Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Staatliche Forschung stärkt Cleantech-Start-ups

Studie zeigt Erfolge von staatlich-privaten Kooperationen in den USA

21.03.2019

seagul, pixabay.com, CC0

Symbolbild

US-amerikanische Cleantech-Start-ups, die mit staatlichen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten, sind sowohl bei Patenten als auch bei der Investorenakquise erfolgreicher als ihre Konkurrenten. Dies zeigt eine Studie der Technischen Universität München (TUM), der University of Maryland und der University of Cambridge. Solche Kooperationen könnten aufgrund der langwierigen Entwicklungsarbeiten „grüner“ Technologien von besonderer Bedeutung sein – auch in anderen Staaten.

In den USA betreibt der Staat zahlreiche nationale Forschungseinrichtungen. Allein unter der Regie des Energieministeriums arbeiten 17 Institute wie etwa das National Renewable Energy Laboratory (NREL). Umstritten ist in der öffentlichen Debatte allerdings, inwieweit sie in der angewandten Forschung, vor allem in Kooperation mit Unternehmen, und im Technologietransfer tätig sein sollen. 

Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM), der University of Maryland und der University of Cambridge haben deshalb die Aktivitäten von rund 650 Start-ups aus dem Bereich Cleantech zwischen 2008 und 2012 untersucht, also von Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen mit „sauberen“ Technologien anbieten. Dazu zählen beispielsweise erneuerbare Energien und Recycling. Die Forscherinnen nahmen vor allem Patente und Finanzierungen unter die Lupe, die als Zeichen für Innovation und Geschäftserfolg bei jungen Unternehmen gelten.

Investorengelder in einem Jahr um 150 Prozent gesteigert

Die Studie zeigt, dass die Start-ups ihre Patentaktivitäten im Schnitt um 73 Prozent steigern konnten, wenn sie mit staatlichen Einrichtungen zusammenarbeiteten. Diese Zahl bezieht sich auf einzelne Kooperation. Lizensierten Start-ups eine Technologie, die von einem Regierungsinstitut entwickelt worden war, konnten sie die Summe der Investorengelder im folgenden Jahr um mehr als 150 Prozent erhöhen. Damit waren sie bei ihrer Finanzierung mehr als doppelt so erfolgreich wie andere Start-ups. Einige der erfolgreichsten Allianzen arbeiteten außerhalb der großen Technologiezentren wie dem Silicon Valley.

Die Wissenschaftlerinnen gehen davon aus, dass im Cleantech-Bereich, nicht zuletzt im Energiesektor, staatlich-private Partnerschaften von besonderem Wert sind. Weil die Technologieentwicklung hier viel Zeit in Anspruch nimmt, haben Unternehmen schwierigere Startbedingungen als etwa im IT-Bereich. Diesen Nachteil könnten langfristig agierende öffentliche Institutionen ausgleichen.

Zentrale Erkenntnis gilt auch für Deutschland

Die Forschungslandschaft in anderen Staaten, darunter Deutschland, ist zwar anders strukturiert als in den USA. Dennoch könne man annehmen, dass die zentrale Erkenntnis auf weitere Länder übertragbar sei, sagt Studienautorin Claudia Doblinger, Professorin für Innovation and Technology Management an der TUM: „Start-ups haben nicht Jahrzehnte Zeit für die Entwicklungsarbeit. Ihre Kompetenz ist, neue Technologien auf die Chancen am Markt auszurichten. Wenn die Stärken aus beiden Welten zusammenkommen, können sie sich ideal ergänzen. Eine Innovationspolitik, die sich nicht ausschließlich auf private Kräfte verlässt, kann Klimaschutz und Start-up-Förderung verbinden – zwei Ziele, die nicht nur in der aktuellen Diskussion um den ,Green New Deal’ in den Vereinigten Staaten im Mittelpunkt stehen.“

„Unsere Ergebnisse sollten berücksichtigt werden, wenn über die Finanzierung der Erforschung nachhaltiger Energien diskutiert wird“, ergänzt Laura Diaz Anadon, Professorin für Climate Change Policy an der University of Cambridge. „Cleantech aus staatlich-privaten Partnerschaften wird essentiell sein, um die globalen Klima- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen."

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über TU München
  • News

    Münchner Gründer immer erfolgreicher

    Neun der „Top 50 Start-ups 2018“ kommen von der Technischen Universität München (TUM). Dies ist das Ergebnis einer Auswertung des Magazins Für-Gründer.de. Mit zehn Start-ups ist München die bestplatzierte Stadt in diesem Ranking. Auch ein aktueller Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Y ... mehr

    Giftig und aggressiv und doch viel genutzt

    In Zahnpasta, Teflon, LEDs und Medikamenten zeigt es seine positiven Seiten – doch elementares Fluor ist extrem aggressiv und hochgiftig. Versuche, die Kristallstruktur von festem Fluor mit Röntgenstrahlen zu bestimmen, endeten vor 50 Jahren mit Explosionen. Mit Neutronen der Forschungs-Neu ... mehr

    Neue Methode erlaubt Spektroskopie an einzelnen Molekülen

    Während spektroskopische Messungen normalerweise über viele Moleküle mitteln, liefert eine an der Technischen Universität München (TUM) entwickelte, neue Methode präzise Aussagen über die Wechselwirkung genau eines Moleküls mit seiner Umgebung. Damit lassen sich beispielsweise schneller eff ... mehr

  • Videos

    Scientists pair up two stars from the world of chemistry

    Many scientists consider graphene to be a wonder material. Now, a team of researchers at the Technical University of Munich (TUM) has succeeded in linking graphene with another important chemical group, the porphyrins. These new hybrid structures could also be used in the field of molecular ... mehr

  • Veranstaltungen
    Startup-Event
    25.06.2019
    Garching bei M..., DE

    IKOM Start-Up 2019

    Start-Ups geben dem Arbeitsmarkt seit Jahren mehr Farbe. Sie bereichern ihn vor allem durch ihre neuen Geschäftsmodelle und frischen Ideen. Besonders in der IT-Branche dominieren sie seit Jahren das Bild. Von dieser Vielfalt inspiriert, wurde im Jahre 2013 die IKOM Start-Up ins Leben gerufe ... mehr

  • Universitäten

    Technische Universität München

    Mit ihren 13 Fakultäten und 460 Professoren bildet die TUM in 133 Studiengängen ca. 25.000 Studierende aus, davon 20 Prozent aus dem Ausland. Die Schwerpunktfelder sind die Ingenieur- und Naturwissenschaften, Medizin und Lebenswissenschaften sowie die Wirtschaftswissenschaften und Lehrerbil ... mehr

    Technische Universität München im Wissenschaftszentrum Straubing

    mehr

  • q&more Artikel

    Ernährung, Darmflora und Lipidstoffwechsel in der Leber

    Die Natur bringt eine enorme Vielfalt an Lipidmolekülen hervor, die über unterschiedliche Stoffwechselwege synthetisiert werden. Die Fettsäuren sind Bausteine verschiedener Lipide, einschließlich Zellmembranlipiden wie die Phospholipide und Triacylglyceride, die auch die Hauptkomponenten de ... mehr

    Translation

    Die Struktur der chemischen und pharmazeutischen Großindustrie hat sich gewandelt. Traditionelle Zentralforschungsabteilungen, in denen grundlagennahe Wissenschaft ­betrieben wurde, sind ökonomischen Renditebetrachtungen zum Opfer gefallen. mehr

    Molekülgenaue ­Detektivarbeit

    Die drei Ausdrücke im Titel ebenso wie „Known Unknowns“ und „Unknown Unknowns“ sind eingedeutschte Schlagwörter, die derzeit die analytische Wasserszene durcheinanderwirbeln. Die Vorgehensweise in der Nutzung eben dieser Technologien ist jedoch häufig noch nicht ­einheitlich. mehr

  • Autoren

    Dr. Josef Ecker

    Josef Ecker, Jahrgang 1978, studierte Biologie an der Universität in Regensburg. Er promovierte 2007 und forschte danach als Postdoc am Uniklinikum in Regensburg am Institut für Klinische Chemie. Nach einer anschließenden mehrjährigen Tätigkeit in der Industrie im Bereich der Geschäftsführu ... mehr

    Prof. Dr. Arne Skerra

    Arne Skerra, Jg. 1961, studierte Chemie an der TU Darmstadt und wurde 1989 zum Dr. rer. nat. am GenZentrum der LMU München promoviert. Nach Stationen am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge, Großbritannien und am Max-Planck-Institut für Bio­physik in Frankfurt/M. wurde er 2004 P ... mehr

    Dr. Thomas Letzel

    Thomas Letzel, geb. 1970, studierte Chemie (1992–1998) an der TU München sowie der LMU München und promovierte 2001 mit einem umweltanalytischen Thema an der TU München und absolvierte im Anschluss einen zweijährigen Postdoc-Aufenthalt an der Vrijen Universiteit Amsterdam. 2009 habilitierte ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.