Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Einscheiben-Sicherheitsglas



    Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) besteht aus einer Glasscheibe und bietet eine erhöhte Beständigkeit gegen Temperaturwechsel sowie eine hohe Biege-, Schlag- und Stoßfestigkeit. Im Bruchfall zerbricht ESG in kleine, teilweise ineinander verhakte Bruchstücke und weist dadurch eine geringe Verletzungsgefahr auf. Es wird beispielsweise für Seiten- u. Heckscheiben von Fahrzeugen (Glasdicke von etwa 3,9 mm), Glasduschen, Ganzglasinnentüren, Lichtausschnitte und Glaswände eingesetzt. Weiterhin werden Glasplatten für hochwertige Möbel meistens aus ESG gefertigt. Es kommt auch, teilweise kombiniert mit Floatglas oder Teilvorgespanntem Glas, bei der Herstellung von Verbund-Sicherheitsglas zum Einsatz.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Im Hochsicherheitsbereich wird die Brucheigenschaft von ESG als Sicherheitsmechanismus eingesetzt: Hinter einer Stahlpanzerung befestigt, stellt das ESG ein Anbohr-Erkennungssystem dar. Das ESG ist mit verschiedenen Erkennungssystemen verbunden, die den Zustand der Glasplatte prüfen. Wird das ESG durch Anbohren oder starke Hitzeeinwirkung zerstört, bricht es in Krümel und zerfällt teilweise und zusätzliche Sicherheitsmechanismen (z. B. Relocker) werden aktiv. Dies wird besonders bei Türen hochwertiger begehbarer Tresore eingesetzt.

ESG ist bis auf die je nach Sichtwinkel kaum erkennbaren Spannungsfelder optisch nicht von normalem, nicht vorgespanntem Glas zu unterscheiden, trägt aber im Regelfall in einer Ecke einen Ätzstempel mit dem Aufdruck „ESG“. Außerdem kann ESG nach dem Vorspannen nicht mehr bearbeitet werden; ein Versuch die Scheibe zu schneiden oder zu bohren würde zur Zerstörung der Scheibe führen.

Die erhöhten Festigkeiten entstehen durch den Vorspannprozess. Dabei wird Floatglas im Vorspannofen unter ständiger Bewegung auf knapp 620 °C erhitzt und anschließend mit kalter Luft abgeschreckt. Beim Abkühlen erkalten die Oberflächen schneller als die Kernzone, wodurch sich im Glas Zonen unterschiedlicher Spannung ausbilden, die dem Glas seine charakteristischen Eigenschaften verleihen.

Einscheiben-Sicherheitsglas wurde um das Jahr 1933 durch die Glaswerke Herzogenrath bei Aachen unter dem Namen Sekurit vorgestellt.

Bei einem geringen Teil der ESG-Scheiben kommt es, vorwiegend im ersten Jahr nach der Fertigung, durch korrodierende Nickelsulfideinschlüsse zum Spontanbruch. Durch gezieltes Fördern der Korrosion bei einem sogenannten Heißlagerungstest (engl. heat soak test) kommt es bei entsprechenden Scheiben schon vor Auslieferung zum Bruch. Bei diesem Test muss das bereits vorgespannte ESG auf eine definierte Temperatur aufgeheizt werden und für eine bestimmte Zeitspanne auf diesem Temperaturniveau gehalten werden. DIN 18516 Teil 4 schreibt hier eine Haltezeit von acht Stunden bei einer mittleren Ofentemperatur von 290 °C (± 10 °C) vor, die Baurregelliste A, Teil 1, 11.4.2 weicht von der DIN etwas ab und schreibt unter anderem eine Haltezeit von vier Stunden vor. Glas, das diesen Test bestanden hat, trägt dann die Bezeichnung ESG-H.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Einscheiben-Sicherheitsglas aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.