Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

16.09.2009: Evonik Industries und sechs Forschungseinrichtungen haben, unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), ein Verfahren zum Design spezieller nanostrukturierter Partikeln entwickelt. In einem eigens konstruierten Überschallreaktor werden die Partikeln erstmals mit Hilfe gasdynamischer Effekte erzeugt und der Prozess gezielt gesteuert. Die Pilotanlage hat Evonik am Montag offiziell in Betrieb genommen. Die DFG fördert das Projekt „Gasdynamisch initiierte Partikelherstellung“ (GiP) mit rund neun Millionen Euro.

DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner würdigte die Pilotanlage als „einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung im Bereich der Nanopartikelgenese.“ Die Institutionen und Evonik beträten mit ihrer Form der Zusammenarbeit Neuland: „Das ist eine Kooperation, die ihresgleichen sucht.“ Die gemeinsame Arbeit beweise, dass „akademische und industrielle Welt sich treffen können und Fortschritte erzielen, die für jeden einzelnen so undenkbar gewesen wären.“ Die Anstrengungen eröffneten Perspektiven auf herausragende Innovationen.

Teilchen nach Maß

Für Evonik stehen die Erkenntnisse zur Erzeugung nanostrukturierter Teilchen im Vordergrund. „Wir suchen kontinuierlich nach alternativen Syntheserouten und Design-Methoden“, so der Geschäftsführer der Evonik Degussa GmbH, Thomas Haeberle. Grundsätzlich bestehe Bedarf an definierten Partikeln mit besonderem Eigenschaftsprofil. „Das GiP-Verfahren bietet uns die Möglichkeit, neue Reaktionswege und Anwendungen zu erschließen.“

Mit dem Verfahren wollen die Forscher Partikeln einheitlicher Größe und Form erzeugen, um sie beispielsweise mit optischen oder elektrischen Eigenschaften auszustatten. GiP erlaubt, die Synthese bei der Produktion anorganischer Partikeln im Hinblick auf die zurzeit noch vorhandene Aggregationsneigung gezielt zu beeinflussen. Das Ergebnis sind maßgeschneiderte Partikeln in verbesserter Qualität. Ein denkbares Einsatzgebiet wäre der Automobilbau. Im Rahmen der Forschungsarbeiten werde das vielfältige Anwendungsspektrum weiter untersucht, kündigte der wissenschaftliche Projektleiter Professor Herbert Olivier von der RWTH Aachen an.

Überschall im Reaktor

In der Pilotanlage dient heiße Gasströmung als Energielieferant. In dem Reaktor wird ein unter hohem Druck stehendes Gemisch aus Methan und Luft auf bis zu 1.500 Grad Celsius erhitzt. Nach der ersten von zwei hintereinander angeordneten Überschalldüsen wird eine chemische Reaktion initiiert, in der sich die gewünschten Partikeln bilden. Die Strömungsgeschwindigkeit erlangt phasenweise mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit.

In der zweiten Düse wird der Prozess durch extrem rasche Abkühlung abrupt gestoppt. Anschließend können die Teilchen zur weiteren Verwendung herausgefiltert werden. Die Partikelgröße ist unter anderem über Parameter wie Temperatur und Reaktionsdauer steuerbar. Der Reaktor erreicht Ausbeuten von etwa drei Kilogramm pro Stunde.

„Das Besondere des neuen Verfahrens sind die extrem hohe Aufheizrate des Gasgemischs mit Hilfe eines Stoßsystems in Überschallströmung sowie das ebenfalls gasdynamisch bedingte Quenchen des Gas-Partikelstroms in der Überschallströmung“, erläuterte Olivier. Sein Fazit: „Mit der Entwicklung haben wir das Hauptziel des Projekts erreicht und vielversprechende Ergebnisse erzielt.“

Erfolgsrezept Teamarbeit

Das Konzept des Überschallreaktors entstand an den Hochschulen Aachen, Duisburg-Essen, Karlsruhe, München und Stuttgart sowie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Die Abteilung Partikeltechnologie des Servicebereichs Verfahrenstechnik & Engineering von Evonik am Standort Hanau-Wolfgang sowie das Servicezentrum Technik der IPW GmbH waren verantwortlich für Konstruktion, Fertigung und Aufbau der Pilotanlage. Evonik betreibt die Anlage im Auftrag des wissenschaftlichen Konsortiums.

In das Projekt sind mehr als 25 Professoren, Wissenschaftler und Techniker eingebunden. „Dieses Vorgehen erfordert Offenheit, Vertrauen und ein Höchstmaß an Flexibilität auf allen Seiten“, sagte DFG-Präsident Kleiner. Die Forscher bereiten mehr als zwanzig wissenschaftliche Veröffentlichungen vor, eine Fülle weiterer Publikationen ist vorgesehen.

Das Gesamtprojekt läuft bis zum Sommer 2010. Als Meilenstein strebt das Konsortium die Herstellung von Partikeln mit bestimmten Performanceeigenschaften an. Solche Teilchen könnten Einsatz finden in Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie, im Werkzeug- und Maschinenbau oder in der Strukturierung von Oberflächen. Beispiele sind das Polieren von Wafern, Printable Electronics (RFID), kratzfeste und transparente Lacke, Fotodruck oder Katalysatoren.

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über LMU
Kontakt
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
DEUTSCHLAND
Tel.
+49892180-0
Fax
+49892180-2322
  • News

    Mit dem Nano-Ohr in die Stille lauschen

    Wie laut krabbelt ein Floh? Welche Schallwellen verursacht ein wanderndes Bakterium? Physikern des Exzellenzclusters „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) ist es erstmals gelungen, Schallwellen im Größenbereich dieses Mikrokosmos zu messen. Als Nano-Ohr fungiert ein einzelnes Goldnanopartik ... mehr

    Die Kunst des molekularen Teppichknüpfens

    Stabile zweidimensionale Netzwerke aus organischen Molekülen sind wichtige Bausteine für verschiedenste Aufgaben in der Nanotechnologie. Doch diese nur eine Atomlage dicken Netzwerke gleichzeitig mit hoher Qualität und großer Stabilität herzustellen, ist zurzeit noch eine große Herausforder ... mehr

    Zeolith-Synthese leicht gemacht: Anwendungen in Chemie und Industrie denkbar

    Zeolithe sind poröse Materialien, die dank ihrer gleichförmigen Poren und ihrer großen inneren Oberfläche wie Molekularsiebe wirken und etwa zur Luftfilterung und Reinigung von Wasser eingesetzt werden – nicht zuletzt auch zur Säuberung des radioaktiv verseuchten Meerwassers bei Fukushima. ... mehr

  • Universitäten

    Ludwig-Maximilians-Universität München

    Die Fakultät ist in der Lehre neue, zukunftsweisende Wege gegangen. Nun haben die ersten Studierenden den neuen Studiengang "Pharmaceutical Sciences" im Department Pharmazie abgeschlossen. Das Department Chemie und Biochemie konnte die Römer-Stiftung etablieren, die jährlich die besten Abso ... mehr

    Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

    Machen Sie sich ein Bild von uns ─ von der Großstadtuniversität mitten in München. Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ist eine der führenden Universitäten in Europa mit einer über 500-jährigen Tradition. Unseren Erfolg in der Exzellenzinitiative nutzen wir, um das Profil ... mehr

Mehr über RWTH
Kontakt
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH)
Templergraben 55
52056 Aachen
DEUTSCHLAND
Tel.
+4924180-1
Fax
+4924180-92312
Mehr über Uni Stuttgart
Kontakt
Universität Stuttgart
Keplerstraße 7
70174 Stuttgart
DEUTSCHLAND
Tel.
+49711685-0
Fax
+49711685-82113
  • News

    „Hochkarätige“ Messergebnisse dank künstlicher Diamanten: Physiker entwickeln Magnetfeld-Sensor

    Wissenschaftler um die Physikprofessoren Fedor Jelezko (Universität Ulm) und Jörg Wrachtrup (Universität Stuttgart) haben einen „hochkarätigen“ Sensor entwickelt, mit dem sich magnetische und elektrische Felder im Nanobereich besonders genau messen lassen. Dazu nutzen die Forscher atomare D ... mehr

    An der Grenze der Reibung

    Das Problem gibt es im Großen wie im Kleinen, und schon den alten Ägyptern machte es zu schaffen. Doch während Physiker die Reibung etwa eines Steinquaders, den Arbeiter zu einer Pyramide ziehen, bereits seit längerem gut verstehen, können sie Reibung in mikroskopischen Dimensionen erst jet ... mehr

    Die kleinste Dampfmaschine der Welt

    Was beim Automotor einen Fall für die Werkstatt bedeutet, ist bei einem Mikromotor völlig normal. Wenn der stottert, liegt das nämlich an den thermischen Bewegungen der kleinsten Teilchen, die seinen Lauf stören. Das haben Forscher der Universität Stuttgart und des Max-Planck-Instituts für ... mehr

  • Universitäten

    Universität Stuttgart Institut für Strahlwerkzeuge

    Das Institut für Strahlwerkzeuge der Universität Stuttgart verfolgt das Ziel, mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie durch Lehrtätigkeit zum Fortschritt der Lasertechnik und zu ihrem erfolgreichen Einsatz in der industriellen Fertigung beizutragen. Dabei befasst es sich mit ausgewäh ... mehr

    Universität Stuttgart

    Die Universität Stuttgart liegt inmitten einer hochdynamischen Wirtschaftsregion mit weltweiter Ausstrahlung, einer Region, die sich auf den Gebieten Mobilität, Informationstechnologie, Produktions- und Fertigungstechnik sowie Biowissenschaften profiliert hat. Die Stuttgarter Hochschule, di ... mehr

Mehr über Uni Karlsruhe
Kontakt
Universität Karlsruhe (TH)
Kaiserstrasse 12
76131 Karlsruhe
DEUTSCHLAND
Tel.
+49721-608-0
Fax
+49721-608-4290
Mehr über Evonik
  • News

    Henkel zeichnet hervorragende Lieferanten aus

    Auf der Jahresversammlung 2012 des American Cleaning Institute (ACI) vom 30. Januar bis 4. Februar in Orlando/USA, hat Henkel vier Lieferanten für ihre herausragende Zusammenarbeit ausgezeichnet. Preisträger des erstmalig verliehenen „Henkel Sustainability Award“ ist die BASF. Die Auszeichn ... mehr

    Evonik plant neue Produktionsanlage für Kosmetikrohstoffe in Brasilien

    Evonik treibt die Planung für eine neue Produktionsanlage voran, die in Americana, im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, eine große Bandbreite von Inhaltsstoffen für die Kosmetik- und Konsumgüterindustrie produzieren soll. Das Investitionsvolumen soll im mittleren zweistelligen Millione ... mehr

    Großinvestition in Singapur: Evonik baut für rund 500 Millionen Euro einen neuen Methionin-Komplex

    Mit der bisher größten Chemie-Investition stärkt Evonik das Kerngeschäft mit essentiellen Aminosäuren für die Tierernährung: Der Konzern wird in Singapur einen Methionin-Komplex mit einer Jahreskapazität von 150.000 Tonnen errichten und dafür rund eine halbe Milliarde Euro investieren. In d ... mehr

  • Stellenangebote

    Referent (m/w) Corporate Controlling

    Evonik Industries ist der kreative Industriekonzern aus Deutschland. Seien Sie gemeinsam mit uns erfolgreich. In unserem Kerngeschäft Spezialchemie sind wir eines der weltweit führenden Unternehmen. Darüber hinaus halten wir Beteiligungen in der Energie und bei Wohnimmobilien. Für unse ... mehr

    Manager (m/w) Marketing und Vertrieb

    Evonik Industries ist der kreative Industriekonzern aus Deutschland. Seien Sie gemeinsam mit uns erfolgreich. In unserem Kerngeschäft Spezialchemie sind wir eines der weltweit führenden Unternehmen. Darüber hinaus halten wir Beteiligungen in der Energie und bei Wohnimmobilien. Die AQur ... mehr

    Betriebsingenieur (m/w) Verfahrenstechnik

    Evonik Industries ist der kreative Industriekonzern aus Deutschland. Seien Sie gemeinsam mit uns erfolgreich. In unserem Kerngeschäft Spezialchemie sind wir eines der weltweit führenden Unternehmen. Darüber hinaus halten wir Beteiligungen in der Energie und bei Wohnimmobilien. Innerhalb u ... mehr

  • Firmen

    Evonik Goldschmidt GmbH

    Goldschmidt ist Teil des Unternehmensbereichs Performance Chemie der Degussa AG, dem weltweit führenden Anbieter von Spezialchemikalien. mehr

    Creavis Gesellschaft für Technologie und Innovation mbH

    Die Creavis produziert und vermarktet keramische Membranfolien. Aufgrund der Flexibilität der Folie sind Filterelemente in Form von Disks, Kassetten oder Wickelelementen realisierbar. mehr

    Evonik Industries AG

    Evonik ist weltweit führend in der Spezialchemie. Nach unserem Prinzip „Science to Business“ entwickeln wir Lösungen für morgen. Als fünftgrößter deutscher Stromerzeuger ist Evonik Markt- und Technologieführer in Planung, Bau und Betrieb hocheffizienter Steinkohlekraftwerke. Evonik zählt ... mehr

Meistgelesene News
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.