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Vom Teerfarbstoff zum Insektizid

Abstract

Der Münchner Chemieprofessor Wilhelm von Miller war nicht nur einer der beiden Namensgeber der Doebner‐v. Miller‐Chinaldinsynthese, sondern zugleich auch Erfinder des ersten industriell hergestellten, organisch‐chemischen Insektizids, das 1892 unter dem Namen “Antinonnin” von den Farbenfabriken Friedr. Bayer & Co. in Elberfeld auf den Markt gebracht wurde. Der Wirkstoff des Präparates war das Kaliumsalz des 4,6‐Dinitro‐ortho‐kresols (DNOC). Bei dieser gelben Nitroverbindung handelte es sich um einen frühen, nicht besonders guten Teerfarbstoff, der Ende der 1860er Jahre erfunden und zunächst in der Textilfärberei verwendet worden war. Nach Einführung der lichtechteren Azofarbstoffe machte er besonders als Lebensmittelfarbstoff Karriere. Ende des 19. Jahrhunderts erschloss Wilhelm von Miller ein völlig neues Verwendungsgebiet für das DNOC, den Pflanzenschutz. Die Verbindung wurde fortan vor allem als Wirkstoff von Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden und Entlaubungsmitteln verwendet. Seit 1999 sind DNOC‐haltige Pflanzenschutzmittel in der EU nicht mehr zugelassen. Der Artikel verbindet die Biographie Wilhelm von Millers mit einem Blick in die Geschichte des Pflanzenschutzes in Deutschland.

Wilhelm von Miller, professor of chemistry in Munich, invented the first synthetic organic insecticide called “Antinonnin” which the Bayer Company of Elberfeld, Germany, brought onto the market in 1892. Its active principle was the potassium salt of 4,6‐dinitro‐o‐cresol (DNOC). The compound, already synthesized in the late 1860's, was used in the beginning as a yellow textile dye. After the invention of azo dyes, the substance started being used as food‐colorant and later also as an insecticide, fungicide, herbicide and defoliant. Until the early 1970's it was especially popular for the winter treatment of orchards as a larvicide and ovicide. The paper connects the biographical history of Wilhelm von Miller with a discussion of the early history of plant protection in Germany.

Autoren:   Elisabeth Vaupel
Journal:   Chemie in unserer Zeit
Band:   46
Ausgabe:   6
Jahrgang:   2012
Seiten:   388
DOI:   10.1002/ciuz.201200602
Erscheinungsdatum:   06.12.2012
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