Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

03.12.2009: Seit dem 30. November 2009, steht die europäische Forschungseinrichtung, die eine Milliarde teure European-XFEL-Anlage errichten und betreiben wird, auf eigenen Beinen. Aus zehn europäischen Partnerländern reisten Forschungsminister, Staatssekretäre oder hochrangige Repräsentanten ins Hamburger Rathaus zur Unterzeichnung des „Übereinkommens über den Bau und Betrieb einer europäischen Freie-Elektronen-Röntgenlaseranlage“ - so der offizielle Titel der deutschen Version des völkerrechtlichen Abkommens. Sie unterschrieben zwei Dokumente in jeweils sechs Sprachfassungen. Die Dokumente legen die Eckpfeiler des European-XFEL-Projekts sowie die finanziellen Beiträge jedes Landes fest und übertragen der gemeinnützigen European XFEL GmbH den Bau und Betrieb der Freie-Elektronen-Röntgenlaser-Anlage. Frankreich und Spanien können aus internen Gründen erst später unterschreiben. China und Großbritannien planen den Beitritt.

Die Tiefbauarbeiten für die 3,4 Kilometer lange Röntgenlaseranlage European XFEL haben im Januar 2009 in Hamburg und Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein) begonnen. Auf Hochtouren gearbeitet wird für den European XFEL allerdings schon seit einigen Jahren - dies sowohl beim Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg als auch bei den internationalen Partnern. Unter der Federführung von DESY wurde der supraleitende Elektronen-Linearbeschleuniger für den Röntgenlaser gemeinsam entwickelt und wird jetzt gemeinsam gebaut. Die Kooperation mit dem Forschungszentrum DESY wird weiterhin eng sein. Deswegen ist ihr in den unterzeichneten Abkommen ein eigener Passus gewidmet.

In fünf Jahren ist es soweit: Der European XFEL erzeugt laserlichtartige Röntgenblitze mit Wellenlängen im Bereich von einem Zehntel eines Nanometers, und zwar bis zu 30.000 Mal in der Sekunde. Sie sind kürzer als unvorstellbare 100 Billiardstel Sekunden (100 Femtosekunden). Atomare Einzelheiten von unterschiedlichsten Materialien können entschlüsselt, chemische Reaktionen gefilmt, dreidimensionale Bilder aus der Nanowelt erzeugt und Vorgänge unter extremen Bedingungen wie im Inneren von Planeten untersucht werden. „Dieses internationale Großgerät scheint einem Science-Fiction-Roman zu entstammen. Man kann es sich als Hochgeschwindigkeitskamera vorstellen, die es der Forschung ermöglichen wird, aus dem Nanokosmos ‚live’ zu empfangen“, schwärmt Professor Helmut Dosch, Vorsitzender des DESY-Direktoriums und des European-XFEL-Rats. Erkenntnisse in fast allen technisch-wissenschaftlichen Gebieten, die im Alltag eine Rolle spielen, sind zu erwarten - in Medizin, Pharmazie, Energietechnik, Chemie, Materialwissenschaft, Nanotechnologie oder Elektronik. „Die Ergebnisse werden die Entwicklung neuer Werkstoffe oder wirkungsvollerer Medikamente zur Folge haben.“

„Weltweit führen diese neuartigen Röntgenquellen zu einem Durchbruch in der Forschungslandschaft. Es ist für die internationale Wissenschaft von großer Bedeutung, nicht nur in Japan und den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa an so einer Anlage forschen zu können, zumal diese dann weltweit einzigartige Eigenschaften haben wird“, freut sich der Geschäftsführer der European XFEL GmbH, Professor Massimo Altarelli, anlässlich des politischen Ereignisses im Hamburger Rathaus. „Die internationale Zusammenarbeit macht den European XFEL nicht nur finanzierbar sondern bündelt auch Spezialwissen, Erfahrung und Talente für seine Entwicklung, seinen Bau und Betrieb“, so Altarelli weiter. „Sie ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt und ist nun auch auf politischer und finanzieller Ebene besiegelt.“

Der European XFEL (X steht für Röntgen, FEL für Freie-Elektronen-Laser) verläuft zu einem großen Teil in bis zu 38 Metern tiefen Tunneln und benötigt für den Zugang drei Betriebsgelände. Er beginnt bei DESY in Hamburg-Bahrenfeld, wo der größte Teil der Versorgungstechnik steht und betrieben wird. Unter dem Gelände Osdorfer Born verzweigt sich der Tunnel zum ersten Mal, unter dem dritten Gelände dann weitere Male, so dass im Ganzen fünf einzelne Lichtquellen errichtet werden können. Dieses mit 150.000 Quadratmetern größte der drei Areale wird der künftige Campus des neuen Forschungszentrums sein und liegt in der an Hamburg grenzenden schleswig-holsteinischen Stadt Schenefeld. Hier können internationale Wissenschaftlerteams ab 2015 an komplexen Instrumenten die intensiven Röntgenblitze für ihre Untersuchungen nutzen und Experimente durchführen.

Die Kosten für den Bau und die Inbetriebnahme der neuen Röntgenlaseranlage belaufen sich - bezogen auf das Preisniveau von 2005 - auf 1082 Millionen Euro. Als Sitzland trägt Deutschland (der Bund und die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein) davon 54 Prozent, Russland 23 Prozent und die anderen internationalen Partner übernehmen jeweils zwischen einem und dreieinhalb Prozent. Diese Anteile werden zu einem großen Teil als nicht-geldliche Beiträge (Personal oder technische Komponenten) beigesteuert. Die Regierungen der Partnerstaaten entsenden Teilhaber in die European XFEL GmbH. In der Regel sind dies Forschungsinstitute oder -organisationen des eigenen Landes. Mit Einwilligung aller Partner wurde die GmbH schon vor wenigen Wochen in Hamburg gegründet, und zwar mit DESY als einzigem Gesellschafter. Dadurch wurde es möglich, dass weitere Teilhaber der neuen Forschungsorganisation gleich nach der Unterzeichnung des völkerrechtlichen Übereinkommens der Gesellschaft beitraten.

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über Deutsches Elektronen-Synchroton DESY
Kontakt
Deutsches Elektronen-Synchroton DESY
Notkestrasse 85
22607 Hamburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+4940-8998-0
  • News

    Wissenschaftler machen Eisen durchsichtig

    Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht her ... mehr

    Guinness-Rekord: Schnellster Film der Welt stammt vom Hamburger Röntgenlaser FLASH

    Mit dem schnellsten Film der Welt hat es der Hamburger Röntgenlaser FLASH ins „Guinness-Buch der Rekorde“ geschafft. Die Ausgabe 2012 verzeichnet für die Anlage am Forschungszentrum DESY eine Rekordbildfolge von nur 50 billiardstel Sekunden (50 Femtosekunden) Abstand. Zwischen zwei Aufnahme ... mehr

    Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis

    Forscher um Dr. Nina Rohringer vom Hamburger Center for Free-Electron Laser Science (CFEL) haben am kalifornischen Forschungszentrum SLAC den ersten Röntgenlaser auf Atom-Basis konstruiert. Mit Hilfe von Neonatomen erzeugten sie ultrakurze Röntgenblitze von einzigartiger Farbreinheit. Das e ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Deutsches Elektronen-Synchroton DESY

    DESY ist eines der weltweit führenden Beschleunigerzentren und gehört zur Helmholtz-Gemeinschaft. Bei DESY werden große Teilchenbeschleuniger entwickelt, gebaut und betrieben, um damit die Struktur der Materie zu erforschen. Das breit gefächerte, international ausgerichtete Forschungsspektr ... mehr

Mehr über European XFEL
Kontakt
European XFEL GmbH
Albert-Einstein-Ring 19
22761 Hamburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+49408998-6006
Fax
+49408998-1905
  • News

    Startschuss für den Tunnelbau des European XFEL

    Mit der traditionellen Tunnel- und Bohrertaufe fiel der Startschuss für den Bau des Tunnelsystems für den europäischen Röntgenlaser European XFEL. Über 500 Gäste nahmen an der festlichen Zeremonie auf der Baustelle in Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein), dem zukünftigen Forschu ... mehr

    Choreografie der Moleküle - Röntgenblitze "filmen" molekulare Schalter

    Einem Forscherteam der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für medizinische Forschung und für Kernphysik sowie des European XFEL, der Universität Göttingen und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) ist es erstmals gelungen, Freie-Elektronen-Laser-Strahlung für die Unter ... mehr

    Die European XFEL GmbH - Eine neue Forschungseinrichtung in Norddeutschland

    Seit dem 30. November 2009, steht die europäische Forschungseinrichtung, die eine Milliarde teure European-XFEL-Anlage errichten und betreiben wird, auf eigenen Beinen. Aus zehn europäischen Partnerländern reisten Forschungsminister, Staatssekretäre oder hochrangige Repräsentanten ins Hambu ... mehr

  • Verbände

    European XFEL GmbH

    In der Metropolregion Hamburg entsteht eine Forschungsanlage der Superlative: Der European XFEL erzeugt ultrakurze Laserlichtblitze im Röntgenbereich – 27 000-mal in der Sekunde und mit einer Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die der besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmliche ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.