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Risperidon



Steckbrief
Name (INN) Risperidon
Wirkungsgruppe

Antipsychotikum

Handelsnamen

Risperdal®, Risperdal CONSTA®, Risperdal QUICKLET®, diverse Generika

Klassifikation
ATC-Code AX08
CAS-Nummer 106266-06-2
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Risperidon)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: 3-{2-[4-(6-Fluor-1,2-benzisoxazol- 3-yl)piperidino]ethyl}- 2-methyl-6,7,8,9-tetrahydro- 4H-pyrido[1,2-a]pyrimidin-4-on
Summenformel C23H27FN4O2
Molare Masse 410,48 g/mol

Risperidon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Neuroleptika, die in der Psychiatrie als Antipsychotikum verwendet werden. Unter den umsatzstärksten Arzneimitteln Deutschlands belegte das Risperidon-haltige Präparat Risperdal® im Jahr 2005 den sechsten Platz[1]. Risperidon wird häufig als Atypisches Neuroleptikum bezeichnet, da die Nebenwirkungen auf das extrapyramidalmotorische System geringer sein sollen als bei anderen Neuroleptika. Es gibt Studien, die versuchen dies zu belegen[2], aber auch Studien, in denen dies zur Diskussion gestellt wird[3]. Zugelassen ist Risperdal in Deutschland ab 16 Jahren. Nur im Indikationsgebiet ,,Verhaltensstörungen bei Intelligenzminderung‘‘ können auch Kinder ab 5 Jahren behandelt werden.


Inhaltsverzeichnis

Potenz

Die neuroleptische Potenz von Risperidon wird mit etwa dem 50-fachen derjenigen des Chlorpromazins angegeben. Der Wirkstoff zählt demnach zu den hochpotenten Neuroleptika, vergleichbar mit Flupentixol, Fluspirilen oder Olanzapin.

Chemische Struktur

Risperidon ist ein Benzisoxazol-Derivat und strukturverwandt mit Ziprasidon, im weiteren Sinne auch mit Aripiprazol.

Pharmakodynamik

Die vermutlich wesentlich für die antipsychotische Wirkung von Risperidon verantwortliche D2-Affinität beträgt ca. 1/3 derjenigen von Haloperidol. Der 5-HT2-Antagonismus ist bei Risperidon deutlich stärker ausgeprägt als die Wirkung auf Dopamin-Rezeptoren, was Konsequenzen für die psychotische Negativsymptomatik, aber auch für die Nebenwirkungen bei Kombinationstherapie hat. Zusätzlich wirkt Risperidon als Antagonist an Noradrenalin-alpha2 (bewirkt Blutdruckerhöhung) und Histamin-H1-Rezeptoren (Mundtrockenheit, Müdigkeit).[4]

Unerwünschte Wirkungen

Risperidon führt seltener zu Parkinson-Symptomen als die "klassischen" Substanzen (Butyrophenone oder Phenothiazine). Allerdings ist die EPMS-auslösende Wirkung nicht Null, sondern soll z.B. der von Flupentixol vergleichbar sein.[5] Risperidon besitzt noch andere Störeffekte, die der Compliance abträglich sein können, etwa Gewichtszunahme oder Erhöhung des Serum-Prolaktinspiegels. Es wirkt insgesamt kaum sedierend.

Die Kombinationstherapie mit Risperidon und anderen Psychopharmaka (s.u.) erhöht tendenziell die Inzidenz und das Ausmaß unerwünschter Wirkungen. Besonders riskant ist die Kombination mit Diuretika wie Furosemid bei alten Patienten [6])

Indikationen

Risperidon ist zur Therapie schwerer und chronischer schizophreniformer und schizoaffektiver Störungen zugelassen. Es kann darüber hinaus zur Behandlung manischer Phasen verwendet werden. Außerdem kann es sehr wirksam bei aggressiven Verhaltensstörungen sein. Es besitzt keine nachgewiesene phasenprophylaktische Wirkung. Es wird außerdem bei Zwangserkrankungen eingesetzt [7]

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen

Hyperprolaktinämien schließen die Anwendung von Risperidon aus, sofern sie nicht arzneimittelbedingt (d.h. mittels Absetzen des verursachenden Präparats reversibel) sind.

Relative Kontraindikationen

Zu den Zuständen, bei denen Risperidon nur mit besonderer Vorsicht verabreicht werden darf, zählen QT-Strecken-Verlängerungen im EKG (bestimmte Herzerkrankungen), da die Substanz potenziell QT-verlängernd wirkt. Demenzen stellen ebenfalls eine Anwendungsbeschränkung dar, da unter Risperidon bei demenzkranken älteren Patienten die Sterblichkeit steigt.[8] Eine amerikanische Studie mit älteren Patienten zeigte, dass das Risiko zerebro-vaskulärer Ereignisse (TIA, Hirninfarkt) im Vergleich zur Applikation eines Placebopräparates signifikant steigt.

Kombinationstherapie

Risperidon wird mitunter in Kombination mit weiteren Pharmaka zur Behandlung anderer psychischer Störungen als Schizophrenie und Manie eingesetzt (Augmentation).

  • Bipolare Störung. Es existieren keine zuverlässigen Studienresultate, die einen Nutzen von Risperidon belegen,[9] mit Ausnahme der akuten manischen Phase.
  • Depression. Es existieren keine verlässlichen Nutzennachweise, gleichwohl Empfehlungen aus herstellernaher Quelle und einzelne Fallberichte mit positivem Ausgang.[10] Gleichzeitige Gabe von Risperidon und SSRI erhöht das Risiko eines Serotonin-Syndroms und darf nur mit besonderer Vorsicht erfolgen. Kombination von Risperidon und Paroxetin kann zu sehr starker Gewichtszunahme führen.[11]
  • Schizophrenie: Eine Untersuchung der Kombination Clozapin/Risperidon zeigte gegenüber den Einzelstoffen keine verbesserte Wirksamkeit.[12]

Handelspräparate, Dosierung

Risperidon ist in Deutschland und Österreich unter dem Markennamen Risperdal® im Handel. Da Ende 2007 der Patentschutz in Deutschland ausgelaufen ist, sind zahlreiche Generika auf dem deutschen Markt erhältlich, die in Österreich schon seit geraumer Zeit unter dem Namen Risperidon im Handel sind. Seit 2002 ist unter der Bezeichnung Risperdal CONSTA® eine Zubereitung zur parenteralen Anwendung mit verzögerter Freisetzung erhältlich - das erste atypische Depot-Neuroleptikum.

Die empfohlene orale Tagesdosis beträgt 2-6 mg, sie kann in bestimmten Fällen aber bis auf 16 mg gesteigert werden, wobei mit verstärkten Nebenwirkungen zu rechnen ist und der Nutzen gegen das Nebenwirkungsspektrum unbedingt abgewogen werden muss. Für Risperdal CONSTA® werden Dosen von 25-50 mg alle 2 Wochen als Injektion tief i.m. in den Glutealmuskel (Gesäßmuskel) empfohlen.[13]

Siehe auch

Quellenangaben

  1. Arzneiverordnungs-Report 2006. Weblink: [1]
  2. Csernansky JG et al., New England Journal of Medicine 2002 Jan 3;346(1):16-22 PMID: 11777998
  3. Lieberman JA et al., New England Journal of Medicine 2005 Sep 22;353(12):1209-23 PMID: 16172203
  4. Schotte, A, Janssen, PFM, Gommeren W. (1996) Risperidone compared with new and reference antipsychotic drugs: in vitro and in vivo receptor binding. Psychpharmacol 124: 57-73. PMID: 8935801
  5. Häufigkeit von Rigor unter Flupentixoldecanoat und Risperidon in Abhängigkeit von der Dosierung. Psychiatr Prax. 2004 Nov;31 Suppl 1:S167-9. PMID: 15570542
  6. Quelle: Fachinformation zu Risperdal(R) Stand Dezember 2006
  7. Schweizerische Gesellschaft für Zwangsstörungen - Medikamentöse Behandlung von Zwangsstörungen
  8. arznei-telegramm 2005; 36: 51-2.
  9. Treatment-Resistant Bipolar Depression: A STEP-BD Equipoise Randomized Effectiveness Trial of Antidepressant Augmentation With Lamotrigine, Inositol, or Risperidone. Am J Psychiatry. 2006 Feb;163(2):210-6. PMID: 16449473
  10. www.depression-therapie-forschung.de - Zwei Wirkstoffe durchbrechen zusammen die Depressionen: Paroxetin plus Risperidon bei Therapieresistenz (Hersteller-gesponsorter Beitrag in der Ärzte Zeitung)
  11. Severe Weight Gain Induced by Combination Treatment With Risperidone and Paroxetine. Clin Neuropharmacol. 2002 Sep-Oct;25(5):269-71. PMID: 12410060
  12. Clozapine Alone versus Clozapine and Risperidone with Refractory Schizophrenia New England Journal of Medicine 2006 Feb 2;354(5):472-482. PMID: 16452559
  13. Rote Liste Online (Stand: 2007-11-15)

Literatur

  • Hunter R H et al: Risperidone versus typical antipsychotic medication for schizophrenia. The COCHRANE database of Systematic Reviews 2005 Issue 4. Weblink: [2]
  • Möller; Müller; Bandelow: Neuroleptika, Pharmakologische Grundlagen, klinisches Wissen und therapeutisches Vorgehen; Stuttgart 2001. ISBN 3-8047-1773-X
  • Jüptner, Markus; Gastpar, Markus Theodor: Behandlung psychotischer Symptome bei Demenzpatienten: Todesfälle unter Risperidon und Olanzapin – was nun? Nervenarzt 2004;7:720-722
    • Potenzieller Interessenkonflikt: Prof. Gastpar hatte finanzielle Verbindungen zum Hersteller von Risperdal®.


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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Risperidon aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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