Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Messflüge im arktischen Ozonloch

Daten aus 20 Kilometer Höhe sollen helfen, künftige Entwicklung der Ozonschicht präziser vorherzusage

22.03.2010: Mit Messdaten von Flügen über der Arktis in bis zu 20 Kilometer Höhe erforscht ein internationales Wissenschaftlerteam den Ozonabbau in der polaren Stratosphäre. Die Atmosphärenforscher, zu denen auch Stephan Borrmann gehört, Professor am Institut für Physik der Atmosphäre der Johannes Gutenberg-Universität und einer der Direktoren am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, wollen herausfinden, wie schnell die Prozesse ablaufen, die zu den winterlichen Ozonlöchern über den Polkappen führen. Außerdem sollen die Messungen mit dem Spezialflugzeug "M55 Geophysica" Aufschluss darüber geben, wie der Klimawandel die physikalischen und chemischen Prozesse im Zusammenhang mit der Ozonschicht verändert. Damit ließe sich auf die künftige Entwicklung der Ozonschicht unter den sich wandelnden Bedingungen schließen.

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) menschlichen Ursprungs gelangen durch sehr langsame Transportprozesse in die Stratosphäre. Dort setzt die starke ultraviolette Strahlung Chlor aus den FCKWs frei. Normalerweise wird das Chlor von Substanzen wie Salzsäuredampf und Chlornitrat gebunden, die für die Ozonschicht harmlos sind. Aber in polaren Stratosphärenwolken kann das Chlor aus den FCKWs ozonzerstörende, aggressive Chlormonoxidradikale (ClO) bilden.

Daher sind Messungen dieser Wolken essentiell für die Forschungen der Mainzer Wissenschaftler um Stephan Borrmann. Denn ohne diese ungewöhnlichen, natürlichen Wolken, die nur in der Stratosphäre auftreten und dies nur in der Kälte des polaren Winters der Arktis oder Antarktis, gäbe es keine Ozonlöcher.

"Zudem wirkt sich die Erwärmung der Atmosphäre auf Grund des Klimawandels direkt auf die physikalischen und chemischen Prozesse im Zusammenhang mit der Ozonschicht aus, so dass hier neue Forschungsarbeiten dringend nötig sind", erklärt Professor Borrmann. Die Wissenschaftler messen mit ihren am Flugzeug befestigten Instrumenten direkt die Eigenschaften der Partikel, aus denen polare Stratosphärenwolken bestehen. Es handelt sich dabei um etwa 3 bis 20 Mikrometer große gefrorene Teilchen aus Eis und Salpetersäure. Für die Berechnung des Ozonabbaus und dessen Geschwindigkeit ist wichtig, wie viele solcher Teilchen in diesen Wolken vorkommen und wie groß sie genau sind. Weitere Instrumente der Mainzer Gruppe ermitteln die Eigenschaften ultrafeiner, luftgetragener Aerosolpartikel, die ebenfalls in der Stratosphäre vorkommen und in die Prozesse eingreifen. Während der Messflüge, die Mitte Januar begannen und noch bis Mitte März laufen, konnte sogar meteoritischer Staub in der Stratosphäre nachgewiesen werden. Zudem gelang es, erhebliche Datenmengen direkt in den polaren Stratosphärenwolken zu messen. "Überraschend war, dass wir in den Polaren Stratosphärenwolken extrem große Teilchen nachweisen konnten. Diese hatten bis zu 30 Mikrometer Durchmesser und fallen auf Grund ihres Gewichts sehr schnell nach unten. Dadurch transportieren sie die in ihnen enthaltenen chemischen Substanzen aus der Stratosphäre irreversibel heraus und intensivieren damit den Ozonabbau", berichtet Stephan Borrmann.

M55 Geophysica, ehemals ein russisches Spionageflugzeug, ist eines von drei Flugzeugen weltweit, das Flüge in stratosphärische Höhen ermöglicht - und das mit Messgeräten und Instrumenten von rund einer Tonne Gewicht an Bord. Nur so können die Atmosphärenforscher noch fehlende Daten ermitteln, um dem Zusammenspiel von Ozonabbau und Klimawandel auf die Spur zu kommen.

An den Messaktionen, die von Kiruna in der nordschwedischen Arktis aus starten, sind Forscher aus neun Ländern beteiligt. Die Kampagne ist Teil des EU-Projekts "RECONCILE" (reconcilation of essential parameters for an enhanced predictability of arctic stratospheric ozone loss and its climate interactions), das Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich koordinieren.

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über Uni Mainz
Kontakt
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Saarstrasse 21
55099 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel.
+49613139-0
Fax
+49613139-22919
  • News

    Das Ende der Magie: Schalenmodell ist bei Berylliumisotopen ungültig

    Einer Gruppe von Wissenschaftlern um Prof. Dr. Wilfried Nörtershäuser ist es erstmals gelungen, die Größe der Ladungsverteilung eines Atomkerns des sehr exotischen Isotops Beryllium-12 zu vermessen. Unerwartet zeigte sich für die Forscher, dass dieser sogenannte Ladungsradius gegenüber dem ... mehr

    Propionsäure im Griff behalten

    Essig- und Propionsäure sind die beiden mengenmäßig vorherrschenden Säuren in Biogasanlagen. Dabei sollte in einer stabilen Anlage das Verhältnis möglichst größer oder gleich 2:1 zu Gunsten der Essigsäure sein. In der Praxis gewinnt jedoch häufig die Propionsäure die Oberhand – eine Versäue ... mehr

    Gold-Nanoantennen spüren Proteine auf

    Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben eine neue Methode entwickelt, um einzelne Proteine zu beobachten. Die genaue Kenntnis der Dynamik von Proteinen ist wichtig, um die biologischen Funktionen zu verstehen, die auf molekularer Ebene ablaufen. Bisher wurden da ... mehr

  • Universitäten

    Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Im Wandel hin zu einer strukturierten und profilierten Großuniversität sieht die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ihre Aufgabe und Chance im Wettbewerb sowohl um die besten Forschenden, Lehrenden und Studierenden als auch um die knapper werdenden Finanzmittel. Hierzu hat die Universität ... mehr

Mehr über MPI für Chemie
Kontakt
Max-Planck-Institut für Chemie
Hahn-Meitner-Weg 1
55128 Mainz
DEUTSCHLAND
Tel.
+496131305-0
Fax
+496131305-388
  • News

    Ein Katalysator für saubere Regenwaldluft

    Die Atmosphäre verdankt ihre robuste Selbstreinigungskraft dem konsequenten Recycling ihres Reinigungsmittels. Wie Hydroxylradikale, die organische Verbindungen in der Luft zersetzen, wiederverwertet werden, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz nun im Detail ge ... mehr

    Die Chemie explodierender Sterne

    Forscher verstehen grundlegende chemische Abläufe in Vorläufern unseres Sonnensystems nun ein bisschen besser: Ein internationales Team um Peter Hoppe, Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, hat nun mit einer sehr empfindlichen Methode Staubeinschlüsse  im 4,6 Milliarden Jahre ... mehr

    Von der Kernspaltung über Mondstaub zum Ozonloch: 100 Jahre Chemieforschung

    2012 wird ein besonderes Jahr für das Max-Planck-Institut für Chemie: Das Mainzer Institut feiert das 100-jährige Bestehen, denn am 23. Oktober 1912 eröffnete das Vorläuferinstitut, das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, in Berlin seine Türen. Noch zum Ende des zweiten Weltkriegs verließen ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Institut für Chemie

    Vorläufer unseres Instituts ist das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, das 1912 in Berlin-Dahlem eröffnet wurde. Es wurde 1949 in die Max-Planck-Gesellschaft übernommen und als Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz neu aufgebaut. Zu Ehren Otto-Hahns trägt das Institut den Zweitnamen Otto ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.