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Marmor



  Marmor (über lat. marmor aus altgr. μάρμαρος, mármaros - heute μάρμαρο, mármaro; vermutlich verwandt mit μαρμαίρειν, marmaírein, „schimmern, glänzen“) ist ein metamorphes Gestein.

Bedeutsame historische Bauwerke von höchstem geschichtlichen und künstlerischen Wert, wie z.B. die Akropolis in Athen und der Pergamonaltar in der Antikensammlung auf der Museumsinsel von Berlin sind aus griechischem Marmor. Die Kunstwerke, wie der David in Florenz, die Pietà im Petersdom und Moses in Rom sind aus italienischem Carrara-Marmor, während die Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen, die Nike von Samothrake und die Venus von Milo im Louvre in Paris aus griechischem Marmor sind.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Marmor entsteht durch Umwandlung von Sedimenten und Kalksteinen unter Einfluss von hohem Druck und hoher Temperatur infolge tektonischer Bedingungen (Regionalmetamorphose) oder durch Kontaktmetamorphose im Zusammenhang mit aufsteigenden Magmakörpern aus dem Erdmantel. Sind dolomitische Grundmassen umgewandelt worden, spricht man von einem Dolomitmarmor.

Bei der Kontaktmetamorphose intrudieren granitische Magmen in die Erdkruste. Diese Magmakammern erreichen die Erdoberfläche nicht, sondern verbleiben in der Erdkruste, wo sie über Jahrtausende zu Granit oder magmatischen Gesteinen ähnlicher Zusammensetzungen abkühlen. Während dieser Periode können sich sedimentäre Nachbargesteine um den Granitpluton herum zu Marmor umwandeln, sofern es sich um Kalkgesteine handelt. Bei der so genannten Regionalmetamorphose werden die großen Gesteinsmengen unter Druck und Hitze ohne Magmenkontakt umgewandelt. Diese Prozesse laufen sehr langsam ab. Dabei können z.B. spaltraue Marmore entstehen. Die Spaltrichtung ergibt sich meist schnell zur Druckrichtung.

Merkmale und Mineralbestand

  Marmor ist als metamorphes Gestein definiert, wenn es mindestens 50 Vol.% Calzit oder Dolomit enthält.

Marmore sind in der Regel gleichkörnig, mittel- bis großkörnig. Marmor wird in verschiedenen Farben gefunden; von schwarzgestreift über gelb, grün, rosa bis zu weißem Marmor. Rote bis rötliche Marmore werden durch Hämatit, gelbe bis braune durch Limonit, blaue und graublaue durch Graphit, kohlige Substanzen oder Bitumen und grüne Marmore durch Chlorit oder Serpentinminerale eingefärbt.

Die Mineralkörner des Marmor reichen vom Tausendstel Millimeter- bis in den Zentimeterbereich. Der extrem kleinkörnige Marmor, wie die Sorte Statuario aus Carrara, ist bei den Bildhauern sehr begehrt.

Der weiße Marmor wie er unter anderem, bei Carrara in den apuanischen Bergtälern in Italien und im Krastal in Österreich gefunden wird, wird stark nachgefragt. In Deutschland gibt es derzeit lediglich ein „echtes“ Marmorvorkommen, das wirtschaftlich genutzt wird, den „Wunsiedler Marmor“ im Fichtelgebirge. Ein typischer Dolomitmarmor kommt im Raurisertal in Österreich vor oder als Thassos-Marmor von der gleichnamigen griechischen Insel. Eine Besonderheit des Marmors ist der sog. Cipollino (it. Zwiebel), ein Marmor, dessen Dekor wie eine Zwiebel geschichtet ist.

Marmore erkennt man optisch auch daran, dass einzelne Kalkspatminerale in der Spaltfläche, je nach Lichteinfall, glitzern (siehe Abbildung).

Gewinnung von Marmor

  Früher wurde Marmor unter Ausnutzung von Klüften mittels Hebestangen und einem Einsatz von Keilen aus Stahl und wohl weniger aus Holz gewonnen. In der Renaissancezeit bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde zum Teil mit Sprengladungen gearbeitet, die in Bohrlöcher eingebracht wurden. Beim Einsatz von explosiven Sprengmitteln kam es zu hohem Anfall von Gesteinschutt und das Gestein wurde durch die Sprengwirkung zum Teil erheblich geschädigt. Gegen 1800 wurde in Italien in Carrara erstmals Spiraldraht, der von Elektromotoren angetrieben wurde, zum Heraussägen der Steinblöcke verwendet. Zur Kühlung des Drahtes wurde nicht nur Wasser genutzt, die Stahlseile waren Hunderte von Metern lang und wurden über Umlenkrollen durch die Steinbrüche geführt, damit sie in der Schnittfuge abgekühlt waren.

Heute wird Marmor nicht mehr mit den sog. Lang-Seilsägen aus den Steinbrüchen gelöst, sondern mit Kurz-Seilsägen oder mit Schrämen herausgesägt.

Seilsägen führen je nach Bedarf entsprechend lange dicht mit „Hartmetallperlen“ besetzte Stahlseile durch die Marmorschichten im Steinbruch oder durch die Rohblöcke in den Betrieben. In den Hartmetallperlen befinden sich Industriediamenten. Ein ständiger Wasserstrom kühlt die Sägeseile.

Schrämen, vor allem in Italien, schneiden mit Sägeschwertern bis zu einer Länge von 4 bis 5 m (Arbeitstiefe ca. 2–2,50 m) Lösefugen in die marmornen Gesteinsschichten. Es handelt sich bei den Schrämen um fahrbare überdiminsionierte Kettensägen, die ohne Wasserkühlung arbeiten. Des Weiteren werden Rohblöcke unter Einsatz von Druckluftbohrhämmer und Steinspaltwerkzeugen weiter nach Bedarf formatiert.

In die Lösefugen, die die Seilsagen und Schrämen herstellen, werden sog. Lösekissen aus Stahlblech eingelegt, die entweder mit Wasser oder mit Luftdruck befüllt werden. In diesem Arbeitsvorgang werden die Blöcke zum weiteren Transport aus der Steinwand geschoben. Im Steinbruch werden die gelösten Blöcke mit gewaltigen Radladern bewegt und anschließend auf Lastkraftwagen zum Weitertransport verladen, sofern die Steinverarbeitung nicht unmittelbar im Steinbruch erfolgt.

Die Marmor-Rohblöcke werden mittels Gattersägen in Tranchen oder Platten gesägt, anschließend werden die Sichtseiten geschliffen und poliert. Die erforderlichen Stein-Formate der Werkstücke werden mit Steinsägen hergestellt.

Verwendung

In der Steinverarbeitung werden auch polierbare Kalke als Marmor bezeichnet. Ein typisches Kennzeichen eines Marmors ist das Fehlen von Fossilien. Marmor hat zumeist mit dem Auge sichtbare Calzit-Kristallkörner. Hat ein Gestein noch sichtbare organische Reste, dann ist es mit Sicherheit kein Marmor. Ebenso gibt es keine einheitlich schwarz eingefärbten Marmore.   Der geringe Porenraum führt zu einer hohen Frostbeständigkeit von Marmor. Die Frostbeständigkeit ist immer nur für die jeweilige Gesteinssorte zu prüfen. Eine generelle Aussage kann nicht gemacht werden.

Marmore sind im Innenausbau begehrt. Sie finden Verwendung als Boden- und Treppenbeläge sowie als Fliesen. Sie sind begehrte Bildhauermaterialien, vor allem der Carrara-Marmor. Aufgrund ihrer Säureempfindlichkeit (Essig, Wein, Zitrusfrüchte und starke Reinigungsmittel) sind unbehandelte Marmore nicht zur Verwendung in Küchen bzw. als Küchenarbeitsplatten zu empfehlen. Es kann zur Fleckenbildung kommen. Allerdings sind die Fleckschutzbehandlungen aufgrund ihrer Zusammensetzung (Silane, Siloxane) auch nicht unumstritten. Dolomitmarmor zeigt eine wesentlich höhere Resistenz gegenüber Amidosulfonsäure oder Fruchtsäuren als der Kalzitmarmor. Empfindlich sind Marmore jedoch gegen sauren Regen.

Weitere Verwendung findet Marmor in feinster Pulverform als Scheuermittel in Zahnpasta und als Füllstoff in bzw. zur Glättung von hochwertigen Papieren oder in Grundierungen der Tafelmalerei (Calciumcarbonat, auch als Weißpigment). Die Belieferung dieser Industriezweige wird durch eigens hierfür ausgewählte Steinbrüche erfüllt.

Natursteinsorten

  • Carrara-Marmor (Italien)
  • Thassos (Griechenland, Insel Thassos)
  • Estremoz (bei Estremoz in Portugal)

Wikilinks

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Marmor aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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