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Hochdurchsatzverfahren zur Optimierung der Kristallisationsbedingungen von Proteinen
30.04.2004: Die räumliche Struktur eines Proteins ist für seine Funktion entscheidend und
damit für die Biowissenschaften von besonderem Interesse. Die Schwierigkeit
dabei: Für die Strukturaufklärung via Röntgenstrukturanalyse braucht man einen
Kristall. Viele Proteine sind aber nur mühsam zum Kristallisieren zu bewegen,
Fällmittel und weitere Additive müssen nachhelfen. Zahlreiche aufwändige
Vorversuche sind nötig, um für jedes Protein die optimalen
Kristallisationsbedingungen auszutüfteln. Mit einer neuen Mikromethode gelingt
es Chicagoer Chemikern um Rustem F. Ismagilov nun, Proteinkriställchen in
winzigen Tröpfchen zu züchten. Rasch und einfach lassen sich so die am besten
geeigneten Parameter ermitteln.
Basis der Technik ist ein etwa daumennagelgroßer Kunststoffchip mit einem System
aus feinsten Kanälchen. Seitenkanal eins enthält eine wässrige Lösung des
Proteins, ein zweiter das Fällmittel, ein dritter eine Pufferlösung mit weiteren
Additiven. Diese drei Seitenkanäle münden an der selben Stelle in den
Hauptkanal, durch den ein spezielles Öl fließt. Werden die Lösungen der
Seitenkanäle langsam gefördert, entstehen an der Mündung Wassertröpfchen von
wenigen Nanolitern, die alle drei Komponenten enthalten. Diese werden vom
strömenden Öl mitgenommen und weiter in eine lange, feine Glaskapillare
transportiert. Die Zusammensetzung der Tröpfchen kann gezielt über die
Fließgeschwindigkeit in den einzelnen Seitenkanälen variiert werden. Ist die
Kapillare voll mit dicht gepackten, durch die Ölphase getrennten Tröpfchen, wird
sie vom Chip abgenommen, verschlossen und gekühlt. In Tropfen mit geeigneten
Konzentrationsverhältnissen kristallisiert das Protein aus. Zur Beschleunigung
der Kristallisation lassen sich die Tröpfchen auch kontrolliert
aufkonzentrieren: Über ein zweites Seitenkanalsystem wird eine zweite Sorte
Tröpfchen erzeugt, die lediglich eine wässrige Salzlösung enthält. Beide
Tröpfchensorten werden alternierend in das Öl gefördert. Der Trick dabei: Die
Salzkonzentration in den "salzigen Tröpfchen" ist höher als in den
proteinhaltigen. Aufgrund des osmotischen Drucks wandern Wassermoleküle langsam
aus den Tröpfchen mit der niedrigeren Salzkonzentration durch das Öl in die
Tröpfchen mit der höheren. Die proteinhaltigen Tröpfchen schrumpfen also - damit
steigt ihre Proteinkonzentration.
Die gefüllte Kapillare lässt sich sogar leicht nach Kriställchen durchforsten,
die eine ausreichende Qualität für eine Strukturanalyse mitbringen, denn die
Kristalle können direkt in der Kapillare geröngt werden. Die Gefahr, die
empfindlichen Gebilde beim Überführen auf einen anderen Träger zu beschädigen,
ist damit gebannt. Unter den als optimal identifizierten Bedingungen züchtet man
dann größere Proteinkristalle für deren Strukturaufklärung.
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