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Gefo(e)rderte Forschung und Entwicklung

Biotechnologie in Österreich

Dr. Björn Lippold, Chemie.DE Information Service GmbH, Eichenstraße 3A, 12435 Berlin

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Einer der frühen Erfolge der österreichischen Biotechnologie ist das 1952 entwickelte oral verabreichbare Penicillin durch das bereits sechs Jahre zuvor gegründete Unternehmen Biochemie GmbH in Kundl. Von derselben Firma wurde 1981 auch das erste rekombinante Protein produziert. Aus diesen frühen Anfängen hat sich Österreich in den letzten Jahren in eine attraktive Biotechlandschaft entwickelt, in der neben alten und neuen Biotech-Unternehmen auch die öffentliche Wirtschaftsförderung durch Investitionen in Forschung und Entwicklung für eine lebendige Biotechnologieszene sorgt.

Die Tatsache, dass das Thema Forschung und Entwicklung in Österreich ernst genommen wird, zeigt sich bereits an der geschätzten Forschungsquote von 2,27% des Brutto-Inland-Produkts für 2004, die über dem europäischen Durchschnitt von 1,93% liegt. Erklärtes Ziel der österreichischen Politik ist, die Forschungsquote bis 2010 auf 3% anzuheben. In den Jahren von 1995 bis 2004 konnten die österreichischen Ausgaben für Forschung und Entwicklung eine jährliche Wachstumsrate von 7,7% verzeichnen.

Hinter den entsprechenden Fördermaßnahmen stehen mehrere Organisationen und Agenturen. Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) für wirtschaftsnahe Forschung in Österreich bündelt beispielsweise die Förderaktivitäten und ist Teil der österreichischen Strukturreform der Forschungslandschaft. Als finanzielle Mittel stehen der FFG jährlich rund 300 Mill. Euro zur Verfügung, die vor allem zur Förderung von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt werden sollen.

Forschungspolitisch bedeutend ist auch das österreichische Genomforschungsprogramm GEN-AU, für das jährlich 10,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden, um Kooperationen zwischen akademischen und wirtschaftlichen Partner zu fördern. Die zugehörigen Projekte sind beispielsweise in den Bereichen Proteomik oder Krebstherapie angesiedelt.

Das Programm Life Science Austria (LISA) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit fokussiert seine Aktivitäten auf die Initiierung und Betreuung von Unternehmensgründungen. Forciert wird dabei insbesondere die gezielte Patentierung und Verwertung von Ergebnissen, wobei besonders für die Region Wien bereits deutliche Erfolge erzielt wurden: Im Ranking der biologischen Patente erreicht die Region Wien unter den 150 offiziellen Mitbewerbern einen Platz unter den obersten 15 Plätzen.

Biotech im Herzen Österreichs: Vienna Region

Neben kleineren Standorten wie Innsbruck (Tirol), Graz (Steiermark), Krems (Niederösterreich) und dem Burgenland fokussieren sich die Biotechnologie-Aktivitäten Österreichs auf die Hauptstadt Wien.

Der Standort Wien bietet zusammen mit umliegenden Zentren in Niederösterreich und im Burgenland eine Mischung von Großunternehmen, kleinen Biotech-Firmen, Forschungs- und Entwicklungszentren multinationaler Konzerne wie Baxter, Boehringer Ingelheim, Eli Lilly oder Novartis, universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sowie Start-Up-Unternehmen. Der thematische Schwerpunkt der Vienna Region liegt mit der pharmazeutischen Forschung im Bereich der Roten Biotechnologie.

Mit der Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur und der Veterinärmedizinischen Universität Wien verfügt die Stadt gleich über fünf Hochschulen, um die für die Forschung notwendigen Wissenschaftler auszubilden. Im Bereich der postgradualen Ausbildung leistet außerdem die benachbarte Donauuniversität Krems einen zusätzlichen Beitrag und legt ihre Schwerpunkte auf regenerative Medizin, sowie Gewebe- und Adsorptionstechnik. Nicht zufällig wird auch an diesem Standort die größte Gewebedatenbank Österreichs eingerichtet.

Ein Beispiel für die funktionierende Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft findet sich in dem 1970 vom Sandoz-Konzern gegründeten heutigen Novartis Forschungsinstitut (NFI). Im Rahmen des Vienna International Research Cooperative Center (VIRCC) bietet der Campus des NFI universitären Gruppen an, die Infrastruktur des Instituts im Bereich der Grundlagenforschung mitzubenutzen.

Auch hinter dem Campus Vienna Biocenter (VBC) steckt eine Public-Private-Partnership, an der 1.000 Wissenschaftler aus 40 Nationen beteiligt sind. Jährlich schließen ungefähr 200 Absolventen hier ihre Ausbildung in den Fachgebieten Biotechnologie, Biochemie, Molekularbiologie und Genetik ab. Neben acht Forschungsinstituten beherbergt das Gelände mehrere Unternehmen, die teilweise durch LISA Vienna Region beraten und unterstützt werden. Außerdem wurden für die Unternehmensaktivitäten zwei Büro- und Laborgebäude, eines davon am Campus Vienna Biocenter, gebaut, um eine zusätzliche Nutzfläche von ca. 10.000 m2 zur Verfügung stellen zu können.

Forschung und Entwicklung werden in Österreich groß geschrieben und mit ihren Universitäten und Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft beweist insbesondere die Vienna Region, wie sich diese politischen Forderungen in der biotechnologischen Praxis umsetzen lassen.

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