Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

19.10.2009: Gemeinsam haben Forscher des Fraunhofer IISB Erlangen, des Fraunhofer THM Freiberg und der SolarWorld AG herausgefunden, wie sie durch den Einsatz von Magnetfeldern bei der industriellen Produktion von Siliziumkristallen für die Photovoltaik spezielle Materialfehler vermeiden können. Diese Materialfehler sind schädlich für die Anwendung der Kristalle zur Erzeugung von Solarstrom. Für die gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wurde den Forschern am 15. Oktober 2009 der Georg Waeber Innovationspreis 2009 des Förderkreises für die Mikroelektronik e.V. verliehen.

Die Photovoltaik basiert heute und auch in Zukunft auf kristallinen Siliziumsolarzellen. Für deren Herstellung werden kostengünstige Siliziumkristalle mit maßgeschneiderten Eigenschaften benötigt, aus denen dünne Scheiben ("Wafer") für die Solarzellenfertigung geschnitten werden. Die Siliziumkristalle, genannt Blöcke, entstehen durch kontrollierte Kristallisation aus der rund 1.500°C heißen Siliziumschmelze. Ein wichtiges Wirtschaftlichkeitskriterium bei der Kristallisation der Siliziumblöcke ist die Waferausbeute pro Block. Diese wird neben anderen Faktoren durch den Gehalt an Kohlenstoff- und Stickstoff-Verunreinigungen im Silizium bestimmt. Während des Erstarrungsprozesses des Siliziumblocks können nämlich durch die Wechselwirkung des Siliziums mit Einbauten der Ofenanlagen und dem Tiegelmaterial Materialfehler in Form von Siliciumcarbid- und Siliciumnitrid-Ausscheidungen entstehen. Diese sind aufgrund ihrer gegenüber Silizium größeren Härte problematisch für die anschließenden Sägeprozesse. Zudem können sie aufgrund der Ausbildung von Kurzschlussströmen den Wirkungsgrad der Solarzellen verschlechtern. Diese Bereiche müssen aussortiert werden und mindern somit die Waferausbeute pro Block.

Hier setzt das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB an: Es forscht an seinem Hauptstandort in Erlangen sowie in seiner Außenstelle, dem Fraunhofer-Technologiezentrum für Halbleitermaterialien THM in Freiberg, im Auftrag des Industriepartners SolarWorld AG an einer Optimierung des Kristallisationsprozesses im Hinblick auf eine Vermeidung der Ausscheidungsbildung zur Erhöhung der Waferausbeute pro Block. Aufgabe war es, ein tiefgehendes Verständnis für die Mechanismen der Bildung dieser schädlichen Kristallfehler zu erarbeiten. Damit wurden die wissenschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, um durch verfahrenstechnische Maßnahmen die unerwünschten Ausscheidungen bei der industriellen Fertigung von multikristallinen Siliziumkristallen zu reduzieren beziehungsweise ganz zu vermeiden.

Gemeinsam haben die Forscher von Fraunhofer und Industrie durch grundlegende experimentelle und theoretische Untersuchungen herausgefunden, dass eine "gut gerührte" Schmelze diese Ausscheidungsbildung verhindert. "Wir haben schon zu Beginn der Forschungsarbeiten vermutet, dass die Strömung in der Schmelze sehr wichtig für die Bildung der Materialfehler ist. In Zonen geringer Strömungsgeschwindigkeit im Bereich des fest-flüssig Phasenübergangs bei der Erstarrung des Siliziums können sich Verunreinigungen aufstauen und dann zu den Ausscheidungen im festen Silizium führen. Durch unsere Kristallisationsversuche im Labormaßstab und durch Computersimulation konnten wir diese Vermutung bestätigen", erläutert Dr. Jochen Friedrich vom Fraunhofer IISB. "Der Hebel, an dem wir ansetzen mussten, war also, diese "Totwasserzonen" in der Schmelze zu vermeiden. Dafür brauchten wir eine technische Lösung, die sich ohne größeren Aufwand auf die großen Produktionsanlagen umsetzen lässt", ergänzt Dr. Bernhard Freudenberg von der Solarworld AG.

Um diese Bedingungen in der industriellen Produktion zu erreichen, entwickelten die Forscher die Idee, optimierte Magnetfelder zur Beeinflussung der Strömung in der Siliziumschmelze zu nutzen. Mit Unterstützung von Computersimulation und speziellen Messtechniken wurden die Produktionsanlagen so optimiert, dass die Totwasserzonen während der Kristallisation vermieden und die Ausbeute deutlich gesteigert werden konnte. Die damit einhergehende Kostenreduktion ist eine wichtige Voraussetzung, dass sich das Wachstum der Photovoltaik auch in den nächsten Jahren fortsetzt.

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Fraunhofer-Gesellschaft
Kontakt
Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.
Hansastraße 27 c
80686 München
DEUTSCHLAND
Tel.
+49891205-0
Fax
+49891205-7531
  • News

    Weniger Tierversuche durch Nanosensoren

    Experimente an Tieren sind seit Jahrzehnten in der Kritik. Eine Trendwende ist dennoch nicht in Sicht. Die Zahl der Tests mit Labortieren stieg sogar. Forscher haben jetzt eine neue Alternative gefunden: Mit Hilfe von Sensor-Nanopartikeln wollen sie die Anzahl der Versuche reduzieren. Unzäh ... mehr

    Briefbomben erkennen mit Terahertz-Wellen

    Brief- und Paketbomben sind in der heutigen Zeit eine ständige Gefahr. Der aktuelle Briefbombenfund bei der Deutschen Bank und die Paketexplosion in Rom zeigen dies mehr als deutlich. Eine bessere Überprüfung von Postsendungen ist daher geboten – und zwar, ohne das Briefgeheimnis verletzen ... mehr

    Saubere Rußpartikelfilter

    Die Zeiten, in denen Lkws schwarze Abgaswolken in die Luft gepustet haben, sind längst vorbei: Mittlerweile halten Filter die gröbsten Rußpartikel zurück. Ist der Filter nach einer Zeit zu stark mit Partikeln beladen, wird er regeneriert, indem der Ruß abgebrannt wird. Das Problem dabei: Di ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.

    Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 59 Institute an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 17 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzielen das jährliche Forschungsvolumen von 1,5 Mrd Euro. Davon erwir ... mehr

Mehr über SolarWorld
Mehr über Fraunhofer
Kontakt
Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie (IISB)
Schottkystrasse 10
91058 Erlangen
DEUTSCHLAND
Tel.
+499131761-0
Fax
+499131761-390
  • News

    Fraunhofer Vision mit neuem Partner: Polytec GmbH

    Die Polytec GmbH, Waldbronn, ist der jüngste Zuwachs im Partner-Netzwerk der Fraunhofer-Allianz Vision, die das Know-how der Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich des maschinellen Sehens, der Bildverarbeitung und der optischen Mess- und Prüftechnik bündelt. Die Vision Partner ergänzen das Inst ... mehr

    Neue Institute verstärken Fraunhofer Vision

    Die Fraunhofer-Allianz Vision bündelt das Know-how der Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich des maschinellen Sehens, der Bildverarbeitung und der optischen Mess- und Prüftechnik. Mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF und dem Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik ... mehr

    Batterien aus dem Drucker

    Lange galten Batterien als sperrig und schwer. Ganz anders eine neuartige Batterie: Sie ist dünner als einen Millimeter und leichter als ein Gramm. Und: Sie lässt sich kostengünstig herstellen - in einem Druckverfahren. Musste man früher wegen jeder Überweisung und jedem Kontoauszug zur Ba ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Fraunhofer-Einrichtung für Elektronische Nanosysteme (ENAS)

    Auf Grund der zunehmenden Komplexität und Miniaturisierung innovativer Produkte ist die Systemintegration ein entscheidender Faktor wissenschaftlicher und technischer Entwicklungen. Sowohl die Multifunktionalität als auch die Implementierung verschiedener Komponenten (Multi Device), die zum ... mehr

    Fraunhofer-Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und -verarbeitung (PAZ)

    Auf einer Technikumsfläche von ca. 1000 m2 und ca. 700 m2 Büro- und Laborfläche können wir sowohl Polymersyntheseverfahren in Lösung, Masse, Emulsion und Suspension als auch verschiedene Verarbeitungsverfahren, einschließlich Injection Molding Compounding (IMC), durchführen. Diese Anlagen ... mehr

    Fraunhofer-Allianz Vision

    Die Vision-Institute der Fraunhofer-Gesellschaft arbeiten auf dem Gebiet der automatischen Bildverarbeitung und des maschinellen Sehens. Die Fraunhofer-Allianz Vision hat sich zum Ziel gesetzt neue Entwicklungen unter industriellen Bedingungen einsetzbar zu machen. Auf Wunsch werden Komplet ... mehr

Meistgelesene News
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.