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Nativ-Gelelektrophorese



Nativ-Gelelektrophorese (CN-PAGE) (engl. colorless native polyacrylamide gel electrophoresis) ist eine Variante der Gelelektrophorese, bei der native, also gefaltete Proteine im elektrischen Feld durch das Molekularsieb eines Polyacrylamid-Gels aufgetrennt werden.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Bei der Gelelektrophorese unter nativen Bedingungen geht es darum, die physiologischen Eigenschaften der aufzutrennenden Proteine zu erhalten. Dies kann mehrere Gründe haben, beispielsweise

  • um Proteine aufzutrennen, die sich mit anderen Elektrophoreseverfahren nicht trennen lassen, wie phosphorylierte und nicht phosphorylierte Varianten desselben Proteins
  • um biologisch relevante Konformationen aufzuzeigen, wie bei Proteinen, die als Monomere, Dimere, Trimere, Tetramere etc. auftreten können
  • um Komplexbildung verschiedener Proteine nachzuweisen

Durchführung

Anders als bei der SDS-PAGE (bei der Proteine mit SDS vollständig denaturiert und ihnen eine hohe Konzentration von negativen Ladungen angehängt wird), ist die Gelelektrophorese unter nativen Bedingungen auf die bestehenden Ladungen des Proteins angewiesen. Daher hängt die Wahl des Puffersystems vom isoelektrischen Punkt des Proteins ab. Ein Protein mit einem pI-Wert von 6,2 ist in einem Puffer mit pH 7 schwach negativ geladen und wandert daher im elektrischen Feld langsamer zur Anode als ein anderes Protein von pI 5. Stark basische Proteine (mit pI-Wert über 8) können in neutralen Puffern aufgetrennt werden, indem man Anode und Kathode vertauscht.

Neben der Ladung der Proteine beeinflussen auch ihre Größe und Form die Wandereigenschaften. Um diese Faktoren zu minimieren verwendet man häufig Polyacrylamidgele von niedriger Konzentration und Vernetzung, was andererseits ihre mechanische Stabilität verringert und die Handhabung erschwert.

Um die aufzutrennenden Proteine gefaltet zu halten müssen der Puffer an die Erfordernisse der Proteine angepasst werden (reduzierende Agens etc.) und gegebenenfalls Kofaktoren (Nukleotide, Kationen etc.), die für Stabilität und Aktivität erforderlich sind, mit in den Puffer oder sogar in das Gel gegeben werden.

Da bei der Gelelektrophorese Wärme entsteht und da die Wärmemenge vom Puffersystem abhängt, muss normalerweise unter Kühlung gearbeitet und die genauen Elektrophoresebedingungen sorgfältig ausgetestet werden.

Literatur

  • Schägger H. and von Jagow, G. (1991). Blue native electrophoresis for isolation of membrane protein complexes in enzymatically active form. Anal. Biochem. 199, 223-231. PMID 1812789
  • Schägger H, et al. (1994). Analysis of molecular masses and oligomeric states of protein complexes by blue native electrophoresis and isolation of membrane protein complexes by two-dimensional native electrophoresis. Anal. Biochem. 217, 220-30. PMID 8203750
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Nativ-Gelelektrophorese aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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