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Deutschland braucht mehr Ausgründungen aus der Wissenschaft

Forscherteam untersucht die verschiedenen Mentalitäten von Wissenschaftlern und Gründern

16.11.2018

geralt, pixabay.com, CC0

Symbolbild

Das Entrepreneurship Research Institute der Technischen Universität München (TUM) geht in einem neuen Forschungsprojekt der Frage nach, warum Ausgründungen aus der Wissenschaft in Deutschland so selten sind. Die Forscher analysieren dabei die verschiedenen Mentalitäten von Wissenschaftlern und Gründern. Die Joachim Herz Stiftung fördert das dreijährige Forschungsprojekt.

Deutschland ist weltweit der Top-Standort für Innovation und Europas wettbewerbsfähigstes Land. Zu diesem Schluss kommt die neueste Analyse des Weltwirtschaftsforums. Trotzdem liegt das Land als Gründungsstandort hinter anderen Volkswirtschaften zurück. Laut dem Global Entrepreneurship Monitor 2017/2018 waren nur 5% aller erwerbsfähigen Personen in Deutschland zwischen 2014 und 2017 an einer Gründung beteiligt. In den USA waren es dagegen 14% und in Estland sogar 19%. Vor allem Ausgründungen aus der Wissenschaft sind selten. Die Joachim Herz Stiftung hat die Entrepreneurship-Experten Prof. Holger Patzelt und Prof. Nicola Breugst vom TUM Entrepreneurship Research Institute beauftragt, Gründe dafür zu suchen. Sie beschäftigen sich in ihren Forschungsarbeiten mit den relevanten, aber oftmals vernachlässigten psychologischen Prozessen, die auf Wissenschaftler wirken, die zu Gründern werden.

“In Deutschland werden wissenschaftliche Erkenntnisse kommerziell zu wenig genutzt. Dabei könnte die Gesellschaft davon profitieren – zum Beispiel durch innovative Produkte und Dienstleistungen. Für Wissenschaftler kann die Gründung eines Unternehmens außerdem ein vielversprechender Karriereweg sein. Es gibt weltweit viele Beispiele universitärer Start-ups, die Erfolg haben, neue Arbeitsplätze schaffen und sogar zu globalen Unternehmen werden. Wir wollen eine Debatte darüber anstoßen, wie wir es in Deutschland schaffen, die Anzahl und den Erfolg der Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft zu steigern“, sagte Dr. Henneke Lütgerath, Vorstandsvorsitzender der Joachim Herz Stiftung gestern bei der Auftaktkonferenz in Hamburg.

Den Wandel von Identitäten und Werten besser verstehen

Die Wissenschaftler beobachten und befragen in den nächsten drei Jahren studentische Gründungsteams. Sie wollen beschreiben, wie Wissenschaftler zu Gründer werden und verstehen, welche Einflüsse diesen Prozess unterstützen oder hemmen. Gleichzeitig geht es um das Verständnis, wie interdisziplinäre Gründungsteams erfolgreich zusammenarbeiten, Kompromisse finden und gemeinsame Firmenwerte entwickeln. Ein weiteres Ziel ist es herauszufinden, warum manche Lehrstühle mehr Gründungen hervorbringen als andere.

Wissenschaftler gezielt unterstützen

“Die Ergebnisse sollen helfen zu verstehen, wie Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft entstehen und gefördert werden können. Wir wollen Lehr- und Trainingsformate entwickeln, die Wissenschaftler im universitären Umfeld gezielt unterstützen”, sagte Patzelt, Lehrstuhlinhaber für Entrepreneurship an der TUM und Projektleiter, bei seiner Keynote.

Das Forscherteam stellte sein Projekt nun in der Joachim Herz Stiftung vor Entscheidern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Beratung, Start-ups, Politik und Medien vor. Die Teilnehmer gaben den Wissenschaftlern in Workshops Impulse aus ihrer praktischen Arbeit und diskutierten mögliche Kriterien für den Erfolg von Unternehmensgründungen aus Wissenschaft und Forschung.

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