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Turmalingruppe



Turmalingruppe
verschiedene Turmalin-Minerale aus Madagaskar
Chemismus XY3Z6[(BO3)3T6O18(OH,O)3(OH,F,O)]

X=(Ca,Na,K,[]), Y=(Mg,Li,Al,Mn,Fe2+,Fe3+,V,Cr,Ti,Cu,[]), Z=(Al,Mg,Cr,V,Fe3+,Ti), T=(Si,Al,B,Be)

Mineralklasse siehe Einzelminerale
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse ditrigonal-pyramidal \ 3m
Farbe siehe Einzelminerale
Strichfarbe weiß
Mohshärte 7 bis 7,5
Dichte (g/cm³) 3 bis 3,2
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig
Spaltbarkeit keine, häufig aber Absonderung senkrecht C
Habitus prismatische, säulige bis nadelige Kristalle, massige bis körnige Aggregate
Häufige Kristallflächen
Zwillingsbildung Selten zwillinge nach den Prismenflächen
Kristalloptik
Brechzahl
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
Pleochroismus je nach Mineral teilweise sehr stark
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
2vz ~
Weitere Eigenschaften
Phasenumwandlungen
Schmelzpunkt
Chemisches Verhalten
Ähnliche Minerale
Radioaktivität nicht radioaktiv
Magnetismus nicht magnetisch
Besondere Kennzeichen Kristalle zeigen piezoelektrischen, pyroelektrischen Effekt und starken Pleochroismus

Die Turmalingruppe besteht aus einer Mischreihe im trigonalen Kristallsystem kristallisierender Silikat-Minerale mit der komplexen chemischen Zusammensetzung:

XY3Z6[(BO3)3T6O18(OH,F,O)4]

X = (Ca,Na,K,[])
Y = (Mg,Li,Al,Mn,Fe2+,Fe3+,V,Cr,Ti,Cu,[])
Z = (Al,Mg,Cr,V,Fe3+,Ti)
T = (Si,Al,B,Be)

X, Y und Z sind dabei durch ein beliebiges Element aus der jeweils in Klammern angegebenen Gruppe vertreten, die Klammerung (OH,F) bedeutet, dass Hydroxid- und Fluorid-Ionen in beliebigem Mischungsverhältnis zueinander stehen können, aber immer in derselben Relation zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen (Substitution). Das Symbol [] steht für eine Leerstelle im Kristallgitter.

Die Turmalin hat eine Härte von 7 bis 7,5 und eine weiße Strichfarbe. Die Farbe selbst ist äußerst variabel und kann sogar entlang der Längsachse eines einzelnen Kristalls variieren. Häufig kommen blaue, grüne, rote, rosafarbene, braune oder schwarze Varianten vor. Ein einzelner Kristall kann oft mehrere Farben aufweisen. Helle Kristalle mit dunkler Spitze werden Mohrenkopfturmaline und rote Kristalle mit grüner Hülle werden oft Wassermelone genannt. Besonders schön sind die manchmal zu sehenden dünnen Querschnitte durch vermeintlich schwarze Turmaline, die eine mit dem Achat vergleichbare Zeichnung mit den verschiedensten Farbtönen aufweisen können.

An Turmalinen kann man oft den so genannten Pleochroismus beobachten, das heißt, dass ein Kristall je nach Betrachtungsrichtung verschiedene Farben aufweist. Von der Seite aus betrachtete grüne Turmaline sehen oft immer dunkler braun aus, wenn man sie immer weiter von der Spitze her anschaut. Andere Turmaline werden immer dunkler, je weiter man von der Spitze her schaut. Eine besondere Farbe wäre noch ein fast immer sehr dunkler bläulich-roter Farbton, der beim Drehen des Kristalles erst in ein reines Blau und dann in ein fast reines Schwarz übergeht.

Eine weitere Besonderheit des Turmalins ist der bei Kristallen auftretende piezo- und pyroelektrische Effekt: Ersterer besagt, dass mechanische Beanspruchung durch Druck oder Torsion dazu führt, dass sich gegenüberliegende Kristallenden elektrisch entgegengesetzt aufladen, letzterer, dass diese Aufladung auch durch Temperaturänderungen hervorgerufen wird.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Geschichte

Turmalin war der erste Kristall, bei dem der pyroelektrische Effekt beobachtet werden konnte (siehe auch Pyroelektrischer Kristall).

Am häufigsten kommt der Fe-Turmalin mit dem Namen Schörl vor. Die erste uns heute bekannte genauere Beschreibung von Schörl mit der Bezeichnung „schürl“ und dessen Vorkommen im Sächsischen Erzgebirge erfolgt durch Johannes Mathesius (1504-1565) im Jahre 1562 (Ertl, 2006). Die etymologische Untersuchung des geographischen Beriffes Zschorlau (Gemeinde in Sachsen mit der ursprünglichen Bezeichnung Schorl) und der Bezeichnung „Schörl“ für ein Mineral der Turmalin-Gruppe lässt einen gemeinsamen Wortstamm vermuten, der bereits vor 1400 n. Chr. gebräuchlich war. In der Nähe von Zschorlau wurde Zinnstein (Kassiterit), häufig vergesellschaftet mit Schörl (schwarzer Fe2+-reicher Turmalin), gefunden und abgebaut. Bis etwa 1600 waren noch folgende Namen in Gebrauch: „Schurel“, „Schörle“ und auch „Schurl“. Im 18. Jahrhundert setzte sich dann im deutschen Sprachraum der Name „Schörl“ durch, der auch heute noch Verwendung findet. Im 18. Jahrhundert wurden die Bezeichnungen „shorl“ und „shirl“ im Angelsächsischen Sprachraum eingeführt, im 19. Jahrhundert auch die Bezeichnungen „common schorl“, „schörl“, „schorl“ und „iron tourmaline“ (Ertl, 2006).

Der Name Dravit wurde zum ersten Mal von Gustav Tschermak (*1836 - †1927; Professor für Mineralogie und Petrographie an der Universität Wien) in seinem 1884 erschienenen "Lehrbuch der Mineralogie" für Mg-reichen (und Na-reichen) Turmalin verwendet, dessen Vorkommen nahe der Ortschaft Unterdrauburg in Kärnten lag, also im „Dravegebiet“ der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (Ertl, 2007). Heute gehört die Turmalin-Fundstelle (Typlokalität für Dravit) nahe der Gemeinde Dravograd (die Fundstelle befindet sich bei Dobrova pri Dravogradu) zur Republik Slowenien. Der Turmalin wurde von Tschermak nach dem Dravegebiet, dem Gebiet entlang der Drau (lateinisch: Drave) in Österreich und Slowenien, als Dravit benannt. Die chemische Zusammensetzung, die Tschermak 1884 für Dravit angibt, entspricht der ungefähren Formel NaMg3(Al,Mg)6B3Si6O27(OH), welche, bis auf den OH-Gehalt, sehr gut mit der heutigen Endgliedformel für Dravit, NaMg3Al6B3Si6O27(OH)4, bzw.NaMg3Al6(BO3)3 (Si6O18) (OH)4, übereinstimmt (Ertl, 2007).

Einzelminerale und Varietäten

Die einzelnen Minerale der Turmalingruppe (mit ihren Varietäten) sind im folgenden mit ihrer chemischen Zusammensetzung angegeben:

  • Buergerit NaFe33+Al6[F|O3|(BO3)3|Si6O18]
  • Chromdravit NaMg3(Cr,Fe3+)6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Dravit NaMg3Al6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Elbait Na(Li,Al)3Al6[(OH,F)4|(BO3)3|Si6O18]
    • Achroit, farblos
    • Indigolith, blau
    • Rubellit, rosa bis rot
    • Siberite
    • Tsilaisite
    • Verdelith, grün
  • Feruvit CaFe32+(Al,Mg)6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Foitit Na<0,5(Fe2+,Al)3Al6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Liddicoatit Ca(Li,Al)3Al6[(OH,F)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Magnesiofoitit Na<0,5(Mg,Fe2+,Al)3Al6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Olenit Na0,5-1Al3Al6[(O,OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Povondrait (Na,K)(Fe3+Fe2+)3(Fe3+,Mg,Al)6[(OH,O)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Rossmanit Na<0,5(Al,Li,Mn2+)3Al6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Schörl NaFe32+(Al,Fe3+)6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Uvit Ca(Mg,Fe2+)3MgAl5[(OH,F)4|(BO3)3|Si6O18]
  • Vanadiumdravit NaMg3(V3+,Al)6[(OH)4|(BO3)3|Si6O18]

Bildung und Fundorte

Turmalin findet sich in Form prismatischer Kristalle in granitischen Pegmatiten, aber auch in metamorphen Gesteinen wie Gneis, die durch borhaltige hydrothermale Lösungen in ihrer Zusammensetzung verändert wurden.

Verwendung

Besonders schöne Exemplare finden als Schmuckstein Verwendung, etwa der Rubellit, eine rote Variante des Turmalin. Das bekannteste Beispiel dürfte die Meisterschale der Fußball Bundesliga sein, die mit insgesamt 16 Turmalinen besetzt ist. Wegen der besonderen elektrischen Eigenschaften wird Turmalin zudem auch in der Elektronik genutzt.

Galerie

Siehe auch

Literatur

  • Benesch, Friedrich: Der Turmalin - Eine Monographie, Verlag Urachhaus Johannes M. Mayer GmbH, 1990 ISBN 3-87838-650-8
  • Ertl, Andreas: Über die Etymolgie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft, 152, 7–16, 2006 [1]
  • Ertl, Andreas: Über die Typlokalität und die Nomenklatur des Minerals Dravit Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft, 153, 265–271, 2007 [2]
  • Ertl, Andreas, Pertlik, Franz & Bernhardt, Heinz-Jürgen: Investigations on olenite with excess boron from the Koralpe, Styria, Austria, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse, Abt. I, Anzeiger, 134, 3-10, 1997 [3]
  • Rustemeyer, Paul: Faszination Turmalin - Formen Farben Strukturen, Spektrum Akademischer Verlag, 2003 ISBN 3-8274-1424-5
  • Rustemeyer, Paul: Turmalin - Extra Lapis No. 6, Christian Weise Verlag, 1994 ISBN 3-921656-31-1
  • Edition Dörfler: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag, ISBN 3-89555-076-0
  • Dr. S. Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6
 
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