Mit einem my.chemie.de-Account haben Sie immer alles im Überblick - und können sich Ihre eigene Website und Ihren individuellen Newsletter konfigurieren.
21.02.2007: Vor wenigen Tagen ist der Startschuss für ein ehrgeiziges Forschungsprojekt zur Weiterentwicklung der Lichtmikroskopie gefallen. Ein bundesweiter Forscherverbund will eine fluoreszenzmikroskopische Technik entwickeln, die lebende Zellen mit einer bisher ungekannten Schärfe abbildet. Gesamtkoordinator des Projekts ist Professor Dr. Markus Sauer von der Universität Bielefeld.
Das wissenschaftliche Potential des neuen Verfahrens ist enorm: Es soll erstmals Vorgänge im Inneren von lebenden Körperzellen detailliert sichtbar machen. Damit wäre es beispielsweise möglich, den Weg eines Medikamentenwirkstoffs in die Zellen eines Organs zu beobachten. Die Technologie könnte helfen, Krankheiten bereits in ihrer Entstehungsphase zu erkennen, ihre Ursachen zu verstehen und - so das Fernziel - sie gezielt am Entstehungsort zu therapieren.
Das Projekt ist eine konsequente Fortsetzung der im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichneten Arbeiten von Prof. Dr. Stefan Hell vom Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie. Er hatte ein äußerst scharfes Lichtmikroskop entwickelt, das die bislang als unüberwindbar geltende physikalische Beugungsgrenze außer Kraft setzt. Um schärfere Bilder zu erzeugen, nutzt der Göttinger Forscher das Phänomen der Fluoreszenz. Er heftet fluoreszierende Moleküle an die zu untersuchenden Biomoleküle und bringt sie unter dem Mikroskop durch Laserbestrahlung zum Leuchten. Der entscheidende Trick ist, die fluoreszierenden Moleküle dabei wie winzige Lichtschalter gezielt an- und auszuschalten. Das ermöglicht eine optische Auflösung weit unterhalb von 100 Nanometern und damit jene Genauigkeit, die man zur Beobachtung der Zellbausteine braucht.
Bevor die neue Technologie in der medizinischen Forschung eingesetzt werden kann, ist allerdings noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. Daher bringt der jetzt ins Leben gerufene Forscherverbund führende Experten auf den Gebieten der organisch-chemischen Synthese, der Farbstoffchemie und Photophysik sowie der Fluoreszenzmikroskopie zusammen. Hierzu gehören die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Markus Sauer und Professor Dr. Jochen Mattay an der Universität Bielefeld, von Professor Dr. Karl-Heinz Drexhage an der Universität Siegen, von Professor Dr. Stefan Hell am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie sowie von Privatdozent Dr. Jörg Enderlein am Forschungszentrum Jülich. Diese sollen in der zweijährigen Projektlaufzeit neue wasserlösliche Fluoreszenz-Farbstoffe entwickeln, die sich als molekulare Schalter eignen. Gleichzeitig sollen auch die optischen Anregungs- und Nachweistechniken weiter optimiert werden. Im Erfolgsfall soll später mit Industriepartnern an der industriellen Umsetzung und Vermarktung der Verfahren und speziellen Schalter gearbeitet werden.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit rund 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Biophotonik.
Merkliste
Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste
Sie gehören zu den größten technischen Anlagen, die zu Forschungszwecken gebaut werden: riesige Teilchenbeschleuniger, durch deren kilometerlange Bahnen Teilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und so zur Erzeugung von Strahlung genutzt werden können. An den leistungsstarken Be ... mehr
Verbotene Farbstoffe, Dioxine, Antibiotika, gesundheitsschädliche Substanzen in Lebensmitteln – solche Schlagworte erscheinen fast täglich in den Medien und verunsichern die Bevölkerung. „Damit Essen nicht nur schmeckt, sondern auch gesund ist, erforschen wir wirkungsvolle Werkzeuge für die ... mehr
Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, wird auf dem Meeresboden radikal sauber gemacht. Sobald die ersten Sonnenstrahlen ins Wasser eindringen, beginnen die hier vorkommenden Kieselalgen „Nitzschia cf pellucida“ mit einer todbringenden „Morgentoilette“. Die nur wenige Mikrometer großen Algen ... mehr
In Jena ist nichts weit. Man kann im Grünen wohnen und in wenigen Minuten in der City sein – und umgekehrt. Die Grenzen sind fließend – urban wie intellektuell. Denn kurze Wege gibt es in Jena auch im übertragenen Sinne: durch persönliche Kontakte zwischen den Wissenschaftlern untereinander ... mehr
Mehr über MPI für biophysikalische Chemie
Kontakt
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Am Fassberg 11
37077 Göttingen
DEUTSCHLAND
Leica Microsystems hat mit der Max-Planck-Gesellschaft und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) eine Vereinbarung über die Entwicklung der nächsten Gerätegeneration der höchstauflösenden STED (Stimulated Emission Depletion) Mikroskopie geschlossen. Danach erhält Leica Microsystems di ... mehr
Für seine wegweisenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Optik erhält Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2011. Der Körber-Preis zeichnet jährlich einen he ... mehr
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat 13 neue Schwerpunktprogramme eingerichtet. Sie sollen Anfang 2012 beginnen und wissenschaftliche Expertise bundesweit wie international vernetzen. Eines dieser Schwerpunktprogramme koordiniert Marina Bennati vom Göttinger Max-Planck-Institut für bioph ... mehr
Das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut) ist ein multidisziplinäres Institut, dessen wissenschaftliche Abteilungen hinsichtlich ihrer Methodik verschiedenartig ausgerichtet sind und sich wechselseitig im Hinblick auf biologische Fragestellunge ... mehr