Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

09.04.2013: Brennstoffzellen sind eine zukunftsträchtige Art der Stromerzeugung. Allerdings wird der benötigte Wasserstoff noch größtenteils aus Kohle, Öl und Erdgas hergestellt. Eine Gewinnung aus kostengünstiger Biomasse ist eine interessante Alternative, liefert bisher jedoch zu geringe Ausbeuten. Ein amerikanisch-mexikanisches Team stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun ein zellfreies Biosystem aus 13 Enzymen vor, das Wasserstoff aus Xylose, einem Hauptbestandteil von Pflanzen, mit einer Ausbeute von über 95 % produzieren kann.

Xylose, eine Pentose (Zuckermolekül aus fünf Kohlenstoffatomen), ist einer der Hauptbausteine von Lignocellulose-Biomasse – also Holz und verholzten Pflanzenteilen. Für die Wasserstoffgewinnung ist es ökonomisch nicht sinnvoll, Xylose von anderen Biomasse-Bestandteilen zu trennen. Es gibt Mikroorganismen, die Xylose und Glucose, den Baustein von Cellulose, in Wasserstoff umsetzen können. Allerdings nur in geringer Ausbeute.

Y.-H. Percival Zhang, Virginia Tech und seine Kollegen aus den USA und Mexiko greifen daher zu einem Trick: Sie bedienen sich zwar der entsprechenden Enzyme von Mikroorganismen, jedoch in einem zellfreien System. 13 Enzyme und verschiedene biologische Co-Faktoren wie NADPH stellten sie jetzt zu einer komplexen Kaskade zusammen, die in natürlichen metabolischen Systemen so aber nicht existieren. In einem Bioreaktor ließ sich so Wasserstoff aus Xylose mit über 95 % Ausbeute gewinnen.

Wermutstropfen dabei: Im ersten Reaktionsschritt wird Xylose zu Xylulose isomerisiert, die dann im zweiten Schritt durch Anknüpfen einer Phosphatgruppe aktiviert werden muss. Dazu wird ATP (Adenosintriphosphat), der „Energiespeicher“ von Zellen gebraucht, um chemische Energie in die Enzymkaskade zu „pumpen“. Leider ist ATP ein sehr teurer Rohstoff. Worauf es beim ATP ankommt, ist die Spaltung der energiereichen Bindungen zwischen den einzelnen Phosphatgruppen. Die Idee der Forscher: Sie wollten ATP durch kostengünstiges Polyphosphat ersetzen, das ebenfalls energiereiche Phosphatbindungen enthält. Dazu ist allerdings eine Xylulokinase, ein Enzym, das Phosphatgruppen an Xylulose knüpft, nötig, die mit Polyphosphat statt ATP klarkommt.

Polyphosphat kommt in Gesteinen vulkanischen Ursprungs und in Dampfquellen in den Tiefen der Ozeane vor. Urtümliche Mikroorganismen könnten dieses daher benutzt haben. Die Forscher isolierten das Gen für eine Xylulokinase aus Thermotoga maritima, einem thermophilen Mikroorganismus, der in solchen Umgebungen vorkommt, und stellten das Enzym gentechnisch her. Wie erhofft, kann das Enzym auch mit Polyphosphat arbeiten und die ATP-abhängige Xylulokinase in der Enzymkaskade erfolgreich ersetzen.

Bereits zuvor hatte das Team einen synthetischen enzymatischen Weg für die Gewinnung von Wasserstoff aus Cellulose entwickelt. Nun können die beiden Hauptbestandteile von Biomasse, Cellulose und Xylose, gemeinsam umgesetzt werden, ein neuer Ansatz für eine kostengünstige Produktion von Wasserstoff.

Originalveröffentlichung:
Y.-H. Percival Zhang, High-Yield Production of Dihydrogen from Xylose by Using a Synthetic Enzyme Cascade in a Cell-Free System, Angewandte Chemie, 2013

Kontakt / Infos anfordern

Fordern Sie gratis weitere Informationen an:

Merkliste

Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste

Zusatzinformationen

Mehr über Virginia Polytechnic Institute and State University
Kontakt
Virginia Polytechnic Institute and State University


  • News

    An die Arbeit, Enzyme!

    Brennstoffzellen sind eine zukunftsträchtige Art der Stromerzeugung. Allerdings wird der benötigte Wasserstoff noch größtenteils aus Kohle, Öl und Erdgas hergestellt. Eine Gewinnung aus kostengünstiger Biomasse ist eine interessante Alternative, liefert bisher jedoch zu geringe Ausbeuten. E ... mehr

    Für sauberes Wasser: Chlorbeständige Membranen für die Wasserentsalzung

    Eines der drängendsten Anliegen unserer Zeit ist die sichere, nachhaltige Versorgung mit Frischwasser. Vorherrschende Technik zur Wasserentsalzung ist die Membranentsalzung, ein energieffezientes, umweltfreundliches Verfahren. Wissenschaftler haben jetzt ein neues Membranmaterial entwickelt ... mehr

    Der Duft des Eisens

    Woher kommt dieser seltsame, aber typische, als "metallisch" klassifizierte Geruch, wenn man Eisengegenstände, wie Werkzeuge, Besteck, Geländer oder Münzen, anfasst? "Der Geruch des Eisens bei Hautkontakt ist ironischerweise eine Art menschlicher Körpergeruch," konstatiert Dietmar Glindeman ... mehr

  • Universitäten

    Virginia Polytechnic Institute and State University

    mehr

Mehr über Wiley-VCH
  • News

    Trennung durch Vermahlen

    Wie trennt man ein Gemisch, dessen Komponenten sehr ähnliche Eigenschaften haben? Kroatische Forscher stellen einen neuen Ansatz zur Trennung organischer Verbindungen vor. Eine „Wirtsverbindung“ erkennt die gesuchten „Gastmoleküle“ nicht nur in Lösung, sondern auch im Festkörper, wenn der W ... mehr

    Durch die Pore gefädelt

    Veränderungen an den Basen der DNA dienen als Markierung, welche Gene eine Zelle ablesen soll und welche nicht. Ein britisches Team stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie jetzt eine neue Methode vor, mit der man die seltenen Genabschnitte, die die veränderte Base Hydroxymethylcytosin e ... mehr

    „Gesalzene“ Katalysatoren für die chemische Energiespeicherung

    Die Speicherung von Wasserstoff in Form von Methanol ist eine vielversprechende Technik, um Überschussenergie aus Wind- und Solarkraftwerken zu nutzen. Voraussetzung ist allerdings ein leistungsfähiger Katalysator für die Rückgewinnung des Wasserstoffs. Deutsche Wissenschaftler stellen in d ... mehr

  • Kataloge

    Der Wiley-VCH Sachbuchkatalog 2012/2013

    Wissenschaft, die unterhält und Themen, die bewegen finden Sie in diesem Sachbuchkatalog - von der Klimadebatte bis zur Statistik des Fußballspiels mehr

  • Firmen

    Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA

    Wiley-VCH publiziert Monographien, Lehrbücher, Nachschlagewerke und Zeitschriften die in gedruckter oder als Online-Version, maßgebliche und topaktuelle wissenschaftliche Inhalte vermitteln. Wiley-VCH besitzt eine über 80-jährige Verlagstradition in den Bereichen Chemie, Materialwissenschaf ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.