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Wäscheblau



Wäscheblau ( Waschblau oder auch Neublau) sind optische Aufheller für Textilien. Früher (ca. 1840 bis 1950) wurden beim Waschen sogenanntes Waschblau in Form von Tabletten, Pulver, Papierstreifen oder Paste (5–10 g auf 5 kg Wäsche) mitgekocht. Diese verdeckten den leichten Grauschleier, der durch Ablagerungen von Kalkseife entstand. Somit wurde der Wäsche ein leichter Blaustich verabreicht. Dieser Blaustich verdeckte ebenso die leicht gelbliche Verfärbung, die Baumwoll- und Leinenstoffe, sowie Gardinen im Laufe der Zeit bekamen, wodurch sie wieder weiß erschienen.

Die physikalische Wirkungsweise ist einfach und beruht auf den Farbgesetzen der Optik (Komplementärfarben). Ultramarinblau ist die Gegenfarbe (Komplementärfarbe) zu jenem leichten Gelb, das insbesondere auf älterer Weißwäsche durch die Kalkseifen entsteht(auch als "Wäsche Gilb" bezeichnet). Der blaue Farbstoff hebt den Gelbton infolge Komplementärfarbenwirkung auf. Der Stoff erscheint dadurch wieder weiß.

Weil das menschliche Auge leichte Blaunuancen als hell empfindet, erscheinen „gebläute Weißnuancen“ weißer als unbehandelte. Die Tabletten bzw. Pulver bestanden im Wesentlichen aus gepresstem Stärkemehl, das mit dem Farbstoff Ultramarin, seltener auch Indigocarmin, andere Teerfarbstoffe oder Berliner Blau gemischt war. Diese Farbstoffe sind gut wasserlöslich und können daher auch gut ausgewaschen werden. Zu hohe Konzentrationen dieses Farbstoffs führen aber zu einer Verfärbung, die mit Zitronensäure jedoch wieder beseitigt werden kann. Vorteil all dieser Farbstoffes ist, dass sie Stofffasern nicht angreifen.

Wäscheblau wurde seit seiner künstlichen, industriellen Herstellung um das Jahr 1840 bis ungefähr 1950 in großen Mengen zur Wäschepflege genutzt. In der Zeit von 1911 bis ca. 1930 wurde empfohlen, zur Desinfektion 2% Phenol zuzusetzen. Auch heute noch wird dieses Produkt in Sachsen hergestellt und vertrieben. In modernen Waschmitteln sind optische Aufheller für die Weißtönung der Wäsche zuständig.

Auszüge aus Herstellungsanleitungen für Drogisten:

Waschblaupapier:

nach W.Stein, Polyt. Zentralblatt von 1868, S.190

Bestreichen von Papierstreifen mit Indigocarmin oder Ultramarin in einer Lösung von 1 Teil Carrageen und 40 Teilen Wasser als Bindemittel.

Waschblaukugeln:

nach Zeitschrift "Farbe und Lack" von 1912, S.378 

100 kg Ultramarin mit einer Lösung aus 6 kg Gummi arabicum, 6 kg Traubenzucker, 7 kg Dextrin und 20 kg Kartoffelstärke verreiben, bis man eine kittartige Masse bekommt, die in Kugeln oder Stäben geformt in den Trockenschrank kommt und soweit getrocknet wird, das die Stücke beim aneinanderschlagen klingen.

Waschblautabletten, schäumend

nach D.R.P. 12 810 & F.P. 457 884

Man presst ein Gemenge von Ultramarin mit Natriumcarbonat und Weinsteisäure unter Zusatz von Talkum in Formen.

Musterstück von 1950, Hersteller unbekannt, 17 mm Durchmesser, 3 mm Dicke, 1,5 gr. Gewicht, Farbe schwarzblau. --Meierkimm 12:46, 27. Nov. 2007 (CET)

Literatur:

Handbuch der Drogisten-Praxis Band I, G.A. Buchheister, 4.Aufl. Verlag von Julius Springer,1895

Vorschriftenbuch für Drogisten Band II, Buchh./Ottersbach, 11. Aufl. Springer Verlag Berlin,1933

Chemisch-Technische Vorschriften, Dr. O.Lange, Verlag Spamer Leipzig, 1916

Weblinks

Museum historische Waschtechnik Münsterland

Wäschepflegemuseum Österreich

Farbpigmente zu Malzwecken

Ostprodukte (Waschblau-Produkte)

Manufactum (Waschblau-Produkte)

 
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