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Hydrazin



Strukturformel
Allgemeines
Name Hydrazin
Andere Namen
  • Hydrazinanhydrid,
  • Diamine,
  • Diamid,
  • Diazan,
  • Hydrazin Base
Summenformel N2H4
CAS-Nummer 302-01-2
Kurzbeschreibung farblose, klare Flüssigkeit
Eigenschaften
Molare Masse 32,05 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig
Dichte 1,01 g·cm−3
Schmelzpunkt 2 °C
Siedepunkt 113 °C
Dampfdruck

21 hPa (20 °C)

Löslichkeit

gut in Wasser und Alkohol

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I
[1]
R- und S-Sätze R: 10-23/24/25-34-43-45-50/53 [1]
S: 45-53-60-61 [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Hydrazin ist eine Stickstoff-Verbindung mit der Summenformel N2H4. Es ist eine farblose, ölige, ammoniakalisch riechende Flüssigkeit. Hydrazin ist giftig, im Tierversuch krebserzeugend (karzinogen) und wirkt hochtoxisch auf Wasserorganismen. Hydrazin wird auch über die Haut resorbiert. Es verbrennt mit einer kaum sichtbaren Flamme. In den Handel kommt es meist als wässrige Lösung oder als Monohydrat, jedoch ist auch ein wasserfreies 98%iges Produkt erhältlich.

Inhaltsverzeichnis

Gewinnung und Darstellung

Technisch gibt es mehrere Wege zur Synthese von Hydrazin:

\mathrm{NH_3 + OCl^- \longrightarrow NH_2Cl + OH^-}
Ammoniaklösung und Hypochlorit-Ionen reagieren zu Chloramin und Hydroxid-Ionen.
\mathrm{NH_2Cl + NH_3 + OH^- \longrightarrow N_2H_4 + Cl^- + H_2O}
Bei hohem Druck und bei einer Temperatur von 400K wird Ammoniak-Gas eingeleitet und es erfolgt die Weiterreatkion zu Hydrazin.
\mathrm{2 \ NH_3 + H_2O_2 \longrightarrow N_2H_4 + 2 \ H_2O}
Ammoniak und Wasserstoffperoxid reagieren zu Hydrazin und Wasser.

Die ansonsten bestehende Problematik der Weiteroxidation von entstandenem Hydrazin zu Stickstoff und Wasser wird vermieden, da Hydrazin mit Butanon ein entsprechendes Ketazin bildet, welches im Vergleich zu Ammoniak nur schwer oxidiert wird.

\mathrm{2 \ (C_2H_5)CO(CH_3) + N_2H_4 \longrightarrow 2 \ H_2O + (C_2H_5)(CH_3)CNNC(C_2H_5)(CH_3)}
Hydrazin und Butanon reagieren zu Wasser und Ketazin.

Das erhaltene Ketazin kann durch Hydrolyse leicht wieder in Hydrazin und Butanon überführt werden.

\mathrm{CO(NH_2)_2 + Cl_2 + 4 \ NaOH \longrightarrow N_2H_4 + Na_2CO_3 + 2 \ NaCl}
Harnstoff, Chlor und Natriumhydroxidlösung reagieren zu Hydrazin, Natriumcarbonat und Natriumchlorid.

Eigenschaften

Hydrazin weist eine dynamische Viskosität von 0,9·10-3 Pa·s auf.

Reines Hydrazin kann beim Erhitzen explosionsartig zu Ammoniak und Stickstoff disproportionieren.

3 N2H4(l) → 4 NH3(g) + N2(g)

Konzentrierte Lösungen sind in Verbindung mit anderen Oxidationsmitteln hoch explosiv, teilweise hypergol, weshalb im Handel nur verdünnte Hydrazin-Lösungen erhältlich sind. Hydrazin kann außerdem katalytisch zersetzt werden, und erzeugt dabei heißes Gas.

Hydrazin hat eine Technische Richtkonzentration von 0,13 mg·m−3.

Verwendung

  Aufgrund seiner hoch reaktiven Eigenschaften verwendet man Hydrazin vor allem als Raketentreibstoff, der mit dem Oxidatoren Distickstofftetroxid und Salpetersäure eine hypergolische Treibstoffkombination bildet. Auch wird Hydrazin allein in Korrekturtriebwerken verwendet, wo es katalytisch zersetzt wird. Der Stoff wird ebenfalls in Luftfahrzeugen wie der F-16 als Brennstoff für ein Notenergieaggregat mitgeführt.[2] Hydrazin dient zur elektrochemischen Stromerzeugung in Sekundärzellen. Ferner werden verdünnte Lösungen auch als Reagenzien im Labor sowie zur Konditionierung von Kesselspeisewasser in Dampfkraftwerken mit Betriebsdrücken über 125 bar und bei Schiffsrümpfen als Korrosionsinhibitoren (bspw. Levoxin® von Lanxess Leverkusen) verwendet. Des Weiteren wurde Hydrazin in Alkalischen Brennstoffzellen vor allem in der Raumfahrt, U-Booten und anderer Militärtechnik verwendet. Ausserdem wird Hydrazin eingesetzt Metallsalze zu reduzieren, dabei kann auch Wasserstoff frei werden.

Einzelnachweise

  1. a b c ESIS-European chemical Substances Information System
  2. General Flugsicherheit in der Bundeswehr (Hrsg.): Hilfe bei Flugunfällen (Auflage 2004, PDF 2,8 MB). Auflage 2005: S. 10.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hydrazin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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