Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

17.02.2010: Wespenspinnen leben gewöhnlich als Singles. In der Paarungssaison suchen sie dann allerdings einen Partner. Die Weibchen verströmen dazu einen chemischen Lockstoff, ein Pheromon, das für die Männchen unwiderstehlich duftet. Ein Team um Gabriele Uhl (Universität Bonn/Greifswald) und Stefan Schulz (TU Braunschweig) hat dieses Pheromon jetzt identifiziert und im Labor nachgebaut. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, gelang es mit dieser synthetischen Substanz erstmals, Spinnen im Freiland mit einem Pheromon anzulocken.

Die Weibchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) tragen eine auffallende Zeichnung, die an eine Wespe erinnert. Die Spinnen leben bevorzugt auf Wiesen im Mittelmeergebiet, breiten sich inzwischen aber auch in Mitteleuropa aus. Zu ihren Beutetieren zählen vor allem Heuschrecken. Erwachsene Weibchen bauen Netze im Gras und locken die sehr viel kleineren Männchen an, die im Gras auf Partnersuche sind. Um ein Weibchen zu finden, folgen die Männchen dem verlockenden Duft von Pheromonen.

Um den Pheromonen der Wespenspinne auf die Spur zu kommen, setzten die Wissenschaftler Spinnenweibchen in Glaskammern und fingen die abgesonderten flüchtigen Verbindungen mit einem Kohlefilter aus dem Gasraum auf. Nach einer Extraktion aus den Filtern und einer gaschromatographischen Trennung wurden die Substanzen massenspektroskopisch analysiert. „Wie sich zeigte, sondern erwachsene, unbegattete Weibchen eine spezielle Substanz ab, die bei juvenilen und bei bereits begatteten Weibchen nicht auftritt,“ erläutert Uhl. „Diese Verbindung findet sich auch in den Netzen der paarungsbereiten Weibchen.“ Bisher sind erst sehr wenige Pheromone bei Spinnen bekannt. „Bei der Familie der Radnetzspinnen ist unsere Arbeit die erste Identifizierung eines Pheromons“, berichtet Schulz.

Die Analyse ergab, dass es sich bei dem Wespenspinnen-Pheromon um Methylcitronensäuretrimethylester, einen Verwandten der Citronensäure, handelt. Die Moleküle können in vier verschiedenen Formen vorkommen, die sich in der räumlichen Anordnung der einzelnen Atome zueinander unterscheiden. Das Team stellte diese vier Stereoisomere im Labor her und verglich sie mit dem natürlichem Extrakt. „Die flüchtigen Stoffe enthielten zwei der Isomere in einem Verhältnis, das zwischen 6:1 und 25:1 schwanken kann,“ so Schulz. Mit einer synthetischen Mischung gelang es den Wissenschaftlern, auf einer sonnigen Wiese im Hochsommer Männchen der Wespenspinne in Fallen zu locken. Während der Anlock-Erfolg von der Konzentration des Pheromons in der Falle abhing, spielte das Isomerenverhältnis keine Rolle. Schulz: „Damit ist es uns erstmals gelungen, Spinnen in Pheromonfallen zu fangen.“

Originalveröffentlichung: Stefan Schulz et al.; "Das Sexualpheromon der Wespenspinne Argiope bruennichi"; Angewandte Chemie 2010

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über Universität Bonn
Kontakt
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Regina-Pacis-Weg 3
53113 Bonn
DEUTSCHLAND
Tel.
+49-228-73-7647
Fax
+49-228-73-7451
  • News

    Humboldt-Ranking zeigt die deutschen Top-Adressen für Forscher aus dem Ausland

    Das Humboldt-Ranking zeigt, welche Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei ausländischen Forschern besonders beliebt sind. Ausgewertet wurde die Anzahl der Gastaufenthalte von internationalen Spitzen- und Nachwuchswissenschaftlern, die in den letzten fünf Jahren als Stipendiaten oder Pr ... mehr

    Bonner Physiker stellen neue Lichtquelle her

    (dpa) Bonner Physikern ist es gelungen, eine völlig neue Lichtquelle herzustellen: ein Bose-Einstein-Kondensat aus Photonen. Die Methode eigne sich möglicherweise zur Konstruktion neuartiger laserähnlicher Lichtquellen, die im Röntgenbereich leuchteten, teilte die Universität Bonn mit. Weil ... mehr

    Bonner Physiker stellen neuartiges Gas aus Licht her

    Physiker der Universität Bonn haben eine Art Gas aus Lichtteilchen hergestellt, das seine Farbe mit der Temperatur ändert, ohne dass dabei die Lichtmenge variiert. Das Funktionsprinzip lässt sich eventuell nutzen, um Sonnenlicht unabhängig vom Sonnenstand auf einen festen Punkt zu bündeln. ... mehr

  • Universitäten

    Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Die Universität Bonn ist eine international operierende,  kooperations- undschwerpunkt- orientierteForschungsuniversität. Anerkannte Stärken bilden ihr wissenschaftliches Profil. Dieses Profil wird die Universität Bonn in den kommenden Jahren weiter festigen und schärfen. Dies geschieht bei ... mehr

Mehr über Angewandte Chemie
Mehr über Universität Greifswald
Kontakt
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Domstrasse 11
17487 Greifswald
DEUTSCHLAND
Tel.
+49383486-1100
Fax
+49383486-1105
  • News

    Präzisionsmassenmessung an Palladium-110 weisen Weg zur Natur der Neutrinos

    Ist das Neutrino sein eigenes Antiteilchen? Der Nachweis des neutrinolosen doppelten Betazerfall würde diese Frage klären. Neue präzise Massenmessungen der Zerfallsenergie von Palladium-110, durchgeführt von Forschern des Max-Planck-Instituts für Kernphysik in Heidelberg, der Universitäten ... mehr

    Metaglyc II: Neue bio- und chemokatalysierte Wege zu Glycerinderivaten

    Unter Koordination der BASF Personal Care und Nutrition GmbH (ehemals Cognis GmbH) setzt ein Verbund aus fünf Partnern (neben der BASF die Universitäten Greifswald, Münster und Rostock sowie das Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock) seine Arbeiten zur Entwicklung neuer b ... mehr

    Neue Anwendungen für Glycerin

    Zwischen 2007 und 2010 nahmen sich die Universitäten Greifswald, Münster und Rostock sowie die Firma Cognis als Industriepartner der Aufgabe an, nach neuen Verwertungsoptionen für Glycerin zu suchen. Gefördert wurden sie dabei vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrauc ... mehr

  • Universitäten

    Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Fünf Fakultäten sind die organisatorischen Grundeinheiten der Universität Greifswald. Interdisziplinarität wird hier groß geschrieben: so zum Beispiel in fächerverbindenden Studiengängen, durch kooperative Forschungsvorhaben oder mit Ringvorlesungen, die von den Fakultäten gemeinsam verantw ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.