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Baclofen



Steckbrief
Name (INN) Baclofen
Wirkungsgruppe

Muskelrelaxans

Handelsnamen

Lioresal® (A),(CH),(D) Lioresal intrathecal® (CH)

Klassifikation
ATC-Code BX01
CAS-Nummer 1134-47-0
Verschreibungspflichtig: Ja


Fachinformation (Baclofen)
Chemische Eigenschaften

IUPAC-Name: (RS)-4-Amino-3-(4-chlorphenyl)buttersäure
Summenformel C10H12ClNO2
Molare Masse 213,66 g·mol−1

Baclofen ist ein Derivat der γ-Aminobuttersäure und ein spezifischer Agonist für den GABAB-Rezeptor von Säugetieren. Es wirkt nicht am GABA-Rezeptor der Fruchtfliege.[1][2] Es wird zur Behandlung der Spastik bei Rückenmarksverletzungen und multipler Sklerose genutzt. Seine günstigen Effekte resultieren aus seiner Wirksamkeit am Rückenmark und Synapsen im ZNS. Baclofen ist auch gut wirksam beim anhaltenden Schluckauf.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Chemisch-physikalische Eigenschaften

Baclofen ist ein weißes, geruchloses kristallines Pulver, gering wasserlöslich, sehr gering löslich in Methanol und unlöslich in Chloroform.

Darreichungsformen

Baclofen kann oral oder intrathekal (direkt in den Liquor cerebrospinalis) verabreicht werden. Die intrathekale Gabe ist bei Spastikpatienten deswegen notwendig, weil nur eine sehr geringe Menge der oral verabreichten Substanz am Wirkort an den Nerven des Rückenmarkes ankommt.

Die intrathekale Verabreichung wird vor allem bei Patienten mit multipler Sklerose gewählt, die schwere schmerzhafte Spasmen haben und die durch orales Baclofen oder andere Medikamente nicht kontrollierbar sind. Es wird eine Testdosis verabreicht, um die Wirksamkeit nachzuweisen. Falls die Testdosis erfolgreich war, wird ein Katheter intrathekal gelegt, über den eine computergesteuerte implantierte Pumpe das Medikament als Dauertherapie zuführt. Der Vorratsbehälter der Pumpe kann durch die Haut von außen wieder aufgefüllt werden. Nachteil des Pumpensystems ist ihr Preis und die aufwendige Implantation und Pflege, so dass eine strenge Patientenauswahl notwendig ist. Mittlerweile gibt es aber auch sogenannte „Gasdruckpumpen“. Vorteil dieser Gasdruckpumpen ist ihre fast völlige Wartungsfreiheit, d. h. sie müssen bei Ausfall der Batterie nicht wieder ausgewechselt werden. Nachteil ist, dass sie etwas grösser und schwerer als computergesteuerte Pumpen sind. Dies kann bei kleineren und speziell dünneren Patienten dazu führen, dass die Pumpe als Hautausstülpung von außen deutlich sichtbar ist. Der Vorteil einer deutlichen Minderung der Spastik gleicht dieses rein kosmetische Manko jedoch absolut aus. Allerdings kann es durch die oben beschriebene Hautausstülpung auch zu einer gewissen Straffung der Haut führen, was durch den therapeutischen Effekt einer solchen Pumpe aber auch mehr als ausgeglichen wird. Der Autor des Zusatzes über diese Gasdruckpumpen verbürgt sich zu 100 % für die Richtigkeit, da er sich selbst eine hohe Querschnittlähmung zugezogen hat und Träger einer solchen Gasdruckpumpe ist.

Bei der 4. Generation implantierbarer Infusionspumpen - seit kurzer Zeit verfügbar - wurden die oben beschriebenen Nachteile elimeniert. Bei dieser Gasdruckpumpe wurde auch auf die Sicherheit bei der Befüllung besonderer Wert gelegt. Bei der Befüllung wird der Arzt von einem Ortungssystem unterstützt, welches die Wiederbefüllung unerreicht komfortabel und sicher macht. Das Pumpendesign ohne "Ecken und Kanten", realisiert durch ein patentiertes Herstellungsverfahren, gewährleistet einen ausgezeichneten Tragekomfort. Die nicht erforderliche Batterie ermöglicht überdies ein geringeres Gewicht (Gasdruckpumpen der neuen Generation sind i.d.R. leichter und kleiner als Batteriepumpen).

Geschichte

Baclofen wurde ursprünglich als Medikament zur Behandlung der Epilepsie entwickelt. Es leitete sich vom Diazepam (Valium®) ab. Die antiepileptische Wirksamkeit war enttäuschend, der antispastische Effekt aber brauchbar. Baclofen wurde und wird noch immer mit wechselndem Erfolg oral verabreicht. Bei schwer kranken Kindern ist allerdings die notwendige orale Dosis so groß, dass die Nebenwirkungen die Therapie begrenzen. Wie und wann Baclofen das erste Mal intrathekal verwendet wurde ist nicht mehr genau festzustellen, aber es ist eine mittlerweile etablierte Behandlungsmethode der Spastik.

Wirkung

Baclofen wirkt an den Synapsen und Nerven des Rückenmarkes. Ohne entsprechende ständige Kontrolle aus dem Gehirn überwiegen im Rückenmark die spastischen Reflexmechanismen. Diese können bei Kranken so stark sein, dass sie aus dem Schlaf aufwachen und starke Schmerzen verspüren.

Baclofen wirkt an den Reflexbögen des Rückenmarkes. Vor allem an den sogenannten Renshaw Zellen kann es den natürlichen antispastischen Effekt der GABA nachahmen. Die notwendige Dosis des intrathekalen Baclofen ist verschieden, ist aber weitaus kleiner als die orale Dosis.

Pharmakokinetik

Die Substanz wird nach oraler Gabe schnell aufgenommen und wird im ganzen Körper verteilt. Eine Biotransformation findet kaum statt und die Substanz zum großen Teil unverändert über die Nieren ausgeschieden.

Überdosierung

Folgende Symptome einer Baclofen Überdosierung können auftreten:

  • Erbrechen
  • Schwäche
  • Schwindel
  • Atemschwäche
  • Veränderte Pupillen
  • verminderter Blutdruck (Hypotonie)
  • verminderte Herzfrequenz (Bradykardie)
  • verminderte Körpertemperatur (Hypothermie)
  • Koma

Quellen

  1. PMID 11168554
  2. PMID 12692303
  • Aufklärungsblatt zur Implantation von computergesteuerten und Gasdruckpumpen
  • Funktionsweise beider Pumpenarten mit bildlicher Darstellung
Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Baclofen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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