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Plastiktüte




  Plastiktüten (in Österreich: Sackerl oder Plastiksackerl, in der ehemaligen DDR: Plastetüte oder Plastebeutel) sind Tüten, die in der Regel aus Kunststofffolien, nämlich aus Polyethylen oder Polypropylen hergestellt werden.

Benutzt werden Plastiktüten meist als Einkaufsbehälter zur Verpackung und für den Transport gekaufter Waren sowie als Müllbehälter, zum Beispiel als Gelber Sack zur Sammlung der mit dem Grünen Punkt versehenen Verpackungen.

Alternativen zu Plastiktüten sind Papiertüten, Stofftaschen oder Einkaufskörbe. Der Ersatz von Plastiktüten durch diese Alternativen wurde von der Umweltbewegung propagiert, die die Plastiktüte zu einem Symbol der Wegwerfgesellschaft machte – bekannt geworden ist insbesondere der Slogan Jute statt Plastik!. Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei Plastiktüten keinesfalls um Einwegware handelt, sondern die Tüten mehrfach bis zu mehrere Jahre lang verwendet und anschließend recycelt werden können. Seit einigen Jahren gibt es gleichwertige Tüten aus Nachwachsenden Rohstoffen, in der Regel Mais- oder Kartoffelstärke. Bei gleichen Gebrauchseigenschaften haben sie Vorteile gegenüber Plastiktüten: Ihre Produktion beansprucht kaum fossile Energie, und nach Gebrauch verrottet die Tüte rückstandsfrei unter Abgabe von Kohlendioxid auf dem Komposthaufen.

In deutschen Lebensmittel-Supermärkten war es früher üblich, dass jedem Käufer ohne Nachfrage eine oder mehrere Tüten zum Einkauf dazugelegt wurden, die in den meisten Fällen auch genutzt wurden. Diese Tatsache machte die Plastiktüte zum Symbol für die Wegwerfgesellschaft und die Diskussion hierüber zeigte Wirkung. Inzwischen sind die Plastiktüten meist kostenpflichtig und der Verbrauch ging drastisch zurück. Indes ist es in Frankreich, Spanien und Polen immer noch üblich, zu einem Lebensmittelkauf kostenlos Plastiktüten zu bekommen. In den USA sind vielerorts henkellose Papiertüten im Gebrauch.

Plastiktüten dienen häufig als Werbeträger. In Deutschland sind sie meist mit farbigen Aufdrucken versehen, oftmals den Firmenlogos der entsprechenden Händler oder Produzenten. Als Symbole der Konsumgesellschaft können Plastiktüten ironisierend als Accessoires benutzt oder gar als Basis für Designer-Accessoires genommen werden.

In der DDR waren westliche Plastiktüten von offizieller Seite nicht immer gerne gesehen. Schüler wurden manchmal aufgefordert, die Tüte zu wenden, d. h. die Werbeaufschrift nach innen zu tragen.

In San Francisco wurden mittlerweile Plastiktüten per Stadtratsbeschluss verboten. Allein im Jahr 2006 waren dort 180 Millionen Plastiktüten verteilt worden.[1] In den ostafrikanischen Staaten Tansania und Ruanda sind Plastiktüten verboten, in Kenia und Uganda gilt für die dünnsten Tüten ein Verbot und für die übrigen eine erhöhte Besteuerung.[2]

Literatur

  • Karin Bartl, Raimund Bartl, Volkmar Schnöke: Plastiktüten. Kunst zum Tragen. Fackelträger, Hannover 1986, ISBN 3-7716-1469-4 (Bildband)
  • Susanne Gerber (Hrsg.): Kunst.Stoff.Tüten. Plastic bags. Ausstellungskatalog. Hatje Cantz, Ostfildern 2002, ISBN 3-7757-1203-8
  • Heinz Schmidt-Bachem: Tüten, Beutel, Tragetaschen. Zur Geschichte der Papier, Pappe und Folien verarbeitenden Industrie in Deutschland. Waxmann, Münster, 2001, ISBN 3-8309-1037-1
  • Die Plastiktüte. Kunst im Alltag - Plastiktüten aus aller Welt. Ausstellungskatalog. Oberpfälzer Volkskundemuseum, Burglengenfeld 1998
  • Herbert Cerutti: Sackstark. Statussymbol, Sexspielzeug, Umweltkiller – die Geschichte des Plasticsacks. BZZ Folio 11/2006

Einzelnachweise

  1. Badische Zeitung: San Francisco verbietet Plastiktüten, 29. März 2007
  2. BBC News: East African ban on plastics bags
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Plastiktüte aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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