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Übernahmen, Skandale und die Wahrheit im Wein

Jahresrückblick 2006

Dr. Björn Lippold, Chemie.DE Information Service GmbH, Eichenstraße 3A, 12435 Berlin

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Das Jahr 2006 neigt sich dem Ende entgegen. Vor 30 Jahren geriet die Seveso-Katastrophe in die Schlagzeilen [1], und 10 Jahre später sorgte der „rote Rhein“ nach dem Sandoz-Unfall für einen schweren Imageschaden der Chemie- und Pharmabranche [2]. War vor einem Jahr die Vogelgrippe noch die scheinbar omnipräsente Bedrohung, so waren es 2006 vor allem die Wirtschaftsmeldungen, die das Bild der Branche prägten. Übernahmen und die Expansion nach Asien und insbesondere China [3] standen immer wieder im Vordergrund.

Der folgende kleine Rückblick liefert einen kurzen Querschnitt durch wichtige Übernahmen, besondere Forschungserfolge und auch die kleinen skurrilen Meldungen am Rande der Branche.

Wer kauft wen? – Übernahmeschlachten 2006

Das zentrale Wirtschaftsthema 2006 war Firmenübernahmen, die besonders im Pharma-Bereich für einige Veränderungen gesorgt haben. Bereits zu Anfang des Jahres entbrannte eine der großen Übernahmeschlachten, als die BASF ein Angebot für die amerikanische Engelhard Corporation abgab [4]. Zunächst lehnte der amerikanische Katalysatorenhersteller das Angebot vehement ab, doch die BASF blieb ebenfalls hartnäckig und verlängerte das Angebot an die Engelhard-Aktionäre immer wieder. Es sollte bis zum Juni dauern, bis es endlich zu einer Einigung [5] und schließlich zur Übernahme der Aktienmehrheit von Engelhard kam [6]. Im November begann schließlich die Integration des Unternehmens in die Konzernstruktur der BASF [7].

Während die Übernahmeversuche der BASF noch im vollen Gange waren, kündigte sich ein weiteres Übernahmegefecht an: Im März gab Merck seine Absicht bekannt, das Berliner Pharma-Unternehmen Schering aufzukaufen [8]. Auch Schering wehrte sich zunächst gegen die Übernahme [9], doch gegen Ende des Monats betrat ein weiterer Kandidat das Feld: Bayer machte ebenfalls ein Angebot für den Kauf von Schering [10], das von dem Pharma-Unternehmen wohlwollender aufgenommen wurde. Schien die Bayer-Schering-Übernahme danach eine ausgemachte Sache zu sein, so mischte sich Merck im Juni überraschend noch einmal in die Entwicklung ein und kaufte über 18,6 Prozent der Schering-Aktien auf [11], so dass die von Bayer angestrebte 75-prozentige Aktienmehrheit in Gefahr zu geraten schien [12]. Am Ende einigten sich jedoch alle drei Beteiligten. Schering wurde tatsächlich Teil des Bayer-Konzerns und die Integration kann nun beginnen [13].

Ein noch beliebterer Übernahmekandidat als Schering schien jedoch ein anderes Unternehmen der Pharma-Branche gewesen zu sein. Für Schwarz Pharma wurden innerhalb des Jahres sogar gleich drei Übernahme-Interessenten gehandelt. Zunächst hieß es im Juli, dass Merck nun Schwarz Pharma übernehmen wolle [14], dann wurde im September Pfizer als weiterer Interessent für eine Übernahme diskutiert [15]. Schließlich war es jedoch der belgische Konzern UCB, der im September sein Übernahmeangebot bekannt gab [16] und schließlich gegen Ende des Jahres die Übernahme unter Dach und Fach brachte [17].

Außerdem wurde in diesem Monat Altana Pharma an die dänische Nycomed verkauft [18], und Linde übernahm die britische BOC Group [19], um sich nun als Linde Group auf den Industriegasebereich zu konzentrieren [20].

Während einige Unternehmen übernommen wurden, schafften andere Firmen 2006 den Gang an die Börse. Seit April ist die Wacker-Chemie eine Aktiengesellschaft [21], und der Aroma-Hersteller Symrise plant, noch bis Ende 2006 börsennotiert zu sein [22].

Pleiten und Skandale – Biotech 2006

Auch die deutsche Biotech-Szene war 2006 stark in Bewegung. Bereits am Anfang des Jahres wurde Icon Genetics von Bayer aufgekauft [23]. Im April trennte sich Lion Biosciences von seiner Informatiksparte [24] und beschloß im Dezember dann eine Neuausrichtung des gesamten Unternehmens [25]. Im Mai wagte Geneart den Börsengang [26], während TeGenero im Juli den Insolvenzantrag stellen musste [27]. Der fatale Ausgang eines Medikamententests in Großbritannien besiegelt so das Schicksal des Unternehmens [28]. Im September meldete schließlich das Biotech-Unternehmen November mit seinen Tocherfirmen directif und identif Insolvenz an.

Auch in der Wissenschaft musste die Biotech-Szene Rückschläge verkraften. Zehn Jahre nach Geburt des Klonschafs Dolly [29] zog der Skandal um den koreanischen Stammzellen-Forscher Hwang Woo Suk weite Kreise. Die Ergebnisse um die geklonten embryonalen Stammzellen entpuppten sich als Fälschung [30]. Bald hieß es, Hwang habe, um an die nötigen Eizellen zu kommen, Druck auf die eigenen Mitarbeiterinnen ausgeübt [31] und eine ältere Arbeit sei ebenfalls eine Fälschung gewesen [32]. Zudem warf man Hwang die Veruntreuung von Forschungsgeldern vor [33] und erkannte ihm den Titel als „Oberster Wissenschaftler“ Süd-Koreas ab [34]. Während die Stammzellforschung durch diese negative Publicity nicht wie zunächst befürchtet in totalen Misskredit geriet, eröffnete Hwang bereits einige Monate nach dem Skandal mit neuen Geldern ein privates Labor [35].

Trotz dieser Probleme häufen sich 2006 allerdings auch Meldungen, wie die deutsche Biotech-Szene wächst. Angefangen bei der Gründung der neuen Biotech-Region BioLago [36] über verschiedene Studien, die ein Wachstum einzelner Biotech-Regionen und der gesamten Branche in Deutschland aufzeigen [37, 38, 39, 40, 41, 42] bis hin zum Trend, dass die Biotech-Branche für die Pharma-Industrie ein immer wichtigerer Partner wird [43], lässt sich auch eine deutliche Stärkung dieser Fachrichtung erkennen.

Gefährliche Nano-Partikel – Verbraucherinformationen 2006

Aus Verbrauchersicht prägte ein Thema die Nachrichten 2006: Das Thema Gammelfleisch in Deutschland stank in diesem Jahr buchstäblich zum Himmel und beflügelte dabei auch neue Analytikprojekte [44]. Daneben beinahe unbemerkt widmete sich die Chemie-Branche auch anderen Verbraucherfragen.
Eine Studie der Universität Heidelberg zeigte, dass Mineralwasser aus den inzwischen verbreiteten PET-Flaschen mit Antimon kontaminiert ist, wobei aber der Endverbraucher nicht gefährdet sei [45].

Die Rückrufaktion eines „Nano-Sprays“ [46] gab allerdings scheinbar einen ersten Vorgeschmack auf mögliche Gefahren der Nanotechnologie [47]. Es sollte sich jedoch später zeigen, dass die gemeldeten Krankheitsfälle nicht auf Nanopartikel zurückzuführen waren, denn diese waren nachweislich in dem Spray überhaupt nicht enthalten [48]. Trotzdem sollen nun auch die Verbraucher bei der Risikoforschung und der Entwicklung von Kennzeichnungspflichten für Nano-Produkte einbezogen werden [49]. Vielleicht geht diese ganze Diskussion am Ende aber so aus wie die Diskussion um Acrylamid [50]. Wie eine Studie zeigen konnte, kennen die Verbraucher zwar die Gefahren von Acrylamid, doch ignorieren sie diese offenbar ganz bewusst.

Im Wein liegt Wahrheit – Überraschendes 2006

Aus wissenschaftlicher Sicht zeigte sich außerdem, dass trotz immer fantasievollerer Nanopartikel wie Nano-Sternen [51] und Nano-Eiern [52], die zum Teil mit Hula-Hoop-Techniken hergestellt werden sollen [53], zumindest die so genannten Nanotubes ein alter Hut sind. Forscher fanden überraschenderweise in einem alten Damaszener-Säbel Nanotubes, die vielleicht Teil des Geheimnisses um die legendäre Qualität dieses Stahls sind [54].

Noch größeres Aufsehen unter den englischen Lesern erregte in diesem Jahr jedoch eine Meldung, in der es darum ging, wie die instrumentelle Analytik in eine der wichtigsten Domänen des menschlichen Geschmacksempfinden eindrang [55]: Mensch und Maschine traten gegeneinander im Wettbewerb bei der Bewertung von Wein an und erreichten dieses Mal noch ein Unentschieden.

Auch das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven hat einen Blick auf die Qualität von Weinen geworfen und bei seinem Vergleich von Discount- und Markenweinen sicherheitshalber noch einmal auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine gesetzt [56]. Profitieren von diesem Wissen kann vielleicht auch die BASF, die dieses Jahr nicht nur durch Übernahmen von sich reden machte, sondern auch durch die Tatsache, dass das Unternehmen zu den größten Weinhändlern Deutschlands gehört [57].

Welche Themen die Leser von Chemie.DE und Bionity.COM 2006 noch interessierten, finden Sie unter den Topnews auf Chemie.DE [58, 59] und Bionity.COM [60, 61].

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