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Hormesis



Hormesis (griech.: "Anregung, Anstoß", englisch: Adaptive Response) heißt der schon von Paracelsus formulierte biologische Effekt, dass geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. Bei medizinisch wirksamen Substanzen ist ein solcher dosisabhängiger Umkehreffekt gut nachweisbar (z.B. Digitalis, Colchicin, Opium). Hormetische Effekte zeichnen sich durch eine J- oder U-förmige Dosis-Wirkungs-Kurve aus.

Hormetische Effekte werden in der Regel dadurch erklärt, dass niedrige Dosen von schädlichen Substanzen die körpereigenen Abwehrkräfte stärken. Dies ist in gewisser Weise verwandt mit dem Prinzip der Abhärtung.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Strahlenhormesis

Stark umstritten ist dagegen ein hormetischer Effekt von ionisierender Strahlung (Radioaktivität). Hier wird auch von Strahlenhormesis gesprochen. Es konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass geringe auf den menschlichen Körper einwirkende Strahlendosen einen biopositiven Einfluss haben, auch wenn solche Hypothesen eine gewisse Tradition und Verbreitung haben. So soll zum Beispiel das Einatmen von radioaktivem Radon oder das Trinken von radonhaltigem Wasser (Radonbalneologie) das Immunsystem stimulieren und die Gesundheit fördern. Fachleute für Strahlenschutz gehen dagegen konservativ (im Sinne von "zur sicheren Seite hin") von einer linearen Dosis-Wirkungs-Kurve ohne Schwellenwert, und somit Schädigungspotential auch bei beliebig niedrigen Strahlendosen, aus.

Mitohormesis

Mitohormesis wird ein biochemischer Prozess genannt, bei welchem die Aktivierung von Mitochondrien zu einer Vermehrung von freien Radikalen in der Zelle führt, welche letztlich zu einer Aktivierung der zelleigenen Abwehr gegen Sauerstoffradikale führt. Das Konzept der Mitohormesis wurde kürzlich durch Michael Ristow bewiesen.

Verwandte Konzepte

  • Immunstimulantien (z.B. Echinacea-Produkte) sollen - ohne im Sinn einer Impfung zu wirken - das Immunsystem des Körpers unspezifisch ankurbeln, um so Infektionen abzuwehren. Dies ist eine hormetische Wirkung im engeren Sinn, die Effekte sind jedoch meist nicht wissenschaftlich sicher belegt.
  • Die Homöopathie verwendet Giftstoffe in extrem verdünnter Form als Heilmittel gegen Krankheiten, die dieselben Symptome aufweisen. Dies ist im hormetischen Sinn als Wirkung einer überschiessenden Antwort des Körpers auf den Reiz des Medikaments zu deuten. In der Praxis werden jedoch oft so hohe "Potenzierungen" (Verdünnungen) verwendet, dass kaum noch ein Molekül des ursprünglichen Stoffes in einer Medikamentendosis enthalten ist. Die etwaige Wirkung wird von Verfechtern der Homöopathie deshalb einer eher esoterischen "Gedächtnisfähigkeit" des Verdünnungsmediums zugeschrieben. Kritiker schreiben die Effekte dem Placeboeffekt zu.

Zitat

„All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

Paracelsus

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hormesis aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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