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Molekulare Kapseln transportieren Farb- und Wirkstoffe
Polysiloxan-Nanopartikel mit Kern-Schale-Aufbau versprechen weitreichende Anwendungen
14.04.2003: Aus der Werbung für Kosmetika kennen wir sie, Liposomen, kleine Fettkügelchen,
die ihre Fracht tief in innere Hautschichten schleusen. Neben Liposomen gibt es
eine ganze Reihe anderer nanoskopischer Kapselsysteme für verschiedenste
Anwendungsbereiche. Chemiker von der Universität Mainz haben nun eine neue, sehr
flexible Kapselvariante entwickelt.
Nano-Kapseln vom Liposom-Typ bestehen aus vielen einzelnen Untereinheiten, die
zu einer Hohlkugel aggregieren. Bei einem Wechsel der äußeren Bedingungen können
diese Gebilde jedoch zerfallen. Kapseln aus fest verknüpften Bausteinen sind
zwar stabil, ihre Synthese gestaltet sich aber meist recht aufwendig. Relativ
einfach herzustellen ist die neue Kapsel-Klasse der Mainzer Gruppe um Michael
Maskos. Die Chemiker polymerisieren Silicium-Kohlenstoff-Verbindungen zu
Nano-Partikeln aus langen, quervernetzten Ketten. Dabei entstehen so genannte
Poly-Organosiloxane mit einem Kern-Schale-Aufbau. Drei prinzipiell verschiedene
Typen haben die Mainzer Forscher im Sortiment. Allen gemein ist die feste
hydrophobe Schale. Ins Innere der Partikel
bauen die Chemiker zusätzlich geladene Gruppierungen ein. Sie sorgen für ein
hydrophiles Milieu im Innenbereich. Typ 1 hat einen festen
hydrophilen Kern, Typ 2 eine hydrophile Innenschale und einen weichen Kern, Typ
3 eine hydrophile Innenschale um einen Hohlraum. Maskos und seine Kollegen
zeigten, dass alle drei Typen mit hydrophilen Farbstoffen beladen werden können,
dabei selber aber in organischen Lösungsmitteln löslich sind. Verschiedene
Farbstoffe bevorzugten dabei verschiedene Kapsel-Typen. Eine Verkapselung könnte
Farbstoffe etwa in Autolacken oder Tintenstrahldruckern vor Umwelteinflüssen
schützen; sonst nicht lösliche Farbstoffklassen könnten für neue Lacksysteme
zugänglich gemacht werden.
Kapseln mit derartigen Eigenschaften sind prinzipiell auch in der Lage, polare
pharmazeutische oder kosmetische Wirkstoffe durch die Haut oder durch
Zellmembranen zu transportieren und zeitverzögert freizusetzen. Durch eine
Variation der Molekül-Bausteine sind Nano-Kapseln mit unterschiedlichen
Eigenschaften zugänglich. So ließe sich z.B. über die Anzahl der eingebauten
geladenen Gruppen steuern, wie schnell ein Inhaltsstoff freigesetzt wird. Auch
die Maschenweite der äußeren Schale der Kapseln kann gezielt eingestellt werden.
Auf diese Weise lässt sich steuern, welche Moleküle Einlass finden -
beispielsweise für Anwendung der Kapseln als Nano-Reaktionsgefäße und als
"Behälter" von Katalysatoren.
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