Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

FuE-Ausgaben der Chemie- und Pharmabranche erreichen neuen Höchststand

Digitalisierung macht Forschung schneller und effizienter

22.08.2018

VCI

FuE-Aufwendungen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland

Die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie wird im laufenden Jahr mit ihren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) erstmals die 11-Milliarden-Euro-Grenze erreichen. Das prognostizierte Thomas Wessel, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI), vor der Presse in Frankfurt. 2017 stiegen die FuE-Budgets mit 10,8 Milliarden Euro auf einen Rekordwert. Das ist ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit hat die Branche zum siebten Mal in Folge ihre FuE-Etats angehoben.

„Wir setzen aber nicht nur auf Euros, sondern auch auf Bit und Bytes: Die Digitalisierung ebnet durch das systematische Erheben großer Datenmengen neue Wege, um unsere Innovationsfähigkeit zu stärken“, sagte Wessel. Die exponentiell gestiegene Rechnerleistung beschleunigt die Forschung zu neuen Chemikalien enorm. So kann die aktuelle Hardware eine erheblich größere Variantenvielfalt für chemische Reaktionen und Produktformulierungen berechnen als noch vor fünf Jahren. „Und künstliche Intelligenz findet relevante Fundstellen bei Literatur- und Patentrecherchen schneller als der Mensch und trägt zur Konzentration auf geeignete Lösungsansätze bei“, unterstrich Wessel die Bedeutung der digitalen Entwicklung für die Forschung.

Im Branchenvergleich hat die chemisch-pharmazeutische Industrie die höchste Innovationsorientierung. 63 Prozent aller Chemie- und Pharmaunternehmen forschen. Damit rangiert die Branche deutlich über dem Durchschnitt von 28 Prozent der gesamten deutschen Industrie.

Mit rund 41.100 Mitarbeitern (2016) ist die Zahl der Beschäftigten in den Forschungslaboren der chemischen Industrie auf hohem Niveau stabil geblieben.

Über 5 Prozent ihrer Umsätze stecken die Unternehmen der Branche jährlich in ihre Forschung. Nur im Fahrzeugbau und in der Elektroindustrie ist die FuE-Intensität höher.

Druck auf Forscher und Entwickler steigt

Trotz vieler Stärken bei FuE bereitet Wessel vor allem der internationale Innovationsdruck Sorgen: „Der Wettbewerbsvorsprung des Chemie-Forschungsstandorts Deutschland schmilzt. Staaten wie die USA, China und andere asiatische Länder nehmen viel Geld für die Forschung in die Hand, gestalten die Rahmenbedingungen für Innovationen günstig und verschaffen sich so Wettbewerbsvorteile.“ Wessel forderte von der großen Koalition „einen beherzten Modernisierungskurs, da nur so Deutschland im globalen Innovationswettlauf gegen Forschungsgroßmächte wie USA, China oder Südkorea mithalten kann.“

Als ein zentrales Instrument, um die Standortqualität für Innovationen hierzulande zu verbessern, bezeichnete Wessel die steuerliche FuE-Förderung. Sie sei entscheidend, damit die gesamtwirtschaftlichen Forschungsinvestitionen auf 3,5 Prozent steigen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland hier zurzeit nur auf Rang 7. Dabei zeigt sich, dass fast alle OECD-Staaten diese Anreize nutzen, um ihre Forschung zu fördern. Wessel verwies auf das erfolgreiche Beispiel Österreich: Dort sind die Bruttoinlandsausgaben für FuE am Volkseinkommen deutlich gestiegen. Weit über die Hälfte der industriellen FuE-Ausgaben in Österreich stammt von ausländischen Konzernen. „Investitionen, die uns in Deutschland ebenfalls gut zu Gesicht stünden“, so Wessel. Auch für den Haushalt des Nachbarlandes habe dieses Förderinstrument positive Effekte: Allein die Lohnsteuerzahlungen der zusätzlich eingestellten Forscher können die Kosten der österreichischen Forschungsförderung etwa zur Hälfte decken. Mit Blick auf die sprudelnden Steuereinnahmen in Deutschland betonte Wessel: „Unser Staat kann sich eine steuerliche Forschungsförderung leisten.“

Darüber hinaus sprach sich Wessel für eine bessere Unterstützung privater Wagniskapitalgeber für Start-ups aus. So sollten steuerliche Verlustvorträge zeitlich und in der Höhe unbeschränkt erhalten bleiben. Mit ihrer schlanken Organisationsform ermöglichen Start-ups eine hohe Geschwindigkeit im Innovationswettlauf.

Für notwendig hält Wessel auch einen Innovations-Check. Damit sollen bestehende und künftige Gesetze überprüft werden, wie sie sich auf die Innovationskraft auswirken. Das gelte vor allem bei der Regulierung neuer Technologien wie Gene-Editing. In diesem Zusammenhang bedauerte er auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs: „Es basiert nicht auf heutigen wissenschaftlichen Fakten, sondern blockiert das Potenzial von Crispr/Cas und Co.“ Damit Innovationen in Deutschland besser gedeihen können, warb Wessel für mehr Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Dazu sei es wichtig, faktenbasierte Erkenntnisse stärker als bisher zu berücksichtigen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • VCI
  • Digitalisierung
  • Start-ups
  • CRISPR
Mehr über VCI
  • News

    Gutes Jahr 2018, verhaltener Ausblick für 2019

    Das Jahr 2018 ist für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland gut verlaufen. Diese Branchenbilanz hat der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf seiner Jahrespressekonferenz in Frankfurt gezogen. Der Branchenumsatz erhöhte sich um 4,5 Prozent auf 204 Milliarden Euro und üb ... mehr

    Chemieindustrie verliert weiter an Fahrt

    Die chemisch-pharmazeutische Industrie ist im dritten Quartal 2018 kaum gewachsen. Rechnet man die boomende Pharmaproduktion heraus, musste Deutschlands drittgrößte Industriebranche ihre Produktion sogar drosseln. Das geht aus dem aktuellen Quartalsbericht hervor, den der Verband der Chemis ... mehr

    Chemieindustrie zeigt Potenzial bei Digitalisierung

    Die chemisch-pharmazeutische Industrie zählt zu den Branchen in Deutschland, die digitale Anwendungen bereits vielfach in der Produktion einsetzen. Allerdings bleiben noch erhebliche Möglichkeiten für weitere digitale Innovationen in den Unternehmen der Branche offen. Zudem steht die Chemie ... mehr

  • Verbände

    Verband der Chemischen Industrie Landesverband Rheinland-Pfalz e. V.

    Die Interessen und Belange unserer Mitgliedsunternehmen vertreten wir gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Entscheider aus den Unternehmen leiten und begleiten unser Tun. Unsere Themen reichen von betrieblichen Rechtsfragen über Chemikalienpolitik bis hin zur Europa-Politik. mehr

    Verband der Chemischen Industrie e.V.,Landesverband Nordost

    Die Chemieverbände Nordost vertreten die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen der ostdeutschen chemischen Industrie gegenüber Politik, Behörden, Gewerkschaft, Wissenschaft und Medien. mehr

    Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

    Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von 1.600 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deut ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.