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Weinglas



    Ein Weinglas ist ein Trinkgefäß aus Glas für Wein. Es soll dem Weinkonsumenten ermöglichen, Wein zu beurteilen und zu genießen.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Form

Ein Weinglas besteht aus dem Kelch, also dem oberen Teil, in den der Wein eingefüllt wird, aus dem Stiel und aus einem Fuß zum Abstellen.

Damit man Farbe und Reinheit des Weins beurteilen kann, sollte der Kelch aus dünnem Glas sein.

Weingläser gibt es in unterschiedlichen Größen, beginnend bei einem Aperitif-Glas für 0,1 Liter Sherry bis hin zu großen Kelchen für schwere Burgunderweine, die mehr als einen halben Liter fassen.

Weingläser gibt es in unterschiedlichen Formen:

  • flach, wie Sekt-Schalen (nicht zu empfehlen, da Sekt oder Champagner hieraus zu leicht herausspritzt, und zudem die Perlage leidet, das genussvolle Betrachten der Kohlensäure-Bläschen).
  • rund- oder schlankbauchig (die zu empfehlende Normalform)
  • hoch geschlossen (zur besonderen Sensibilisierung der Nase)
  • der Römerkelch (geringelter Fuß und Stiel, oft in grünem Glas), Sinnbild urdeutscher Weingemütlichkeit, jedoch zum Weingenuss nicht zu empfehlen, da dicke Glaswandungen und Verzierungen einen klaren Durchblick durch den Wein erschweren sowie die Temperierung des Weines verzögern.

Herstellung

Weingläser werden heutzutage zumeist maschinell hergestellt.

In Blasformmaschinen wird ein end-verschlossenes, bis zur Formungstemperatur erhitztes Glasrohr in eine teilbare Form geführt und die Form mittels Pressluft-Druck am kalten Rohrende von innen ausgefüllt, aufgeblasen. Die Wandstärke verringert sich hierbei mit zunehmendem Durchmesser, denn das Volumen bzw. die Masse an Glasschmelze ist konstant. Die Form teilt sich, das heiße, maschinengeblasene Glas wird entnommen. Der verbleibende Oberballon wird durch Einritzen ringsum angebrochen und abgeschlagen. Der vom Abschlagen scharfe Rand wird umgeschmolzen und so entgratet.

Diese maschinelle Herstellungstechnik ist zuallermeist an ihren Längsnähten entlang des Stieles und des Fußes erkennbar; meist nur im Kelchbereich / Sichtbereich wird die Wanddicke der Naht durch eine Nachschmelze vergleichmäßigt.

Handwerklich wird ein Weinglas ebenso per Druck und Blasen hergestellt, jedoch von einem Glasbläser an der sogenannten Glasmacherpfeife. Ohne eine Form für die Außenkontur obliegt es dem Geschick und der Erfahrung des Glasbläsers, über eine gezielte Erhitzung und den Druckaufbau per Mund den Kelch zu formen. Diese Herstellungstechnik des Mund-Blasens ist wesentlich aufwändiger und erzeugt mehr Ausschuss. Daher sind mundgeblasene Gläser wesentlich teurer. Ebenso spielen die Material-Einsatzkosten eine große Rolle: Die üblichen Bleikristall-Gläser sind bereits zur Materialgewinnung erheblich aufwändiger.

Weingläser werden von vielen Firmen hergestellt. Die Preise für Weingläser reichen von wenigen Cent bis hin zu über 50 Euro für ein großes Burgunderglas.

Siehe auch: Glas-Herstellung.

Handhabung und Beschaffenheit von Weingläsern

Fehler bei Weingläsern

Eine Besonderheit von Weingläsern sind die Schaumweingläser. Hier sind die meisten Fehlentwicklungen zu beobachten wie flache Schalen, aus denen die Kohlensäure zu schnell entweicht. Schaumwein perlt zwar stets, auch wenn der kleine Störungs-Punkt fehlt, an dem sich die Kohlensäure sammelt. Jedoch wird auf die gezielte Perlage bei hochwertigen Schaumweinen seitens der Liebhaber Wert gelegt: Das Strömen der Kohlensäure-Perlen als feine Kette, ausgehend von einem Punkt.

Sich nach oben öffnende Gläser haben den grundliegenden Nachteil, dass beim ungestümen Schwenken der Wein leicht herausgeschleudert werden kann. Auch ein Schaumwein sollte daher ein Glas bekommen, das sich nach oben hin ein wenig verengt. Das ist der Nachteil von konisch sich öffnenden Sektflöten.

Benutzung der Weingläser

Weingläser sollten höchstens halb gefüllt werden, auch in der Gastronomie: Anstatt ein gut gefülltes Glas zu erwarten, sollte der Wein in einem Krug oder besser noch in einer Karaffe serviert werden. Das Bouquet kann sich nur in einem Glas, in dem genug Luftraum über dem Weinpegel ist, gut ausbreiten, und eine Beurteilung des Inhalts wird leichter möglich.

Das Glas wird geschwenkt, also mit leicht kreisenden Bewegungen der vertikalen Achse in Bewegung versetzt, um den Wein die obere freie Glasfläche innen im Kelch benetzen zu lassen. An dieser ablüftenden Glasfläche kann dann die Nase genommen werden, der Geruchseindruck vom Wein. Ein zu volles Glas hat zu wenig freie Glasfläche, der Wein hat zu geringen Luftaustausch im Glas, worunter der Naseneindruck leidet.

Auch dem Glasrand wird ein gewisser Einfluss auf das Geschmackserlebnis zugemessen: Er soll dünn und perfekt geschliffen sein, aber auch nicht zu dick gerundet (Rollrand). Der Rand soll dem Wein bei der Aufnahme in den Mund das schnelle, leichte, gleichmäßige Benetzen der Zungenoberfläche ermöglichen. Dieses soll möglichst mit einem kleinen Schluck dosierbar sein, damit man von dem Wein lange Genuss hat.

Glasformen und ihre Funktionen

Die Zunge ist auf ihrer Oberfläche in Regionen des Geschmacksempfindens eingeteilt: Vorn an der Zungenspitze wird Süße erschmeckt, seitlich vorn Säure, und seitlich weiter hinten Bitterstoffe. Das perfekte Weinglas leitet den Wein auf die je nach Rebsorte optimale Zone der Zunge, wo der erste Geschmackseindruck stattfindet. Dieser erste Geschmackseindruck ist vorherrschend und kann auch durch Bewegen des Weines in der Mundhöhle nicht verändert werden. Insofern ist die Glasform essentiell für den Weingenuss. Diese Zusammenhänge von Glasform und Geschmackswahrnehmung erkannte der österreichische Glasdesigner Prof. Claus Josef Riedel (1925-2004) als erster und setzte sie um in eine revolutionäre Glasserie „Sommeliers“. Diese Serie wurde die Urmutter aller „weingerechten“ Gläser, wird mittlerweile weltweit anerkannt und vielfach imitiert.

Ein Bleikristallglas bietet durch die offenporigere Materialbeschaffenheit dem Wein eine größere Benetzungsoberfläche und lässt ihn stärker als bei Kristallgläsern an der Glaswand haften. Dies spielt für die Wahrnehmung durch die Nase eine merkliche Rolle: Der Wein dampft an der Glaswandung eines Bleikristallglases intensiver ab.

Weingläser sollten möglichst eine glatte Oberfläche haben, um den Durchblick zu gestatten. Schliffe und Gravuren sind hinderlich, allenfalls kleine Beschriftungen sind hinzunehmen.

Bei Sekt- und Champagnergläsern wird in der Produktion innen ein kleiner Fehler, ein Störpunkt bewusst erzeugt: Ein angegossener Punkt oder eine angeschliffene Stelle abseits der Mittelachse. An dieser Stelle setzen sich die Kohlensäure-Bläschen ab und zeigen die aufsteigende Schnur der Perlage des Schaumweines.

Probengläser können eine oder zwei Markierungen für die Füllmengen 0,1 und 0,05 Liter zeigen: Aus einer Normalflasche (0,7 oder 0,75 Liter) lassen sich dann sieben oder aber 15 gleichgroße Proben-Portionen ausschenken.

Zur Verkostung existieren spezielle Weingläser. Das berühmteste unter ihnen ist französischen Ursprungs und trägt den Namen l'Impitoyable, das Unbestechliche. Der Kelch dieses Glases ist so eng geschlossen und spitz fokussiert, dass die Gasmoleküle des Weines förmlich gebündelt in die Nase schießen. Kein eventueller Weinfehler bleibt da dem Fachmann unentdeckt.

Temperatur der Weingläser

Weingläser sollten grob die Temperatur haben, die auch für den Wein richtig erscheint: Etwa 8 bis 10 Grad für Weißwein, und 15 bis 17 Grad für Rotwein. Die Glas-Wandungen dürfen zumindest nicht dermaßen dick sein, dass die zu tiefen oder zu hohen Temperaturen des Weinglases sich auf den Wein übertragen. Weder sollte ein Weinglas aus der prallen Sonne entnommen werden, noch sollte es aus der Kühlung genommen werden. In erstem Fall wird der Wein zu warm werden; im letzterem Fall beschlägt das Glas, sodass die Beurteilung des Weines durch das Auge darunter leiden kann.

Spülung

Weingläser werden warm mit wenig Spülmittel gespült, mit warmem klaren Wasser von den Resten des Spülmittels befreit und sodann mit einem sauberen Leinentuch oder einem Mikrofasertuch abgetrocknet. Zuletzt stellt man sie – am besten mit der Öffnung nach unten, gegen Staubeinwirkung, – in einen sauberen Schrank.

Lagerung

Da sich Ausdünstungen eines Holzschrankes im Glas festsetzen können, empfiehlt es sich, entsprechend gelagerte Gläser vor dem Genuss mit kaltem Wasser zu spülen und dann zu avinieren, also kurz mit Wein auszuschwenken.

Ein typischer Fehler bei der Handhabung von Weingläsern ist auch das Abstellen in muffigen Schränken oder Räumlichkeiten, zum Beispiel in Aufenthaltsräumen des Gastronomie-Personals, in denen geraucht wird. Bei staubigen, unsauberen Gläsern oder Gläsern mit Raucharomen oder Spülmittelresten wird der Weingenießer Einbuße leiden und protestieren.

Siehe auch

  • Sekt- oder Champagnerglas
  • Römer (Glas)
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Weinglas aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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