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Paroxetin



Steckbrief
Name (INN) Paroxetin
Wirkungsgruppe

Antidepressivum SSRI

Handelsnamen
  • Seroxat®
  • Paroxat®
  • Paroxetin®
  • Allenopar®
Klassifikation
ATC-Code AB05
CAS-Nummer 61869-08-7
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Paroxetin)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: (3S-trans)-3-((1,3-Benzodioxol-5-yloxy)methyl)-4
-(4-fluorophenyl)-piperidin
Summenformel C19H20NFO3
Molare Masse 374,8 g/mol

Paroxetin (auch Paroxat) ist ein antidepressiv wirkender Arzneistoff aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es wird u.a. von GlaxoSmithKline unter dem Markennamen Paxil® (USA), Seroxat® (Europa, nicht in England), Deroxat® (Schweiz) und Aropax® (Australien) vertrieben und steht darüber hinaus als Generikum zur Verfügung. Paroxetin unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Inhaltsverzeichnis

Pharmakologie

Anwendungsgebiete

Paroxetin wird zur Behandlung depressiver Erkrankungen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, sozialer Angststörungen, generalisierter Angststörungen und posttraumatischer Belastungsstörungen eingesetzt.

Wirkmechanismus

Als Arzneistoff der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöht Paroxetin die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt. Nachfolgend kommt es zu einer Herabregulierung (Down-Regulation) von Serotonin-(5-HT2)-Rezeptoren im Zentralnervensystem (ZNS).

Nebenwirkungen

Unter der Anwendung von Paroxetin können insbesondere folgende Nebenwirkungen beobachtet werden: Appetitstörungen, Störungen des Magen-Darm-Trakts, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, sexuelle Dysfunktion, Schwitzen, Parästhesie (z.B. Kribbeln in den Gliedmaßen) und Gewichtszunahme.

Paroxetin hat keine aktiven Metaboliten und eine relativ kurze Halbwertszeit von etwa 24 Stunden. Es wird vermutet, dass dies der Grund für häufigere Absetzerscheinungen, im Vergleich zu anderen SSRIs, ist.

Das Mittel steht im Verdacht, v.a. bei jüngeren Patienten (bis ca. 30 Jahre) in den ersten Wochen der Einnahme die Selbstmordgefährdung zu erhöhen (siehe Weblinks), weshalb häufig zu Beginn der Behandlung zusätzlich schneller wirkende Beruhigungsmittel verschrieben werden.

Nach der Einnahme über einen längeren Zeitraum können beim Absetzen des Medikaments erhebliche Absetzerscheinungen auftreten, weshalb ein Ausschleichen in den meisten Fällen sinnvoll ist.

Paroxetin und Schwangerschaft

Paroxetin sollte wie alle SSRI nach jetzigem Kenntnisstand in der Schwangerschaft nicht, oder nur - wenn unumgänglich - unter größter Vorsicht und in der geringsten möglichen Dosis angewendet werden. Außer den seit Jahresbeginn 2006 bekannt gewordenen Risiken dieser Substanzgruppe (vgl. SSRI und Schwangerschaft) besteht für Paroxetin eine besondere Warnung der FDA vor erhöhten Missbildungsraten (Quelle).

Paroxetin und Brustkrebsrisiko

Paroxetin erhöht möglicherweise das Brustkrebsrsiko um das 7-fache. Für andere SSRI konnte dieser Effekt nicht gezeigt werden [1] [2] [3]

Wechselwirkungen

Da Paroxetin die Serotonin-Konzentration erhöht, kann die gleichzeitige Einnahme von Arzneistoffen mit einer Wirkung auf das Serotonin-System (z.B. MAO-Hemmer, Triptane) die Gefahr eines Serotonin-Syndroms erhöhen.

Paroxetin ist ein Hemmstoff des Cytochrom P450 Enzymsystems CYP2D6. Als solcher verstärkt Paroxetin die Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneistoffen, die ebenfalls über dieses Enzymsystem abgebaut werden (z.B. Trizyklische Antidepressiva, Flecainid).

Der Konsum von Alkohol sollte unter der Therapie mit Paroxetin unterbleiben.

Umstrittene PR-Maßnahme

Im Mai 2003 erhoben Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in der Fachzeitschrift "Der Nervenarzt" den Vorwurf, der damalige Hersteller von Paroxetin, SmithKlineBeecham, habe mit dem so genannten Sissi-Syndrom eine Krankheit erfunden, die in Wahrheit nicht als eigenständige Ausprägungsform der Depression gesehen werden könne. Diese angebliche Erkrankung sei im Folgenden von einer PR-Firma gezielt über die Medien lanciert worden, um so den Absatz des Produkts zu steigern.

Wirkungslosigkeit bei einigen Patienten

Forscher der Duke University haben herausgefunden, dass es möglicherweise eine Genmutation gibt, die SSRI unwirksam macht. Bei depressiven Patienten ist zehnmal häufiger als bei gesunden Kontrollpersonen ein mutiertes Gen vorhanden, das für einen Serotonin-Mangel im Gehirn sorgt. Patienten mit dieser Mutation reagieren schlecht auf die gewöhnlich verschriebenen Antidepressiva, die über Serotonin wirken. Bei einigen zeigten die SSRI gar keine Wirkung. Bei anderen mussten Höchstdosen gegeben werden. Die Patienten sprechen jedoch auf atypische Antidepressiva an.[4][5][6]

Referenzen

  1. Am J Epidemiol 2000; 151: S. 951-957
  2. http://www.cbc.ca/news/story/2002/02/14/depressioncancer_020214.html Anti-depressants linked to increased breast cancer risk
  3. New England Journal of Medicine, Ausgabe 342, 29. Juni , 2000, S. 2003
  4. Depressionen: Genmutation macht Antidepressiva unwirksam, 24. Dezember 2004
  5. Dorothee und Boris Ferger: Neue Genmutation bei Depression entdeckt, Pharmazeutische Zeitung, 2005
  6. Zhang, X., et al.: Loss-of-Function Mutation in Tryptophan Hydroxylase-2 Identified in Unipolar Major Depression. Neuron 2005; 45 (1): 11-16
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Paroxetin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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