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Henri Nestlé



  Henri Nestlé, bis 1839 Heinrich Nestle, (* 10. August 1814 in Frankfurt am Main, † 7. Juli 1890 in Glion, VD, Schweiz) war ein Schweizer Unternehmer und Industrieller deutscher Herkunft.

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Inhaltsverzeichnis

Leben

Heinrich Nestle wurde am 10. August 1814 in Frankfurt am Main als Sohn des Glasermeisters Johann Ulrich Mathias Nestle und der Anna Maria Catharina geb. Ehemann geboren. Der spätere Bürgermeister von Frankfurt am Main Gustav Edmund Nestle war sein Bruder.

Die Familie Nestlin, Nästlin bzw. Nestle stammt ursprünglich aus dem süddeutschen, schwäbischen Raum und war dort vorzugsweise in den Gemeinden Dornstetten, Freudenstadt, Mindersbach, Nagold und Sulz am Neckar ansässig.

Die Stammväter der Familie waren 3 Brüder (siehe Familienwappen mit 3 Jungvögeln) aus Mindersbach bei Nagold mit den Namen Hans, Heinrich und Samuel Nestlin. Der älteste (Hans) wurde 1520 geboren. Er hatte einen Sohn gleichen Namens, der später Bürgermeister von Nagold war. Sein Sohn Ulrich war Bader und dessen fünfter Sohn Johann Jacob der erste Glaser in der Familie. Über 5 Generationen ging dieser Beruf dann vom Vater auf den oder einen der Söhne über. Darüber hinaus stellten die Nestles mehrere Bürgermeister in den Gemeinden Dornstetten, Freudenstadt, Nagold und Sulz am Neckar. (siehe Stammbaum der Familie Nestle, herausgegeben von Horst W. Nestle, Stuttgart.)

Seine Apothekerlehre absolvierte Nestlé in Frankfurt in der Apotheke An der Brücke bei J. E. Stein. Anschließend ging er auf Wanderschaft, wie es zu jener Zeit für Gesellen vorgeschrieben war. Während seiner Ausbildung hatte er Kontakte zur Opposition und war deswegen Repressalien ausgesetzt.

Mit der Auswanderung nach Vevey in die französische Schweiz 1839 änderte Heinrich Nestle seinen Namen in Henri Nestlé.

Dort hatte er eine Anstellung beim Stadtapotheker M. Nicollier, der ihn nach Kräften förderte. 1843 konnte Nestlé deswegen mit der Unterstützung seines Meisters und finanzieller Hilfe seiner Familie eine Mühle mit angeschlossener Brennerei erwerben. Hier begann er Essig, Knochenmehl, Likör und Öl herzustellen. Nebenbei versuchte er sich auch in der Senf- und Mineralwasserproduktion.

1849 richtete sich Nestlé ein kleines Laboratorium ein und versuchte, nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Mineraldünger und ein Flüssiggas aus Pflanzenöl zu produzieren. In den Jahren 1858 bis 1862 verkaufte er dieses Gas der Stadtverwaltung Vevey als Straßenbeleuchtung. In dieser Zeit handelte er auch mit Petroleum und Petroleumlampen.

1857 kam es zu finanziellen Schwierigkeiten der "Fa. Nestlé", u.a. deshalb, weil Vevey von Flüssiggas auf Steinkohlegas umstellte. Auf der Suche nach neuen Geschäftsideen kam Nestlé auf die künstliche Säuglingsnahrung. Erste Versuche der Herstellung von Muttermilchersatz waren nicht recht erfolgreich. 1860, während eines Aufenthaltes in seiner Geburtsstadt, heiratete Henri Nestlé die Frankfurterin Clementine Therese Ehemant, die nach ihrer Ankunft in Vevey ebenfalls ihren Namen umnannte und sich fortan Ehmant schrieb. Das Ehepaar blieb kinderlos und nahm das Waisenkind Emma Seiler, genannt Emma Nestlé, zu sich auf. [1]

Erst als Justus von Liebig im Jahre 1865 die Muttermilch vollständig analysiert hatte, konnte Nestlé darauf aufbauen und 1867 sein Milchpulver entwickeln.

Unter dem Namen Henri Nestlé's Kindermehl kam es auf den Markt und wurde ein Erfolg, da Nestlé kostengünstiger produzieren konnte. In den folgenden Monaten wurde die "Fa. Nestlé" umgerüstet, um die Massenproduktion zu bewältigen. 1874 begann sich Nestlé aus seiner Firma, die in jenem Jahr einen Nettogewinn von 400.000 Franken aufwies, zurückzuziehen. 1875 verkaufte er die ganze Firma an seine Geschäftsfreunde Gustav Marquis, Jules Monnerat und Pierre-Samuel Roussy.

Ab diesem Jahr lebte Nestlé mit seiner Familie abwechselnd in Montreux und Glion. Im Alter von 76 Jahren starb Henri Nestlé-Ehmant am 7. Juli 1890 in Glion (VD).

Die inzwischen weltweit agierende Fa. Nestlé gehört heute zu den größten und kommerziell erfolgreichsten Unternehmen im Nahrungsmittelbereich.

Der Dokumentarfilm "Flaschenkinder" (1975) von Peter Krieg war viele Jahre lang für das Unternehmen ein konstantes Ärgernis. Der Film prangerte die Auswirkungen der Propagierung künstlicher Säuglingsnahrung durch multinationale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé in Ländern der "Dritten Welt" an und wurde in vielen Ländern ein Hauptinstrument entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, bis hin zu Boykottkampagnen gegen die Milchmultis.

Werke

  • Memorial on the food nutrition of infants (1869)

Einzelnachweise

  1. http://www.nestle.de/Home/Unternehmen/Geschichte/PortraetHenriNestle/?sid=a3811afe-6630-4af5-8c83-5dc0cc9b1c6b Unternehmensgeschichte Nestlé - Der Mann, der Nestlé seinen Namen gab]

Literatur

  • Nestle, H. W.: Die Familie Nestle, einschl. Stammbaum der Familie. Stuttgart 1976
  • Pfiffner, A.: Henri Nestlé: Vom Frankfurter Apothekergehilfen zum Schweizer Pionierunternehmer. Zürich, 1993
  • Alex Capus: Patriarchen, Albrecht Knaus-Verlag, München 2006. ISBN 3-813502-73-2.
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Henri_Nestlé aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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