kraftstofftanks für Fahrzeuge wurden in den letzten 30 Jahren gebaut und ausgeliefert.

Marktführer in der Herstellung von Hohlkörperblasmaschinen ist das Unternehmen BEKUM Maschinenfabriken GmbH aus Berlin mit weltweit ca. 600 Mitarbeitern in 5 Produktionsstandorten im In- und Ausland.

Verwendete Kunststoffarten

Polyolefine (vor allem Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP)) sind die am meisten verarbeiteten Kunststoffe. Aber auch Plexiglas (PMMA), Polycarbonat (PC), Polyamid (PA) und einige Mischungen werden verarbeitet. Für technische Artikel auch Thermoplastisches Polyurethan oder Thermoplastische Elastomere auf Urethanbasis (TPU).

Produkte

Den so entstandenen Produkten begegnet man im Alltag vorzugsweise als Verpackungsartikel wie Flaschen, Kanister oder Fässer. Der Rauminhalt variiert zwischen 0,05 und 10.000 Liter. Aber auch technische Teile wie Lüftungskanäle, Faltenbälge (z.B. KFZ Lenk und Achsmanschetten), Kofferhalbschalen, Dachgepäckträger oder Kraftstofftanks lassen sich blasen. Größere Kinderspielzeuge (zum Beispiel Rutschfahrzeuge) werden ebenfalls häufig mit dieser Technik hergestellt.

Für druckbelastete Behälter (beispielsweise kohlensäurehaltige Getränke) wird in der Regel das Spritzblasen angewandt.

Literatur

  • Michael Thielen, Klaus Hartwig, Peter Gust: Blasformen von Kunststoffhohlkörpern. Verfahren, Maschinen, Werkzeuge. Hanser, München 2006, ISBN 3-446-22671-0
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Blasformen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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