Mit einem my.chemie.de-Account haben Sie immer alles im Überblick - und können sich Ihre eigene Website und Ihren individuellen Newsletter konfigurieren.
09.01.2008: Im Boom tragbarer Informations- und Kommunikationsgeräte gelten Lithium-Ionen-Akkus als unverzichtbare Stromlieferanten. Gegenüber anderen wiederaufladbaren Batterietypen bieten sie die höchste Energiedichte, verhelfen Laptops zu erträglichen Arbeitszeiten und leiden nicht unter einem Memory-Effekt. Wirklich zufriedenstellend arbeiten heutige Akkus jedoch noch nicht. Was man für moderne leistungsfähige Akkus, Batterien, aber auch in Brennstoffzellen braucht, sind Feststoffe mit einer noch höheren Ionenleitfähigkeit für Lithium-Ionen. Deutsche Forscher haben jetzt eine neue Klasse anorganischer Ionenleiter entwickelt, die eine dem Mineral Argyrodit analoge Struktur aufweisen. Wie ein Siegener Team um Hans-Jörg Deiseroth in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, besteht der leitfähigste Vertreter dieser künstlichen Mineralien aus Lithium-, Phosphor-, Schwefel- und Brom-Atomen.
In Ionenleitern wird Ladung nicht in Form von Elektronen, wie z.B. in Metallen, sondern in Form geladener Atome oder Moleküle transportiert - typischerweise Lithium-Ionen. Dazu werden Materialien benötigt, in denen sich die Lithium-Teilchen möglichst frei bewegen können. Das Team der Uni Siegen, das mit Wissenschaftlern der Universität Münster kooperiert, griff als Ausgangspunkt auf ein altbekanntes Mineral zurück: Argyrodit, ein 1885 bei Freiberg entdecktes Silber-Germanium-Schwefel-Mineral, in dem die Silberionen recht beweglich sind.
Die einzelnen Bestandteile lassen sich durch eine Reihe anderer Atome ersetzen, unter Beibehalt der typischen Struktur des Minerals. So wurde der Begriff Argyrodit zum Namensgeber für eine ganze Verbindungsklasse, deren Atomanordnung diesem Strukturtyp gehorcht. Das Team um Deiseroth stellte nun eine Variante her, in der Silber durch Lithium, Germanium durch Phosphor und ein Teil der Schwefelatome durch Halogenide (Chlor, Brom, Iod) ersetzt wurden. So entstehen Argyrodit-artige Strukturen der Zusammensetzung Li6PS5X (X: Cl, Br oder I).
Im Kristall ordnen sich die Phosphor-, Schwefel- und Halogenatome zu einer Art dichten Tetraederpackung an, deren Lücken mehr oder weniger regelmäßig mit Lithium-Ionen bestückt sind. Die Lithium-Ionen können von Lücke zu Lücke "springen". Freie Beweglichkeit von Ionen bedeutet, dass der Feststoff eine hohe Ionenleitfähigkeit hat. Die bromhaltige Struktur zeigt dabei eine der höchsten bisher bei Festkörpern bekannten Ionenleitfähigkeiten für Lithium.
Die Wissenschaftler haben die Lithiumargyrodite eingehend mit Einkristall-Röntgenstudien und einer speziellen Kernspin-Technik (MAS-NMR) untersucht. Auf diese Weise konnten sie deren Kristallstruktur genau charakterisieren und spannende Einblicke in die Dynamik der beweglichen Lithium-Ionen gewinnen.
Originalveröffentlichung:Hans-Jörg Deiseroth et al.; "Li6PS5X: A Class of Crystalline Li-Rich Solids With an Unusually High Li+ Mobility"; Angewandte Chemie 2008, 120, No. 4, 767-770,.
Merkliste
Hier setzen Sie die nebenstehende News auf Ihre persönliche Merkliste
Dem Zufall verdanken wir viele Entdeckungen; man kann ihm aber auch auf die Sprünge helfen: Die Chance, etwas Interessantes zu finden, steigt mit der Zahl der unternommenen Versuche. Französische Forscher haben dieses Prinzip jetzt bei der Suche nach neuen chemischen Reaktionen angewendet. ... mehr
Um Terroranschläge an Flughäfen zu verhindern, möchte man kleinste Konzentrationen von Sprengstoffen einfach aber zuverlässig detektieren. Trotz verschiedener Ansätze für Sensoren sind Hunde noch immer die effizientesten Detektoren. Ein deutsch-französisches Team beschreibt in der Zeitschri ... mehr
Beim Stichwort Ethylen (Ethen) denkt man eher an Polyethylen-Kunststoffe als an Früchte. Aber Ethylen ist nicht nur ein Ausgangsprodukt der chemischen Industrie, sondern auch das kleinste Pflanzenhormon und steuert physiologische Prozesse, wie die Reifung von Früchten, die Keimung, das Aufb ... mehr
Unter Koordination der BASF Personal Care und Nutrition GmbH (ehemals Cognis GmbH) setzt ein Verbund aus fünf Partnern (neben der BASF die Universitäten Greifswald, Münster und Rostock sowie das Leibniz-Institut für Katalyse an der Universität Rostock) seine Arbeiten zur Entwicklung neuer b ... mehr
Das Edelmetall Palladium gehört zu einer Gruppe von Elementen, die – ähnlich wie Platin oder Gold – besonders reaktionsträge sind. Dennoch sind diese Metalle und ihre Verbindungen außerordentlich wichtig bei technischen Prozessen wie z.B. der katalytischen Abgasreinigung. Chemiker der Unive ... mehr
Wie bringt man kurze Ketten aus reaktionsträgen, linearen ("spaghettiförmigen") Kohlenwasserstoffmolekülen dazu, eine einzige lange Kette zu bilden? Für Chemiker ist das ein schwieriges und seit Langem bekanntes Problem. Sie können solche Ketten nur mühsam und mit einem sehr hohen Energieau ... mehr
Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) hat in den Geistes- und Sozialwissenschaften, der Mathematik, den Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ein starkes Forschungsprofil entwickelt. Sie fördert gezielt die Spitzenforschung und d ... mehr