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Rote Null bei Chemie und Pharma in Baden-Württemberg

Umsatzrückgang 2018 und nur verhaltener Optimismus 2019

20.02.2019

Die chemische Industrie in Baden-Württemberg hat das Jahr 2018 mit einem Umsatzrückgang abgeschlossen: Die Umsätze der Chemie- und Pharmafirmen im Südwesten gingen um 0,3 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro zurück. Das teilten die Verbände der Branche (ChemieBW) am Dienstag in Stuttgart auf ihrer Wirtschaftspressekonferenz mit. Für das laufende Jahr erwarten die insgesamt 470 Unternehmen (107.100 Beschäftigte) verhaltenes Wachstum.

Nach ChemieBW-Berechnungen auf Basis der Daten des Statistischen Landesamtes waren für die schlechten Geschäfte der Unternehmen im Wesentlichen die Auslandsumsätze der Branche verantwortlich: sie sanken um 2,5 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro. Die überwiegend mittelständisch geprägte Branche im Land macht 61 Prozent ihrer Umsätze außerhalb von Deutschland. Trotz der "roten Null", wie ChemieBW-Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer es ausdrückte, haben die Unternehmen 2018 Beschäftigung aufgebaut: die Zahl der Mitarbeiter stieg um 1,5 Prozent.

Standortsicherung im Land

Für die Unternehmen hat weiterhin die Sicherung und der Ausbau der baden-württembergischen Standorte Priorität. Dabei adressierte Martin Haag, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), die unsensible Ausweisung von Wohngebieten. Die "heranrückende Wohnbebauung" schränke die Unternehmen in ihrer Weiterentwicklung ein - dies sei aber ein fundamentaler Anspruch der Unternehmen bei Betrieb und Erneuerung ihrer Anlagen, so Haag weiter.

Standortnote 2 minus

Für die Qualität des Industriestandortes Baden-Württemberg vergaben die Unternehmen in einer repräsentativen Umfrage (Beteiligung 97 Unternehmen, 31.000 Beschäftigte) die Schulnote "2 minus". Dabei wurden Verkehrsdichte und schlechte Internetanbindung als Probleme genannt. Deutlich schlechter noch beurteilten die Unternehmen Bürokratie und Regulierungsdichte im Land - sie erhielten eine "3 minus".

Nur "befriedigendes" Bildungsniveau

Die Bildungsqualität der Schulabgänger hat von der Gruppe der kleineren Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten die Note "3" erhalten. "Dieses 'befriedigend' zeigt, dass hier noch Handlungsbedarf in den Schulen besteht", urteilte Markus Scheib, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg (agvChemie). Denn ihren Auszubildenden Nachhilfe geben könnten nur wenige große Unternehmen - für die kleineren sei das keine Option.

Digitalisierung und Arbeitszeit

Scheib sprach sich entschieden gegen den jüngsten Vorstoß der SPD auf Bundesebene aus, ein Recht auf Homeoffice einzuführen. "Hier wird eine Schaufenster-Politik betrieben", stellte er fest. Er forderte praxisgerechte Rahmenbedingen für die Unternehmen. So seien die Vorstöße in Richtung einer Lockerung der starren Arbeits- und Ruhezeitregelungen sinnvoll - sie machten Flexibilität möglich. Scheib betonte: "Trotz aller Digitalisierung wird auch in Zukunft die weit überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer nicht ortsunabhängig mobil arbeiten können".

Konjunkturumfrage 2019

Die durch ChemieBW befragten Unternehmen rechnen zu mehr als der Hälfte im Jahr 2019 mit einem Umsatzwachstum - ein Drittel allerdings weiter mit Stagnation. Der Beschäftigungsaufbau wird nach den Erwartungen gebremst weitergehen. Ihre Investitionen wollen knapp die Hälfte der Unternehmen auf dem Vorjahresniveau halten - und die Produktion ausweiten mehr als ein Drittel.

Prognose 2019

Für das laufende Jahr erwarten die Verbände laut Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer eine leichte Steigerung der baden-württembergischen Chemie- und Pharmaproduktion um etwa ein halbes Prozent und einen Anstieg der Erzeugerpreise um ein Prozent. Aufgrund der weiter steigenden Rohstoffkosten sollen die Umsätze um etwa zwei Prozent steigen.

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