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Soman



Strukturformel
Allgemeines
Name Soman
Andere Namen
  • Methylfluorophosphonsäure
  • (1,2,2-Trimethylpropyl)methanfluorphosphonat
Summenformel C7H16FO2P
CAS-Nummer 96-64-0
SMILES

CC(OP(C)(F)=O)C(C)(C)C

Kurzbeschreibung geruchlose, gelbbraune Flüssigkeit
Eigenschaften
Molare Masse 182 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig
Dichte 1,0131 g/cm3[1]
Schmelzpunkt -70 °C[1]
Siedepunkt 190°C[1]
Dampfdruck

0,35 mbar (20°C)[1]

Löslichkeit

in Wasser 1,5 %; sehr gut in organischen Lösungsmitteln

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung

Keine Einstufung verfügbar[2]

R- und S-Sätze R: siehe oben[2]
S: siehe oben[2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Soman ist ein Nervenkampfstoff, der chemisch mit dem Sarin verwandt ist. Er unterscheidet sich von diesem nur dadurch, dass anstelle eines der beiden Methyl-Reste ein C(CH3)3-Rest in der Verbindung vorhanden ist. Soman ist der 1,2,2-Trimethylpropylester der Methylfluorophosphonsäure. Es ist gut in Wasser löslich und stabil gegenüber Sonnenlicht; an der Luft zerfällt es langsam infolge Hydrolyse. Der Code ist GD. Von den mit Gx bezeichneten Nervenkampfstoffen Sarin, Soman und Tabun ist Soman der weitaus giftigste und persistenteste.

Die Flüssigkeit riecht campherartig. Der Schmelzpunkt liegt bei −80 Grad, der Siedepunkt bei 167 Grad. Bei Zimmertemperatur ist dieser Stoff also flüssig.

Weitere Namen: GD, Methylphosphonofluoric acid, 1,2,2-trimethylpropyl esther, Pinacolyl methylphosphonofluoridate

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Soman wurde 1944 vom österreichisch-deutschen Chemiker Richard Kuhn (Nobelpreis 1938) und seinem Mitarbeiter Konrad Henkel entdeckt und synthetisiert. Wegen der Kapitulation Hitler-Deutschlands wurden jedoch nur geringe Mengen für Testzwecke produziert, die nach dem Krieg zum größten Teil von sowjetischen Truppen in die UdSSR gebracht wurden. Während des Kalten Krieges wurde Soman in großen Mengen in der damaligen Sowjetunion hergestellt. Der Kampfstoff hatte bei den sowjetischen Streitkräften die Codebezeichnung R-55. Wie viele andere Kampfstoffe wurde auch Soman nach Mischen mit einem organischen Polymer als verdickter Kampfstoff gelagert bzw. munitioniert; auf diese Weise sollte bei einem Einsatz die hohe Toxizität mit einer langen Sesshaftigkeit verbunden werden. Soman in dieser Form wurde in der UdSSR als VR-55, im Bereich der NATO als GV (V für viscous, zäh, viskos) bezeichnet.

Schutzmaßnahmen

Nervenkampfstoffe sind bereits in kleinsten Mengen tödlich. Angriffsfläche ist der gesamte Körper. Deshalb bietet auch nur ein Ganzkörper-Schutzanzug und eine Schutzmaske ausreichenden Schutz. Vor einem Kampfstoffeinsatz können Oxim-Tabletten eingenommen werden. Bei einer Soman-Vergiftung hilft – im Gegensatz zu vielen anderen Nervenkampfstoffen – eine Injektion von Hyoscyamin (dem Gift der Tollkirsche) nicht. Im Verlauf der wochenlangen Nachbehandlung versucht man mit Obidoxim die Acetylcholinesterase zu regenerieren.

Für die Dekontamination können unter anderem Oxidationsmittel (z. B. Chlorkalk oder Calciumhypochlorit), alkalische Lösungen und nichtwässrige Medien, z. B. Aminoalkoholate, verwendet werden, da Nervenkampfstoffe zum einen empfindlich gegenüber Oxidationsmitteln sind und zum anderen ihre Hydrolyse im basischen Milieu beschleunigt abläuft. Bei empfindlichen Oberflächen kann z. B. Natriumcarbonatlösung verwendet werden, die jedoch naturgemäß langsamer wirkt.

Symptome

Leichte Vergiftung: Kopfschmerzen, Atemnot, starke Schweißausbrüche, starke Sehstörungen verbunden mit Augenschmerzen, vermehrte Produktion von Nasensekret, Tränenflüssigkeit und Speichel.

Mittelschwere Vergiftung: starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Augenschmerzen, Krämpfe mit Bewusstseinsstörungen.

Schwere Vergiftung: Krämpfe der Skelettmuskulatur bis Krampfanfall, Erbrechen, starke Atemnot, Angstzustände, Verwirrtheit. Der Tod tritt durch Atemlähmung ein.

Quellen

  1. a b c d Eintrag zu CAS-Nr. 96-64-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des BGIA, abgerufen am 18.8.2007 (JavaScript erforderlich)
  2. a b c In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Soman aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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