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Galaktosämie



Galaktosämie (gr. Äma: Blut) ist eine seltene angeborene Stoffwechselstörung bei der sich zu viel Galaktose (ein Zucker) im Blut befindet.
Es handelt sich um eine Mutation des sogenannten GALT-Gens die autosomal-rezessiv vererbt wird. Das GALT-Gen liegt auf dem 9. Chromosom. Galaktosämie tritt weltweit etwa bei einem von 40.000 Neugeborenen auf und wurde zuerst 1917 durch Friedrich Goppert (1870-1927) beschrieben.
Die klassische Galaktosämie ist durch das teilweise oder vollständige Fehlen des Enzyms Galaktose-1-Phosphat-Uridyl-Transferase (= Galaktosetransferase, Abk.: GALT), welches eine wichtige Rolle im Galaktosestoffwechsel innehat, gekennzeichnet. Durch den Enzym-Mangel erfolgt eine Anreicherung von Galaktose und Galaktose-1-Phosphat in den Zellen.

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Inhaltsverzeichnis

Untersuchung

Die Untersuchung auf Vorliegen einer Galaktosämie wird in Deutschland seit mehr als 30 Jahren im Rahmen des Neugeborenenscreening am dritten Lebenstag vorgenommen. Für diese Untersuchung wird dem Kind ein Tropfen Blut an der Ferse entnommen und in ein Speziallabor geschickt, wo die Galaktose im getrockneten Blut gemessen wird (Beutler-Test).

Symptome

Die Neugeborenen werden ab dem 2.–3. Lebenstag trinkschwach, beginnen zu erbrechen und weisen einen starken Ikterus auf. Sie wirken septisch und leiden zudem gehäuft an einer E.coli-Sepsis. Falls die Milchernährung fortgeführt wird, kommt es zu einer Verstärkung der schweren Leberfunktionsstörung mit den laborchemischen Zeichen einer ausgeprägten Hyperbilirubinämie (Bilirubin > 20 mg/dl mit Überwiegen des konjugierten, direkten Bilirubins), einer Gerinnungsstörung (Quick-Wert < 10%, Antithrombin III <10%)und eines Transaminasenanstiegs ( GOT, GPT ca. 100-300 U/l). Klinisch bluten die Kinder verlängert aus den Einstichkanälen, die Augenlinsen trüben sich (Grauer Star). Ihre Apathie nimmt zu, sie verfallen und versterben schließlich im Leberkoma.

Wird diese kritische Phase im Neugeborenenalter ohne Diagnosestellung überlebt, kann es bei ca. 40% der Fälle zu

  • Störungen in der geistigen Entwicklung (Intelligenzminderung),
  • Konzentrationsstörungen,
  • zu Erblindung (heute selten),
  • Verzögerungen in der körperlichen Entwicklung (Motorik, Pubertät),
  • bei Mädchen zu einer Fehlfunktion der Eierstöcke durch Hormonmangel in der Pubertät (80% der Fälle)

kommen.

Therapie

Die Therapie besteht in galaktosefreier Diät. Lebensmittel mit hohem Galaktoseanteil sind. z.B. Milch und Milchprodukte. Für Neugeborene bedeutet dies den Verzicht auf Muttermilch und herkömmliche Säuglingsnahrung, die in Form von Laktose auch Galaktose enthält. Säuglingsnahrungen auf Sojabasis verzichten auf Laktose.
In Hülsenfrüchten (Nüsse, Erbsen) sind Stoffe enthalten, die im Darm in Galaktose zersetzt werden können; in Obst und Gemüse kommt Galaktose in freier Form vor. Aber auch bei Körperpflegemitteln wie Cremes, Seifen, Zahnpasten ist oft Laktose enthalten, und es sollte auf die Angabe der Inhaltsstoffe geachtet werden.
Doch selbst bei vollständigem Galaktoseverzicht sind Entwicklungsstörungen nicht immer vollständig zu vermeiden, weil Galaktose auch im Körper synthetisiert (erzeugt) wird.

Varianten

Die GALT ist nur eines von drei Enzymen, die am Abbau der Galaktose beteiligt sind. Aber nur der GALT-Mangel führt zur Galaktosämie. Auch die GAL-Kinase (GALK) und die GAL-Epimerase (GALE) sind für den Galaktosestoffwechsel wichtig.

Und so wie die GALT können auch GALK oder GALE bei Menschen in zu geringer Menge vorhanden sein. Sie führen jedoch nicht zu einem Krankheitsbild wie bei der Galaktosämie. Dennoch werden sie - vermutlich weil sie den Abbau der Galaktose betreffen - oft ebenfalls zur Galaktosämie gezählt. Diese Zuordnung ist nicht ganz richtig und hat vor Jahren schon dazu geführt, dass man für den GALT-Mangel den Begriff "klassische Galaktosämie" eingeführt hat. Um die Abgrenzung zu ermöglichen, soll im folgenden kurz auf den GALK- und den GALE-Mangel eingegangen werden.

D2G-Galaktosämievariante

Zehn mal häufiger als die klassische Galaktosämie kommt die sog. D2G-Variante vor, es sind also etwa 200 Neugeborene jährlich in Deutschland mit dieser Variante zu erwarten im Vergleich zu 20 Kindern mit klassischer Galaktosämie. Diese Kinder haben von einem Elternteil die sog Duarte 2 (D2) Variante mit ca. 25 % GALT-Aktivität, vom anderen Elternteil das klassische G.- Gen mit 0 % Aktivität ererbt. Der Galaktose-1-Phosphatwert im Neugeborenenscreening ist normal bis 0,3 mg/dl, Kinder mit klassischer G. weisen Blutkonzentrationen zwischen 30 und 40 mg/dl auf , die Träger der D2G-Variante zwischen 1 und 6 mg/dl. Diese Kinder entwickeln sich auch unter einer galaktosehaltigen Kost normal, zeigen keine Auffälligkeiten der Leberfunktion oder der Intelligenzentwicklung.Sie können i. d. R. normal gestillt werden, nur bei einem Galaktosewert über 5 mg/dl sollte vorübergehend auf Zwiemilchernährung unter Beifütterung einer galaktosefreien Sojamilch für 4 bis 6 Monate umgestellt werden.

Galaktokinasemangel

Galaktokinasemangel kommt wesentlich seltener vor als die klassische Galaktosämie (1:150000 bis 1:1000000). Die Symptome sind bei weitem nicht so vielfältig wie beim GALT-Mangel. Das einzige typische Merkmal des GALK-Mangels ist - bei ausbleibender oder zu später Behandlung - eine meist beidseitige Trübung der Augenlinse. Der GALK-Mangel wird ebenfalls meist schon im Neugeborenen-Screening entdeckt, so dass diese Augenschädigung in der Regel vermieden werden kann. Sollte es bereits zu einer Trübung der Linse gekommen sein, so ist sie häufig umkehrbar, wenn die Behandlung konsequent durchgeführt wird. Menschen mit GALK-Mangel müssen dazu aber genauso eine galaktosearme Diät einhalten wie Patienten mit GALT-Mangel.

UDP-Galaktose-4-Epimerase-Mangel

Beim GALE-Mangel fehlt das Enzym Galaktose-4-Epimerase, abgekürzt GALE, und auch hier kann die Galaktose nicht vollständig in Glukose umgewandelt werden. Die Störung ist aber nicht so schwerwiegend, weil es u.a. nicht zur Bildung bzw. Freisetzung von körpereigener Galaktose kommt. Zwei Formen des GALE-Mangels muss man voneinander trennen:

1. Einerseits kann der Enzymmangel lediglich in den roten Blutkörperchen vorkommen. Diese Form des GALE-Mangels wird auch als periphere Form bezeichnet. Menschen mit peripherem GALE-Mangel sind eigentlich gar nicht krank, und sie müssen auch keine galaktosearme Diät einhalten.

2. Betrifft der Enzymmangel aber nicht nur die roten Blutkörperchen, sondern auch andere Zellen und Gewebe des Körpers, so spricht man einem zentralen GALE-Mangel. Menschen mit zentralem GALE-Mangel müssen eine galaktosearme Diät einhalten, wie es Patienten mit GALT-Mangel tun müssen. Diese Form des GALE-Mangels ist aber extrem selten und wurde bis vor kurzem nur bei weniger als zehn Patienten auf der Welt gefunden.

Siehe auch

Literatur

  • Goppert F. Galaktosurie nach Milchzuckergabe bei angeborenem, familiärem chronischem Leberleiden. Klinische Wochenschrift 1917;54:473-477.


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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Galaktosämie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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