Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  
Philipps-Universität/Tim van de Bovenkamp

Maik Scheller beim Justieren des Spektrometers.

22.10.2009: Marburger und Braunschweiger Physiker haben einen Durchbruch in der Terahertz-Spektroskopie erzielt. Wie Maik Scheller und Professor Dr. Martin Koch im Online-Fachmagazin "Optics Express" zeigen, lassen sich technisch nutzbare Terahertz-Signale mittels Laserdioden erzeugen, die im Vergleich zu hochwertigen Femtosekundenlasern so gut wie nichts kosten.

"Mit der neuen Methode sollte ein Terahertz-Spektrometer für jedermann erschwinglich werden", sagt der Marburger Halbleiterphysiker Martin Koch voraus, der als Seniorautor der Veröffentlichung firmiert; "auch der Einzug der Terahertz-Technologie in industrielle Anwendungen dürfte sich damit erheblich beschleunigen." Terahertzstrahlen, deren Frequenzen zwischen denen von Mikrowellen und des infraroten Lichtes liegen, gelten als letzte Domäne des elektromagnetischen Spektrums, die technisch noch nahezu unerschlossen ist. Sie erlauben die Durchleuchtung von Materialien, ohne diese zu beschädigen. Daher bietet sich ein Einsatz in großtechnischen Verfahren an, etwa die Überwachung von Fertigungsprozessen in der Lebensmittel-, Papier- und Kunststoffindustrie. Auch der Wasserstatus von Nutzplanzen kann mittels Terahertz-Wellen erfasst werden.

Da in diesem Frequenzbereich auch interessante physikalische Effekte zu beobachten sind, haben Terahertz-Spektrometer inzwischen in Forschungslaboratorien auf der ganzen Welt Einzug gehalten. Jedoch sind breitbandige Terahertz-Spektrometer äußerst kostspielig. Herzstück dieser Geräte ist ein so genannter Femtosekundenlaser, der mit 20.000 Euro oder mehr zu Buche schlägt. Die Forscher der Technischen Universität Braunschweig und der Philipps-Universität Marburg konnten nunmehr nachweisen, dass man die teuren Systeme durch eine einfache Laserdiode für 10 Euro ersetzen kann und dennoch pulsförmige Terahertz-Signale erhält.

"Experimente zur Terahertz-Erzeugung mit einzelnen Laserdioden hat es auch schon früher gegeben", erläutert Maik Scheller, der Urheber der neuen Technik. Er setzte für seine Experimente so genannte Multi-Mode-Laserdioden ein, die einen gleichmäßigen Kamm von Laserlinien aussenden. "Man hatte bisher übersehen und auch nicht verstanden, dass man mit Multi-Mode-Laserdioden Signale erzeugen und detektieren kann, die denen in gepulsten Terahertz-Spektrometern sehr ähneln", erklärt Scheller, der seine Forschungen in Braunschweig begann und derzeit in Kochs Marburger Labor an seiner Promotion arbeitet. "Der neue Ansatz verbindet die praktische Anwendbarkeit von THz-Spektrometern mit einer bislang unerreichten Kosten-Effizienz", schlussfolgern die Autoren aus ihren Experimenten.

Originalveröffentlichung: Maik Scheller & Martin Koch; "Terahertz quasi time domain spectroscopy", Optics Express 17 (2009), 17723 - 17733

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über Universität Marburg
Kontakt
Philipps-Universität Marburg
Biegenstrasse 10
35032 Marburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+49642128-20
Fax
+49642128-22500
  • News

    Kleine Messzelle mit großer Wirkung

    Die Forschung an neuen Batteriekonzepten für die Anwendungsbereiche Elektromobilität und Speicherung regenerativer Energien findet zurzeit große Beachtung. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Entwicklung neuer sicherer Elektrolyte, die die heutigen brennbaren Batterie-Elektrolyte auf Basis ... mehr

    Gefangen in biegsamem Käfig

    Käfige aus Metallatomen weisen eine flexible Struktur und veränderbare Eigenschaften auf, wenn bestimmte Atome anderen Typs darin eingeschlossen sind. Das berichtet eine europäische Forschergruppe unter Marburger Leitung in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of the American ... mehr

    Auf Katzenpfoten zu verbesserter Laserspektroskopie

    Physiker aus Marburg und dem US-amerikanischen Boulder haben einen Theorierahmen für die Quanten-Laserspektroskopie vorgelegt, die erstmals umfassenden experimentellen Zugang zu komplizierten Prozessen verspricht, die sich im Nanometer-Maßstab abspielen. Geringe Anpassungen der bislang gäng ... mehr

  • Universitäten

    Philipps-Universität Marburg

    Die Philipps-Universität Marburg zählt nicht nur zu den traditionsreichsten deutschen Hochschulen, sondern ist auch weltweit die älteste Universität, die als protestantische gegründet wurde. Nahezu seit fünf Jahrhunderten wird hier geforscht und gelehrt. Über ihre Tradition, Gegenwart und Z ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.