Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Von Zyklopen und Lilien

Neue Synthesestrategie zur Herstellung von Cyclopamin, eines potenziellen Krebs-Therapeutikums

10.08.2009: Fressen trächtige Schafe Lilien der Gattung Veratrum californicum (Kalifornischer Germer), tragen ihre neugeborenen Lämmchen nur ein Auge mitten auf der Stirn, wie bei einem Zyklopen, entdeckten Schafhirten in Idaho (USA) 1957. Als Auslöser konnte das Alkaloid Cyclopamin identifiziert werden. Bei erwachsenen Menschen hat sich Cyclopamin als wirksamer Kandidat für die Krebs-Therapie erwiesen und befindet nun in der klinischen Test-Phase. Ein Forscherteam von den Universitäten Leipzig und Thessaloniki hat nun einen neuen Syntheseweg zur Herstellung von Cyclopamin entwickelt. Wie Wissenschaftler um Athanassios Giannis in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, sind sie zuversichtlich, dass ihre Forschungsergebnisse helfen werden, das Wissen um die Struktur-Wirkungs-Beziehungen des Cyclopamins zu erweitern und Cyclopamin-Analoga mit einer abgestimmten Bioaktivität zu entwickeln.

Cyclopamin ist der erste Inhibitor des so geannten Hedgehog-Signaltransduktionsweges. Zellen können damit auf äußere Signale reagieren. Der Signalweg ist nach seinem Liganden „Hedgehog“ benannt, einem Signalprotein, das eine wichtige Funktion bei der Embryonalentwicklung ausübt. Eine Fehlfunktion dieses Signalwegs führt zu massiven Fehlbildungen im Laufe der Embryonalentwicklung, wie der Zyklopie, und kann bei Erwachsenen Krebs verursachen. Die Inhibierung dieses Weges ist eine neue Möglichkeit der Krebs-Therapie.

Bisher existierte noch keine effiziente Synthese für Cyclopamin. Die Struktur dieses ungewöhnlichen Steroidalkaloids birgt eine Vielzahl von Besonderheiten, die eine Synthese erschweren. Das deutsch-griechischen Team hat diese Schwierigkeiten gemeistert und eine effiziente 20-stufige Synthesestrategie ausgehend von kommerziell erhältlichem Dehydroepiandrosteron, einem natürlichen Steroid-Hormon, entwickelt, die auf biomimetischen und diastereoselektiven Transformationen basiert. Die Forscher erreichten eine Gesamtausbeute von 1%, was für eine derart knifflige Synthese ein gutes Ergebnis ist. Durch kleine Abwandlungen der verwendeten Reagenzien lassen sich nach dieser neuen Strategie darüber hinaus Cyclopamin-Analoga herstellen, die nicht in der Natur vorkommen. Mit diesen Analoga wollen die Wissenschaftler die biologische Aktivität des interessanten Naturstoffs weiter untersuchen und so anpassen, dass auf dieser Basis ein neuer Antitumor-Wirkstoff entwickelt werden kann.

Originalveröffentlichung: Athanassios Giannis et al.; "Synthese von Cyclopamin unter Verwendung biomimetischer und diastereoselektiver Transformationen"; Angewandte Chemie 2009.

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Zusatzinformationen

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Anti-Tumor-Wirkstoffe
Mehr über Uni Leipzig
Kontakt
Universität Leipzig
Ritterstraße 26
04109 Leipzig
DEUTSCHLAND
Tel.
+4934197-108
Fax
+4934197-30009
  • News

    Erzeugung extremer UV-Strahlung mit Lasern an Nanostrukturen

    Die Erzeugung von extrem ultravioletter Strahlung an Nanostrukturen mit Laserpulsen wurde kürzlich von einem Forscher-Team aus Göttingen und Leipzig in ein neues Licht gerückt. Unter der Leitung von Prof. Claus Ropers und Prof. Bernd Abel ist es den Forschern gelungen, einen bisher in große ... mehr

    Eberhard-Gerstel-Preis an Dr. Ohla verliehen

    Der Eberhard-Gerstel-Preis 2012 ist Dr. Stefan Ohla vom Institut für Analytische Chemie der Universität Leipzig verliehen worden. Die Auszeichnung mit anschließenden Vorträgen der Preisträger fand am 18. April im Rahmen der analytica Conference 2012 in München statt. Der Eberhard-Gerstel-Pr ... mehr

    Durchbruch bei der Oxid-Elektronik

    Forschern vom Institut für Experimentelle Physik der Universität Leipzig ist es erstmals gelungen, einen Oxid-Feldeffekttransistor mit pn-Diode als Gate herzustellen. Ein Novum im Bereich preisgünstiger, großflächiger Elektronik, etwa bei der Herstellung hochauflösender 3D-Displays. Weltwei ... mehr

  • Universitäten

    Universität Leipzig Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum

    mehr

    Universität Leipzig

    Die Universität Leipzig wurde im Jahr 1409 gegründet. Im Laufe ihrer Geschichte erlebte sie Höhen und Tiefen und entwickelte einen breiten Fächerkanon, der nahezu alle Wissenschaftsbereiche, mit besonderen Akzenten in den Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften, umfasst. Nach umfangre ... mehr

Mehr über Angewandte Chemie
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.