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Butylscopolaminiumbromid




N-Butylscopolaminiumbromid (Handelsbezeichnung: Buscopan®) ist ein halbsynthetisches Derivat des Pflanzenalkaloids Scopolamin. Dieses wird zur pharmazeutischen Herstellung aus Pflanzenteilen z. B. von Datura (Stechapfel, Engelstrompete) oder Duboisia gewonnen. Im Gegensatz zur Muttersubstanz Scopolamin durchdringt N-Butylscopolaminiumbromid üblicherweise die intakte Blut-Hirn-Schranke nicht und ruft deshalb i. A. keine zentralen Nebenwirkungen hervor.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Als hydrophile quartäre Ammoniumverbindung wird der Wirkstoff nur schlecht aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert (Resorptionsquote < 10 %).

Klinische Wirksamkeit

Trotz dieser geringen Resorptionsquote zeigt eine ganze Reihe von Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studien die therapeutische Wirksamkeit von N-Butylscopolaminiumbromid auch bei oraler und rektaler Applikation. Dies ist insbesondere für spastische Beschwerden beim Reizdarmsyndrom (Colon irritabile) gut belegt.

Für die therapeutische Wirkung im Magen-Darm-Trakt ist die systemische Resorption von untergeordneter Bedeutung, da hier ein lokaler Wirkmechanismus, ausgehend vom Lumen der Verdauungsorgane, die entscheidende Rolle spielt. Daher eignet N-Butylscopolaminiumbromid sich zur symptomatischen Behandlung leichterer spastischer Beschwerden, wie sie z. B. beim Reizdarmsyndrom auftreten.

Aufgrund der äußerst geringen Bioverfügbarkeit nach enteraler Anwendung (oral oder rektal) ist hier außerhalb des Magen-Darm-Traktes – z. B. bei Nieren- oder Gallengangskoliken – eine Wirksamkeit von N-Butylscopolaminiumbromid üblicherweise nicht zu erwarten. Demgegenüber ist nach intravenöser Injektion von N-Butylscopolaminiumbromid die Wirkung z. B. bei Gallen- und Nierenkoliken ausführlich beschrieben worden.

In der Literatur wurde beschrieben, dass die sog. „Regelschmerzen“ – häufiges Symptom von Menstruationsbeschwerden vor allem in den Tagen kurz vor dem Einsetzen der Regelblutung den Beschwerden eines Reizdarmsyndroms stark ähneln. So treten beispielsweise Blähbauch, Blähungen, krampfartige Schmerzen und leichte Verstopfung auf. Ein Behandlungsversuch mit N-Butylscopolaminiumbromid – eventuell in Kombination mit einem Schmerzmittel, um auch dem Ischämieschmerz nach dem Einsetzen der Regelblutung zu begegnen – kann daher in diesem Fall durchaus sinnvoll sein.

Siehe auch: Butylscopolamin

Literatur

  • J. Hotz et al.: Konsensusbericht: Reizdarmsyndrom – Definition, Diagnosesicherung, Pathophysiologie und Therapiemöglichkeiten – Konsensus der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. In: Z. Gastroenterol. 37. 1999, 685–700
  • A. Wichert: Reizdarmsyndrom erkennen und behandeln. In: DAZ 143(47). 2003, 1–8.
 
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