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DNA‐Forensik

Zusammenfassung

Der Begriff Forensik fasst die wissenschaftlichen Arbeitsmethoden zusammen, mit denen Straftaten untersucht, analysiert und aufgeklärt werden können. Dienen der Aufklärung DNA‐Spuren, die am Tatort vorgefunden wurden, spricht man von DNA‐Forensik oder forensischer Genetik. Häufig liegt am Tatort nicht nur die DNA‐Spur des Täters vor, sondern es sind auch die DNA von Opfer, Zeugen und berechtigten Personen (Ersthelfer, Polizeikräfte, etc.) usw. aufzufinden. Dann wird die Analyse komplex und das Verhältnis der DNA‐Spuren zueinander bedeutsam. Seit einigen Jahren steht die DNA‐Forensik vor völlig neuen Möglichkeiten, die neu entwickelte, moderne Sequenzierungstechniken, die zusammengefasst als Next Generation Sequencing (NGS) oder inzwischen sogar als Third Generation Sequencing (SMRT) bezeichnet werden, bieten. Diese Techniken erlauben eine schnelle Sequenzierung des gesamten Genoms und damit Merkmale wie Augenfarbe und Haarfarbe einer Person zu bestimmen. So könnte aus dem abstrakten DNA‐Profil in den nächsten Jahren ein plastisches DNA‐Phantombild werden. Die Entwicklungen erfordern eine Anpassung der gesetzlichen Regelungen und öffentliche Akzeptanz. Im vorliegenden Artikel werden die aktuellen Praktiken der DNA‐Forensik am Tatort und in den Laboratorien beschrieben und ein Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten der forensischen DNA‐Analyse gegeben werden.

Summary

Forensics deals with the scientific methods to gather information at a crime scene for solving criminal actions. DNA forensics uses genetic material for these purposes. DNA fingerprinting is established as an important method for police detective work since the end of the 1980s. Currently, DNA forensics faces completely new possibilities through the application of more efficient high‐throughput sequencing methods, summarized as Next Generation Sequencing (NGS). Using NGS it could be possible to predict numerous externally visible characteristics including the complete facial shape of an unknown perpetrator. This article aims at presenting practices of forensic DNA analyses used to date and extending the picture for future possibilities and challenges.

Die Ausstrahlung von Fernsehserien wie CSI: Miami, oder Navy CIS fördert ein öffentliches Interesse an den forensischen Wissenschaften und schafft Alltagsvorstellungen vom forensischen Arbeiten. Häufig wirken die in den Serien verwendeten analytischen Methoden jedoch im Vergleich zu den wirklich im Labor angewendeten Techniken wie Science Fiction. So führt in den Fernsehserien eine in wenigen Minuten durchgeführte DNA‐Analyse zur direkten Identifizierung des Täters mit komplettem Strafregister und aktueller Adresse. Diese Unterhaltungsserien bilden die Komplexität im kriminaltechnischen Labor und bei der Ermittlung jedoch nicht real ab, wodurch dem Zuschauer ein falscher Eindruck vermittelt wird. Hieraus kann sich eine Einstellung gegenüber der Forensik in der echten Kriminalistik ergeben, die nicht auf den tatsächlichen wissenschaftlichen Möglichkeiten beruht. Ziel dieses Beitrages ist es, aus wissenschaftlicher aber auch aus rechtlicher und bewertender Perspektive die aktuell realen Möglichkeiten und Grenzen der DNA‐Forensik aufzuzeigen.

Autoren:   Kerstin Kremer, Sabrina Fritzsch, Frank Stahl
Journal:   Chemie in unserer Zeit
Jahrgang:   2017
Seiten:   n/a
DOI:   10.1002/ciuz.201700728
Erscheinungsdatum:   21.07.2017
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