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Racemat



In der Chemie bezeichnet man als ein Racemat (lat.: acidum racemicum = Traubensäure, mit der die erste Racemat-Trennung gelang) ein äquimolares Gemisch von zwei Enantiomeren. Ein Racemat ist nicht optisch aktiv, d.h. es dreht die Polarisationsebene von polarisiertem Licht nicht, da beide Enantiomere in gleicher Menge vorhanden sind.

Die Unterscheidung, ob eine Verbindung als Racemat oder als eines der Enantiomere vorliegt, ist insofern wichtig, da Enantiomere zwar gleiche physikalische[1], aber oft völlig unterschiedliche physiologische Eigenschaften aufweisen.

  • Den vollständigen oder teilweisen Abbau eines vorhandenen Enantiomerenüberschusses bezeichnet man als Racemisierung.
  • Die Auftrennung eines Racemats in die einzelnen Enantiomere erfolgt durch Racematspaltung.


Inhaltsverzeichnis

Kristallisation

Man unterscheidet drei verschiedene Arten, in denen ein Racemat kristallisieren kann, dies hat besonders Auswirkungen auf Racematspaltungen durch Kristallisation. H.W.B. Roozeboom hat bereits 1899 klar definiert, wie man zwischen diesen Arten unterscheiden kann.

Racemische Verbindung

Ein kristallines Racemat, das eine einzige Phase bildet in welcher die zwei Enantiomere wohlgeordnet in einem 1:1 Verhältnis in der Elementarzelle vorkommen, wird racemische Verbindung genannt. Die Mehrheit aller chiralen Verbindungen kristallisiert auf diese Weise.

Konglomerat

Ein Konglomerat ist ein kristallines Racemat, das aus einer Mischung aus separaten Kristallen der reinen Enantiomere besteht. Dieser kristalline Typ kommt seltener vor als die racemische Verbindung.

Pseudoracemat

Ein kristallines Racemat, das eine feste Lösung formt. Im Ganzen kommen beide Enantiomere in gleicher Menge vor, aber im Kristallgitter sind sie unregelmäßig verteilt. Ungleiche Mengen beider Enantiomere können in jedem Verhältnis kokristallisieren. Nur sehr wenige chirale Verbindungen kristallisieren auf diese Weise.

Racematspaltung

Prinzip

Als Racematspaltung werden Verfahren zur Trennung von Racematen in ihre Enantiomere bezeichnet. Auftrennungsprinzipien sind:

  • manuelles Sortieren von separat gewachsenen Kristallen ("Pasteur")
  • Chromatographie mit einer asymmetrischen Phase
  • Bildung asymmetrischer Salze und Ausnutzung ihrer unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften
  • Komplexbildung mit (asymmetrischen) Rezeptoren
  • kinetische Trennung (reaktiver Entzug einer Komponente aufgrund unterschiedlicher Reaktivität mit asymmetrischen Reagenzien)
  • indirekte Prinzipien: a) temporäres kovalentes Binden an Hilfsstoffe oder b) asymmetrische Synthese innerhalb einer Syntheseroute

Die klassische Methode nach Louis Pasteur, die allerdings praktisch unbedeutend ist, ist das manuelle Aussortieren von Kristallen unter dem Mikroskop. Eine Voraussetzung dafür ist, dass das Racemat von sich aus Kristalle bildet, die nur eines der Enantiomere enthalten (spontane Spaltung). Solche Kristalle unterscheiden sich auch makroskopisch wie Bild und Spiegelbild.

Die im organisch-chemischen Labor übliche Methode ist das in Kontakt bringen mit asymmetrischen chiralen Materialien. Chromatographisch wählt man dazu entweder die mobile (Eluenz) oder die stationäre Phase optisch aktiv. Das führt zur unterschiedlichen Retention zweier Enantiomere.

Asymmetrische Salze haben unterschiedliche physikalische Eigenschaften, wie z.B. Löslichkeit oder Schmelzpunkt, und lassen sich so entsprechend z.B. durch fraktionierte Kristallisation trennen.

Eine weitere Methode ist die kinetische Racematspaltung. Dabei wird eine racemische Substanz mit einem enantiomerenreinen Reagenz zusammen gebracht, wobei ein Enantiomer schneller reagiert als das andere. Ist der Unterschied in der Reaktionsgeschwindigkeit groß genug, bleibt ein Enantiomer unverändert zurück, das andere Enantiomer wird in eine neue (evtl. ebenfalls chirale) Verbindung überführt. Die häufiger angewendete Art der kinetischen Racematspaltung bedient sich der Katalyse, bei der anstelle eines Reagens ein asymmetrischer Katalysator verwendet wird, der ein Enantiomer des Edukts schneller umsetzt als das andere. Erstmals demonstriert wurde dieses Verfahren ebenfalls durch Pasteur 1858, der Hefe Penicillium glaucum mit racemischer Weinsäure als Nährstoff wachsen ließ. Während das eine Enantiomer von der Hefe verstoffwechselt wurde, blieb das andere Enantiomer in der Lösung zurück.[2]

Geschichte: Erste Racematspaltung durch Pasteur

Pasteur ließ 1847, im Alter von 25 Jahren, eine wässrige Lösung von racemischem Natrium-Ammonium-Tartrat auskristallisieren und trennte daraus einzelne Kristalle aufgrund ihrer asymmetrischen Form („hemihedrale Flächen“). Eine Lösung der Kristalle einer Sorte zeigte optische Aktivität in die eine, die andere in die entgegengesetzte Richtung – das Racemat war in Enantiomeren getrennt. Man zweifelte Pasteurs Arbeit an und er musste sie unter der Aufsicht von Jean Baptiste Biot wiederholen, was gelang. Pasteur hatte Glück: Wäre es im Labor kälter gewesen, wäre der Versuch misslungen. Bei Natrium-Ammonium-Tartrat tritt spontane Spaltung nur oberhalb von etwa 18 °C auf (Kristallisation als Konglomerat), darunter wäre nur eine Sorte Kristalle entstanden - die racemische Verbindung.

Siehe auch

Mischkristall
Stereospezifische Synthese

Quellen und Anmerkungen

  1. gleich, bezüglich ihres Betrags
  2. Pasteur, M. L. (1858): C. R. Hebd. Seances Acad. Sci. 46, 615-618.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Racemat aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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