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Deutsche Chemie: Kompetenzvorsprung vor China schwindet

15.11.2018

Auch wenn die Wettbewerbsvorteile Chinas aufgrund steigender Lohn- und Umweltschutzkosten sinken, wächst das Land zu einem starken Konkurrenten für die deutsche Chemieindustrie heran. Insbesondere in den innovativen Bereichen Robotik und Online-Handel verringert sich der Kompetenzvorsprung der deutschen chemischen Industrie gegenüber China. Protektionistische Strömungen und das anhaltende Wirtschaftswachstum in China sorgen andererseits dafür, dass für die deutschen Chemieunternehmen eigene Produktionsstätten im Reich der Mitte zunehmend attraktiver werden. Das sind die Ergebnisse der 31. CHEMonitor-Trendumfrage von CAMELOT Management Consultants in Kooperation mit der Fachzeitung CHEManager, die sich dem Schwerpunktthema „China – heute und morgen“ widmet.

Laut CHEMonitor-Umfrage messen 86 % der deutschen Chemiemanager Chinas Chemieindustrie eine „hohe“ oder gar „kritische“ Bedeutung als Wettbewerber der deutschen Chemiebranche zu. „Auch wenn die Kostenvorteile Chinas geringer werden, muss das Reich der Mitte als Konkurrent sehr ernst genommen werden. In den europäischen Unternehmensstrategien ist dieses Szenario noch nicht ausreichend berücksichtigt“, kommentiert Dr. Josef Packowski, Managing Partner bei CAMELOT, die Umfrageergebnisse.

Vorsprung bei Online-Handel, Innovation und Robotik

Die schnell wachsende Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Firmen zeigt sich vor allem bei innovativen, technologieorientierten Themen, die mit viel Mut zum Experimentieren umgesetzt werden. So sprechen 62 % der Studienteilnehmer Chinas Chemie eine höhere Kompetenz im Onlinehandel als ihren deutschen Wettbewerbern zu. 23 % der Befragten schätzen die Innovationskraft chinesischer Unternehmen höher ein, und 16 % halten China in der Robotik für kompetenter. „China holt in wichtigen Themenfeldern schnell auf. Deutsche Chemieunternehmen sind daher angehalten schnell zu agieren. Nur ein konsequenter Fokus auf Umsetzung in Form von konkreten Pilotimplementierungen kann den Trend umkehren“, erklärt Dr. Jörg Schmid, Studienleiter des CHEMonitors bei CAMELOT.

Protektionismus gefährdet Industriekonjunktur

Befragt nach der Rolle Chinas in den kommenden fünf Jahren, antworteten 65 % der CHEMonitor-Panelteilnehmer, China habe weiterhin Bedeutung als Rohstofflieferant. Fast ebenso viele (60 %) sehen die Region als wichtigen Exportmarkt für das eigene Unternehmen. Die protektionistischen Strömungen im globalen Handel mit China bereiten den deutschen Chemiemanagern allerdings Sorgen: Über ein Drittel von ihnen (36 %) erwartet dadurch eine nachlassende Industriekonjunktur und fürchtet Auswirkungen auf das eigene Unternehmen.

Aufbau eigener Produktionsstätten in China

Vor diesem Hintergrund steigt das Interesse deutscher Unternehmen an eigenen Produktionskapazitäten in China. Während für große Chemiekonzerne China bereits heute zweitwichtigstes Investitionsziel gemeinsam mit Nordamerika (je 46 %) ist, hat sich bei der aktuellen CHEMonitor-Umfrage der Anteil der Chemieunternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern, die in den kommenden 12 Monaten Investitionen in China planen, auf 23 % verdoppelt.

Zufriedenheit mit dem Chemiestandort Deutschland steigt wieder

Wie immer wurde das CHEMonitor-Panel auch zum Standort Deutschland befragt. Erstmals nach zwei Jahren steigt der Anteil derer, die den Standort Deutschland mit „gut“ oder „sehr gut“ bewerten, wieder an: von 65 % im März dieses Jahres auf 78 % im Oktober 2018. Auch wenn der Ausblick generell etwas weniger optimistisch als in der letzten Umfrage ist, erwarten drei Viertel der Manager weiterhin einen Umsatzanstieg für das eigene Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten. Für die aktuelle CHEMonitor-Umfrage wurde das seit 2007 bestehende Panel aus über 200 Top-Entscheidern der deutschen Chemieindustrie von August bis Anfang Oktober befragt.

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