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Das schwarze Gold wird immer teurer

Polit-Chaos im Nahen Osten treibt Preise für Sprit und Heizöl

09.11.2017

Skitterphoto, pixabay.com, CC0

Symbolbild

(dpa-AFX) Wer sich dieser Tage gegen die anstehende Winterkälte wappnen und seinen Heizöltank befüllen will, der hat den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erwischt. Der Heizölpreis ist in Deutschland fast auf den höchsten Stand in diesem Jahr gestiegen. Auch an den Tankstellen müssen die Deutschen tiefer in die Tasche greifen. Denn nach einer langen Phase des Billigöls wird das schwarze Gold immer teurer. Der Generalsekretär des Ölkartells Opec, Mohammed Barkindo, bejubelte am Dienstag gar ein "historisches Jahr". Dabei sind es derzeit vor allem zunehmende politische Spannungen im Nahen Osten, die den Ölpreis nach oben treiben.

Nur kurzzeitig im vergangenen Winter war das Befüllen des Heizöltanks zuletzt teurer als jetzt: Diverse Internetportale sehen den Preis für 100 Liter Heizöl fast auf dem höchsten Stand in diesem Jahr. Der Messgeräte-Hersteller Tecson ermittelte am Dienstag einen bundesweiten Durchschnittspreis von 61,80 Euro. Auch an den Tankstellen wird es zunehmend teuer. Der Internetseite "clever-tanken.de" zufolge stieg der Dieselpreis diesen Monat gar über 1,17 Euro auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr.

Was die Verbraucher derzeit zu spüren bekommen, sind die zunehmenden politischen Spannungen im Nahen Osten. Neben den heftigen Wirbelstürmen in den USA hatte in den vergangenen Wochen vor allem der Streit um die angestrebte Unabhängigkeit des Kurdengebiets im Nordirak für Verunsicherung mit Blick auf die Ölproduktion gesorgt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zwischenzeitlich gar gedroht, die Ölweiterleitung aus dem Nordirak komplett zu stoppen.

Jetzt ist vor allem Saudi-Arabien zum Unsicherheitsfaktor geworden. Am Wochenende sind zahlreiche Minister und Prinzen der königlichen Familie wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen worden. Unterdessen stürzte in Saudi-Arabien aus noch ungeklärter Ursache ein Helikopter mit Regierungsvertretern ab. Hinzu kamen Meldungen, wonach vom Jemen aus eine Rakete auf die saudische Hauptstadt Riad abgefeuert wurde. Die Saudis machen den Iran verantwortlich. Zu allem Überfluss ist der Ministerpräsident des Libanon überraschend zurückgetreten. Dem instabilen Land, in dem Saudi-Arabien und Iran um Einfluss ringen, droht damit eine erneute innenpolitische Krise.

Alles das lässt aufgrund der Furcht vor Produktionsausfällen die Preise für Rohöl deutlich steigen - dem Rohstoff, aus dem Sprit und Heizöl hergestellt werden. Am Dienstag war die wichtige Nordseesorte Brent mit 64,65 US-Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie seit Juli 2015 nicht mehr. Auch der Preis für das US-Öl WTI ist so hoch wie zuletzt vor über zwei Jahren.

Der jüngste Ölpreisanstieg werde auch von Spekulanten an den Finanzmärkten verstärkt, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Die nackten Zahlen zu Produktion und Nachfrage sprächen eigentlich für einen deutlich niedrigeren Preis. "Solange die geopolitischen Nachrichten dominieren, ist eine allein auf Fundamentaldaten basierende Preisprognose aber nicht sonderlich sinnvoll", sagt der Ökonom.

Während der steigende Ölpreis Deutschland schadet, kommt er den Opec-Staaten sowie weiteren wichtigen Förderländern wie Russland sehr gelegen. Denn sie versuchen bereits seit knapp einem Jahr durch eine Drosselung ihrer Produktion den Preis nach oben zu treiben. Während aber der Effekt der gewollten Kürzungen zunächst eher gering ausfiel, sorgen die ungewollten politischen Turbulenzen nun für den gewünschten Auftrieb. Zuletzt gab es Hinweise, dass die Förderländer noch länger als bislang geplant an ihrer Kürzung festhalten wollen. "Wir müssen den Ölmarkt weiter stabilisieren", sagte der saudische Kronprinz kürzlich. Dies könnte den Ölpreisen zusätzlichen Auftrieb geben.

Zudem berappelt sich derzeit die Weltwirtschaft, was - allen voran in China - die Ölnachfrage antreibt. Die Opec rechnet nach Angaben vom Dienstag sogar noch über die kommenden gut zwanzig Jahre mit einer weiter steigenden Nachfrage. Ein wesentlicher Grund dafür sei die rasant steigende Zahl an Autos - auch ein wachsender Anteil an Elektroautos könne dies nicht ausgleichen. Egal ob es sich hier um Realismus oder Wunschdenken handelt: Ein baldiges Ende des Anstiegs bei den Preisen für Sprit und Heizöl ist alles andere als gewiss.

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