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Ägyptisch Blau



Ägyptisch Blau ist ein blaues, künstliches, anorganisches Mineralpigment. Bei der mineralischen Hauptphase handelt es sich um Cuprorivait (CaCuSi4O10).

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Neuzeitliche Synonyme: Blaue Fritte, Frittenblau, Pompeijanisch Blau, Kupferblau, Kupferfritte. Kyanos (griech.) und caeruleum (lat.) sind antike Bezeichnungen für die Farbe Blau. In Ägypten wird dieses Pigment heute Nil-Blau genannt. Das farbgebende Mineral wird Cuprorivait genannt.

Ägyptisch Blau ist als grobkristallines Pigment (Korngröße ca. 80 μm) von neutralblauer, kräftiger Farbigkeit. Typisch ist der durch die schichtsilikatische Struktur hervorgerufene "Glitzereffekt". Fein gemahlene Sorten (Korngrößen kleiner als 50 μm) hellen stark auf.

Ägyptisch Blau zählt zu den ältesten, künstlich hergestellten Farbpigmenten. Eine Verwendung in Ägypten seit der 4. Dynastie (2639-2504 v. Chr.) ist durch Lucas & Harris belegt. Die Entdeckung des Pigments stand vermutlich in engem Zusammenhang mit der älteren Herstellung von farbig glasierter Keramik (ägyptische Fayence), da hierfür die selben Rohstoffe verwendet wurden.

Die Herstellung erfolgt aus den substanzbildenden Elementen Silicium und Calcium, dem färbenden Kupfer und schmelzpunktsenkenden Natrium oder Kalium als Flussmittel. Dazu wurden fein gemahlener Quarzsand und Kalkstein mit Kupfererz oder Bronzespäne und etwas Natron oder salzhaltiger Pflanzenasche versetzt und bei mindestens 870°C für mehrere Stunden gebrannt. Wichtig ist, dass das Verhältnis Kupfer zu Calcium ungefähr 1:1 beträgt, denn nur dann entsteht das kristalline Schichtsilikat Cuprorivait (CaCuSi4O10), die farbgebende Komponente des Ägyptisch-Blau-Pigments. In der Natur kommt Cuprorivait nur sehr selten vor. Bisher ist es in geringen Mengen nur in Vesuvlava nachgewiesen.

Ägyptisch Blau wurde nahezu durch alle folgenden Dynastien hinweg verwendet. Ausnahmen finden sich in den politisch unruhigen Zwischenzeiten, wo als Blaupigment Mischungen aus Ruß und Weiß nachgewiesen wurden. In der Antike verbreitet sich Ägyptisch Blau nach Mesopotamien, Griechenland sowie dem Römischen Reich und seinen Provinzen.

Literatur

  • Heinz Berke: Chemie im Altertum: die Erfindung von blauen und purpurnen Farbpigmenten (= Konstanzer Universitätsreden, 222). Univ.-Verl. Konstanz, Konstanz 2006. 52 S.
  • P. R. S. Moorey: Ancient Mesopotamian Materials and Industries. The Archaeological Evidence. Oxford 1994, S. 186–189
 
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