Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  
Techert / Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Die untersuchte Schalteinheit besitzt die Form von Nanoröhrchen, die durch fettsäureähnliche Komponenten aufgebaut ist.

25.05.2010: Einem Forscherteam der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für medizinische Forschung und für Kernphysik sowie des European XFEL, der Universität Göttingen und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) ist es erstmals gelungen, Freie-Elektronen-Laser-Strahlung für die Untersuchung chemischer Kristallstrukturen einzusetzen. Die Aufnahmen erfolgten mit dem Freie-Elektronen-Laser FLASH am DESY. Wie die Experimente der Wissenschaftler zeigen, lassen sich strukturelle Momentaufnahmen der Moleküle ganz ohne Artefakte abbilden - trotz hoher Intensität des Röntgenlasers.

Die Lichtblitze des 260 Meter langen Freie-Elektronen-Lasers (FEL) am Deutschen Elektronensynchrotron sind nicht nur leistungsstark, sondern auch ultrakurz: Die kürzeste erreichte Wellenlänge ist gerade einmal sieben Nanometer (millionstel Millimeter). Ultrakurz ist auch die Dauer der Strahlungspulse, die zehn bis 50 Femtosekunden (billiardstel Sekunden) beträgt. Wie Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für medizinische Forschung und für Kernphysik sowie des Deutschen Elektronen-Synchrotrons, der Universität Göttingen und des European XFELs zeigen, lassen sich damit ultraschnell Strukturen von Molekülen aufnehmen.

Gewöhnlich entschlüsseln Forscher die Strukturen von Molekülen, indem sie daraus Kristalle züchten und diese mit Röntgenlicht durchleuchten - eine mitunter langwierige und nicht immer erfolgsgekrönte Prozedur. Nicht alle Moleküle lassen sich kristallisieren - schon gar nicht in den benötigten Mengen. Auch die Zeitauflösung solcher Experimente ist sehr begrenzt. Langsame Transportphänomene in Festkörpern oder biologische Prozesse ließen sich bisher nur fragmentarisch aufnehmen.

Stop and go - die Struktur molekularer Schalter in Echtzeit “filmen”

Strukturen extrem schnell schaltbarer Nanokristalle mit ultraschnellen Freie-Elektronen-Laser-Pulsen aufzunehmen, gelang jetzt dem Wissenschaftlerteam um Simone Techert, Leiterin der Forschungsgruppe „Strukturdynamik (bio)chemischer Systeme“ am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

Wissenschaftler erhoffen sich von molekularen Schaltern unter anderem ein wirksames Werkzeug, um chemische und biochemische Prozesse gezielt steuern und regulieren zu können. Neben ihrer Anwendung in der Optoelektronik könnten molekulare Schalter auch in der Molekularmedizin Einsatz finden. „Mittels Röntgenlaser könnte man beispielsweise einen „Live-Mitschnitt“ vom Wirkprozess eines medizinischen Wirkstoffs mit seinem molekularen Partner aufnehmen“, erklärt die Chemikerin Techert.

Doch die Stärke des Freie-Elektronen-Lasers ist zugleich seine Schwäche. Denn die hoch ionisierende Röntgenstrahlung kann zu Strahlenschäden führen; Messartefakte wären die Folge. Dass sich gefürchtete Artefakte vermeiden lassen, zeigen die Ergebnisse der Forscher eindrucksvoll. „Mit einer Pulslänge von 20 Femtosekunden sind die Aufnahmen „im Kasten“, bevor der Zerstörungsprozess der Moleküle durch die weichen Röntgenstrahlen einsetzt“, erklärt Techert. Die Arbeiten wurden durch die Advanced Study Group der Max-Planck-Gesellschaft sowie den SFB 602 („Complex structures in condensed matter from atomic to mesoscopic scales“) und den SFB 755 („Nanoscale photonic imaging“) der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt.

Durch die hohe Intensität der FEL-Strahlung ließen sich selbst kleinste Mengen eines Molekülkristalls untersuchen. Mit Freie-Elektronen-Lasern könnten so Strukturinformationen auch aus Nano-Teilchen beziehungsweise Nano-Kristallen gewonnen werden, die sich momentan herkömmlichen Strukturbestimmungsmethoden mit Röntgenstrahlung verweigern. „Mit härterer Röntgenstrahlung der Wellenlänge von weniger als einem Nanometer könnte es zukünftig möglich sein, chemische Strukturen in kristallografischer Manier im Angstrom-Bereich zu bestimmen. Bis zu welcher strukturellen Auflösung dies möglich sein wird, bleibt mit Spannung zu erwarten“, so Max-Planck-Forscherin Techert. Die Ergebnisse der Forscher lassen hoffen, dass Freie-Elektronen-Laser künftig Einsatz finden könnten, um kleine Strukturänderungen molekularer Wirkstoffe oder Proteine „live“ in Aktion zu filmen.

Originalveröffentlichungen: I. Rajkovic, W. Quevedo, G. Busse, J. Hallmann, R. Moré, M. Petri, F. Krasniqi, A. Rudenko, Th. Tschentscher, A. Foehlisch, A. Pietsch, M. Beye, N. Stojanovic, S. Düsterer, R. Treusch, M. Tolkiehn, S. Techert: Diffraction Properties of Periodic Lattices under Free Electron Laser Radiation. Phys. Rev. Lett. 104, 125503-125506 (2010)

I. Rajkovic, J. Hallmann, S. Grübel, R. More, W. Quevedo, M. Petri, S. Techert: Development of a Multipurpose Vacuum Chamber for Serial Optical and Diffraction Experiments with Free Electron Laser Radiation. Rev. Sci. Instr. 81, 045105-1-6 (2010)

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft
Kontakt
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Hofgartenstraße 8
80539 München
DEUTSCHLAND
Tel.
+49892108-0
Fax
+49892108-1111
  • News

    Die Chemie explodierender Sterne

    Forscher verstehen grundlegende chemische Abläufe in Vorläufern unseres Sonnensystems nun ein bisschen besser: Ein internationales Team um Peter Hoppe, Forscher am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, hat nun mit einer sehr empfindlichen Methode Staubeinschlüsse  im 4,6 Milliarden Jahre ... mehr

    Das mehratomige Schlüsselion der Chemie im Universum entschleiert

    In der Chemie in interstellaren Wolken spielt das dreiatomige Wasserstoffion eine Schlüsselrolle. In diesen Reaktionen entstehen auch einfache organische Moleküle. Obwohl H3+ das einfachste mehratomige Molekülion ist, war bisher sein Schwingungsspektrum bei hohen Anregungen weder experiment ... mehr

    Der kleinste Magnetspeicher der Welt

    Der IT-Industrie könnten sich nun neue Möglichkeiten eröffnen. Wissenschaftler der IBM Forschungsabteilung im kalifornischen San Jose und einer Forschungsgruppe des Max-Planck Instituts für Festkörperforschung am Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg haben die Grundlage für eine ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

    Max-Planck-Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio-, Geistes- und Sozialwissenschaften im Dienste der Allgemeinheit. Die Max-Planck-Gesellschaft greift insbesondere neue, besonders innovative Forschungsrichtungen auf, die an den Universitäten in Deutschland noch keinen od ... mehr

Mehr über Uni Göttingen
Kontakt
Georg-August-Universität Göttingen
Wilhelmsplatz 1
37073 Göttingen
DEUTSCHLAND
Tel.
+4955139-0
Fax
+4955139-9612
Mehr über MPI für biophysikalische Chemie
Kontakt
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Am Fassberg 11
37077 Göttingen
DEUTSCHLAND
Tel.
+49551201-0
Fax
+49551201-1222
Mehr über Deutsches Elektronen-Synchroton DESY
Kontakt
Deutsches Elektronen-Synchroton DESY
Notkestrasse 85
22607 Hamburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+4940-8998-0
Mehr über MPI für medizinische Forschung
Kontakt
Max-Planck-Institut für medizinische Forschung
Jahnstraße 29
69120 Heidelberg
DEUTSCHLAND
Tel.
+496221486-0
  • News

    Röntgenlaser durchleuchtet biologische Nanostrukturen

    Der Wissenschaft bietet sich künftig eine neue Sicht auf die biologische Nanowelt. Zwei Teams, an denen Max-Planck-Forscher der Advanced Study Group stark beteiligt waren, haben zum ersten Mal Strukturen biologischer Proben mit dem Röntgen-Freie-Elektronen-Laser „LINAC Coherent Light So ... mehr

    Choreografie der Moleküle - Röntgenblitze "filmen" molekulare Schalter

    Einem Forscherteam der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für medizinische Forschung und für Kernphysik sowie des European XFEL, der Universität Göttingen und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) ist es erstmals gelungen, Freie-Elektronen-Laser-Strahlung für die Unter ... mehr

    Hohe Fördermittel für Sonderforschungsbereich der Heidelberger Chemie

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat am 24. Mai 2005 - auf der Basis einer im April mit hervorragendem Ergebnis durchgeführten Zwischenevaluierung bisheriger Forschungsergebnisse durch ein Gutachtergremium - umfangreiche Mittel für eine weitere, vierjährige Förderperiode des 2002 eingeri ... mehr

Mehr über European XFEL
Kontakt
European XFEL GmbH
Albert-Einstein-Ring 19
22761 Hamburg
DEUTSCHLAND
Tel.
+49408998-6006
Fax
+49408998-1905
  • News

    Startschuss für den Tunnelbau des European XFEL

    Mit der traditionellen Tunnel- und Bohrertaufe fiel der Startschuss für den Bau des Tunnelsystems für den europäischen Röntgenlaser European XFEL. Über 500 Gäste nahmen an der festlichen Zeremonie auf der Baustelle in Schenefeld (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein), dem zukünftigen Forschu ... mehr

    Choreografie der Moleküle - Röntgenblitze "filmen" molekulare Schalter

    Einem Forscherteam der Max-Planck-Institute für biophysikalische Chemie, für medizinische Forschung und für Kernphysik sowie des European XFEL, der Universität Göttingen und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) ist es erstmals gelungen, Freie-Elektronen-Laser-Strahlung für die Unter ... mehr

    Die European XFEL GmbH - Eine neue Forschungseinrichtung in Norddeutschland

    Seit dem 30. November 2009, steht die europäische Forschungseinrichtung, die eine Milliarde teure European-XFEL-Anlage errichten und betreiben wird, auf eigenen Beinen. Aus zehn europäischen Partnerländern reisten Forschungsminister, Staatssekretäre oder hochrangige Repräsentanten ins Hambu ... mehr

  • Verbände

    European XFEL GmbH

    In der Metropolregion Hamburg entsteht eine Forschungsanlage der Superlative: Der European XFEL erzeugt ultrakurze Laserlichtblitze im Röntgenbereich – 27 000-mal in der Sekunde und mit einer Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die der besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmliche ... mehr

Meistgelesene News
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.