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Weihrauch




Weihrauch
 
Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige (Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Balsambaumgewächse (Burseraceae)
Gattung: Weihrauch
Wissenschaftlicher Name
Boswellia
Roxb. ex Colebr.

Der Begriff Weihrauch bezeichnet die weihrauchproduzierende Pflanze und das Produkt.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Weihrauchbäume

Das echte Weihrauchharz (Olibanum) wird vom Weihrauch-Baum gewonnen.

Systematik

Die Gattung Boswellia gehört zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) und umfasst folgende Arten:

  • Boswellia sacra - Arabischer Weihrauch, auch Somalischer Weihrauch (Syn.: Boswellia carterii Birdw.)
  • Boswellia fereana - Elemi-Weihrauch
  • Boswellia dalzielii - Dalziels Weihrauch, Westafrika
  • Boswellia papyrifera - Äthiopischer Weihrauch (Synonym Amyris papyrifera)
  • Boswellia serrata - Indischer Weihrauch (Syn.: Boswellia glabra Roxb.)

Pflanzenbeschreibung und Verbreitung

Diese Baumarten wachsen in Trockengebieten um das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), in Arabien (Dhofar im Süden Omans, Hadramaut im Jemen) und in Indien. Der Lebensraum dieser Gehölze reicht in karger Landschaft zwischen Felsen und Klippen bis in eine Höhe von 1.200 m ü. NN. Der Harz spendende Baum wird 1,50 bis 8,00 m groß, hat eine papierartig abblätternde Rinde und bildet bis zu 25 cm lange Blütentrauben aus.

Weihrauchernte

Zwischen Ende März und Anfang April beginnt die Weihrauchproduktion, die über mehrere Monate andauert. Dabei werden den Bäumen Schnitte an Stamm und Ästen zugefügt. Der erste Erntevorgang ergibt nur ein sehr minderwertiges Harz, welches früher weggeworfen wurde, heute allerdings vermarktet wird. Erst drei Wochen später wird eine annehmbare Qualität geerntet, die mit den weiteren Wochen immer besser und reiner wird. Die Harzausbeute pro Baum hängt von Alter, Größe und Zustand des Baumes ab und liegt zwischen 3 bis 10 kg Harz. Nach mehreren jährlichen Ernten erfolgt für den Baum eine mehrjährige Ruhepause.

 

Räucherharz (Substanz)

Das Weihrauch-Harz ist ein körniges getrocknetes Harz, das schon bei den alten Ägyptern für kultische Zwecke, bei der Mumifizierung herausragender und vermögender Personen und zumindest in begüterten Kreisen im Alltag als aromatisches, desinfizierendes und entzündungshemmendes Räuchermittel und Heilmittel in Gebrauch war. Es entwickelt beim Verglühen (Räuchern) einen aromatisch duftenden Rauch und wird in verschiedenen Religionen (z. B. der katholischen und orthodoxen Kirche) seit Mitte des ersten Jahrtausends bis heute bei Kulthandlungen verwendet, meist vermischt mit anderen Räuchermitteln wie z.B. Benzoe, Myrrhe, Galbanum, Zistrose, Styrax, Lorbeer etc. Früher wurden auch andere Räucherharze als Weihrauch bezeichnet. Die Parameter für die pharmazeutische Qualität sind für Indischen Weihrauch aus Boswellia serrata Roxb. ex Colebr. (Burseraceae) in der Monografie des Europäischen Arzneibuches 5.07 beschrieben.

Ätherisches Weihrauchöl

Das ätherische Öl wird mittels Wasserdampf-Destillation aus dem Harz gewonnen. Seine Inhaltsstoffe sind zu 75 % Monoterpene, Sesquiterpene, Monoterpenole, Sesquiterpenole und Ketone. Es hat einen vollen balsamischen und süßen Duft, während das indische Weihrauchöl ausgesprochen frisch riecht.

Parfümerie: Olibanum zeichnet sich durch einen balsamisch-würzigen, leicht zitronigen und typischen Weihrauchduft aus mit leicht koniferigen und kienigen Untertönen. Es wird nicht nur in der Parfumindustrie oft und gerne verwendet, sondern findet sich auch in Kosmetikprodukten und Arzneimitteln wieder.

Weihrauch (Rauch)

Der Rauch und der Duft, die sich beim Verbrennen von Weihrauch entwickeln.

Katholische Liturgie

In der katholischen Liturgie wird Weihrauch vor allem in der Messe und im Stundengebet, namentlich in den Laudes und der Vesper, daneben aber auch zur Verehrung des eucharistischen Brotes außerhalb der Messe verwendet. Der Altar und die eucharistischen Gaben, das Evangelienbuch (Evangeliar), der Priester und alle Gläubigen, sowie auch das Kreuz, die Osterkerze und die Weihnachtskrippe werden „inzensiert“ (beweihräuchert). Beim Begräbnis kann der Sarg auch inzensiert werden mit den Worten "Dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke Dir ewige Freude." Symbolisch steht der Weihrauch zunächst für Reinigung, Verehrung und Gebet. Nach Psalm 141 (und weiteren Bibeltexten, etwa Offb 8,3) bezeichnet er die zu Gott aufsteigenden Gebete der Gläubigen.

Die mindestens seit 1570 geltende Vorschrift, im Hochamt (feierliche Messe) Weihrauch verwenden zu müssen, ihn aber ansonsten nicht verwenden zu dürfen, machte den Weihrauch zu einem Attribut der Festlichkeit. Seit 1970 kann Weihrauch wieder - wie in den Ostkirchen seit je üblich - in allen Gottesdiensten verwendet werden. Dadurch kommen seine symbolischen Bezüge wieder deutlicher zur Geltung.

Die katholische Liturgie macht mit der Weihrauchverwendung zudem deutlich, dass der Mensch eine Geist-Leib-Seele-Einheit ist. Der Gottesdienst ist ein Gottesdienst für alle Sinne, auch für das Auge und den Geruchssinn. Weil Gottes Wort in Jesus Christus Mensch geworden ist (Inkarnation - lat. Fleischwerdung), muss sich auch der Gottesdienst leiblich ausdrücken (inkarnatorisches Prinzip). Weihrauch gilt daher auch als ein Zeichen der Gegenwart Gottes bzw. des Wehens des Heiligen Geistes: Nach katholischer Auffassung ist in der Heiligen Messe Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch in den äußeren Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig.

Andere Liturgien

Aus der Liturgie der evangelischen Kirchen wurde der Weihrauch verbannt, weil er mit der katholischen Lehre vom Opfercharakter der Heiligen Messe verbunden wurde. In neuerer Zeit wird zuweilen wieder Weihrauch in Anlehnung an Psalm 141 als Zeichen des Gebetes verwendet.

In der orthodoxen Liturgie z. B. im byzantinischen Ritus und in der orientalischen Liturgie wird Weihrauch als Duft des Himmels verwendet. Nach alter orientalischer Vorstellung ist eine Gottesbegegnung mit einem Dufterlebnis verbunden. In den slawisch-orthodoxen Kirchen enthält die Räuchermischung allerdings oft hauptsächlich Benzoe und wenig oder keinen eigentlichen Weihrauch.

Ursprünge

Historisch wird die Verwendung von Weihrauch im Christentum gerne auf den Kult der Israeliten zurückgeführt, in deren Tempel oft Weihrauch verbrannt wurde. Ursprünglich aus dem kanaanäischen Privaträucherkult kommend, wurde der Weihrauch im alten Israel zunächst als „Neuerung“ abgelehnt. Erst später fand er Eingang im Tempel-Gottesdienst. Spätestens im nachexilischen zweiten Tempel von Jerusalem (ab etwa 540 v. Chr.) befand sich vor dem Vorhang des Allerheiligsten der Rauchopferaltar, an dem morgens und abends ein Rauchopfer dargebracht wurde.

In den verschiedenen Epochen der ägyptischen Pharaonen wurde Weihrauch bei vielen Kulthandlungen und bei der Mumifizierung verwendet. So nannten die alten Ägypter die Harzperlen des Weihrauchs den „Schweiß der Götter“. Viele andere antike Religionen und der orientalische und römische Herrscherkult kannten den Weihrauch. Während der republikanischen Zeit ersetzte bei den Römern das Verbrennen von Weihrauch die alten, vorgeschriebenen Opfer. Bei Bitt- und Dankesgebeten ließ man die Weihrauchkörner in speziell dafür bestimmten Gefäßen, acerra, im Feuer verbrennen. Kaisern und Statthaltern wurde beim Einzug in eine Stadt Weihrauch vorangetragen - als Zeichen der Huldigung, aber auch zur Verdrängung des Kloakengestanks. Die römischen Kaiser ließen sich als „Dominus et Deus“ („Herr und Gott“) verehren und verlangten Rauchopfer vor ihrem Bild. Die frühen Christen lehnten diese göttliche Verehrung des Kaisers ab und mussten dafür Verfolgungen erdulden. Aus diesem Grunde war der Weihrauch in der christlichen Liturgie zunächst verpönt; die Kirchenväter sprachen sich explizit dagegen aus. Bei Beerdigungen wurde der Weihrauch allerdings auch von den frühen Christen verwendet. Erst mit zeitlichem Abstand zur Christenverfolgung und mit der Übernahme von Elementen des heidnisch-römischen Kaiserkultes in den christlichen Gottesdienst wurde der Weihrauch akzeptiert.

Ausschlaggebend war die Förderung des Christentums durch Kaiser Konstantin und in der damit einhergehenden Änderung der Organisation der Kirchenführung. Die Geistlichen, vor allem die Bischöfe, erhielten einen völlig neuen Rechtsstatus. Sie waren nun Reichsbeamte geworden und zwar in einer sehr hohen Stellung. Dazu erhielten die Bischöfe 318 von Konstantin den Auftrag, in bestimmten Zivilprozessen höchstinstanzlich Recht zu sprechen. Mit dieser Rangerhöhung ging wohl auch das Recht auf die dazugehörigen Statussymbole einher. Deshalb ist wohl auch der Brauch zu erklären, beim Einzug des Bischofs Leuchtenträger und Weihrauchfass vorauszuschicken. Das ist die Form, in der uns der Weihrauch zum ersten Mal in einer schriftlichen Quelle in der römischen Liturgie begegnet. Das Beräuchern des Altars war hingegen in Rom Mitte des neunten Jahrhunderts noch unbekannt. Die heutige Verwendung des Weihrauchs in der katholischen Kirche ist vor allem durch die gallikanische Liturgie in die römische eingedrungen. Das muss nicht heißen, dass diese spätere Entwicklung ausschließlich das Resultat karolingischer Liturgieveränderung war. Denn die gallischen Formen der westlichen Liturgie waren stark von Konstantinopel beeinflusst. Beispielsweise bringt die Liturgie von St. Denis viele direkte Zitate aus der griechischen Liturgie; darunter finden sich auch vier Formen der Räucherung.

Auch privat war das regelmäßige Ausräuchern des Hauses mit verschiedenen aromatischen Mischungen in der Antike verbreitet. Im altägyptischen Totenkult wurde dem Weihrauch eine bannende (apotropäische) Wirkung gegen die Macht und den Geruch des Todes zugesprochen. Auch die Sumerer, Babylonier und Perser kannten den Weihrauch.

Heilkunde

Traditionelle orientalische Heilkunde

In der traditionellen orientalischen Heilkunde, beispielsweise im Kanon der Medizin, der „Qanun al-Tibbvom“ des persischen „Hakim“ Avicenna, welcher in der Region dort heute unter dem Namen "Abu Ali Senna" bekannt ist, wird die innere Anwendung von Weihrauchharzperlen (Boswellia serrata, Boswellia sacra) zur „Stärkung des Geistes und des Verstandes“ empfohlen. Ergebnisse einer Studie, die eine außerhalb des Orients bislang unbekannte Wirkung in Form einer Steigerung der Lern- und Gedächtnisleistung in Tierversuchen nahelegen, sind zwar auf einem Kongress vorgestellt worden[1], haben Medienecho hervorgerufen[2] und werden zur Vermarktung von Weihrauchpräparaten bemüht, sind aber bislang nicht in einer wissenschaftlichen Publikation außerhalb des Irans [3] veröffentlicht worden.

Klassische europäische Naturheilkunde

In der klassischen europäischen Naturheilkunde wurde der Weihrauch hauptsächlich zur Linderung von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. So war Weihrauch noch 1850 zur inneren und äußeren und 1870 lediglich zur äußeren Anwendung in pharmakologischen Büchern zu finden. Nach 1875 geriet der Weihrauch, wie so viele andere Erfahrungsarzneimittel, durch chemisch definierte Medikamente in Vergessenheit.

Moderne Medizin

Derzeit werden bezüglich des Wirkstoffgehaltes standardisierte Präparate des indischen Weihrauchs als alternative Heilmittel bei chronisch entzündlichen Erkrankungen, wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Polyarthritis untersucht. Erste klinische Studienergebnisse lassen eine Wirksamkeit von Weihrauchpräparaten bei Morbus Crohn vermuten.[4] Zu Therapieversuchen bei Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale und rheumatoider Arthritis liegen bislang nur Einzelfallberichte und Pilotstudien vor, aus denen sich keine ausreichend sicheren Wirksamkeitsnachweise ableiten lassen. Ebenso sind die Langzeitwirkungen und -nebenwirkungen der Einnahme von Weihrauch noch nicht untersucht. Darüber hinaus konnten für Boswelliasäuren in vitro antiproliferative Effekte auf verschiedene Tumorzelllinien (z.B. Melanome, Glioblastome, Leberkarzinome) gezeigt werden, die auf einer Induktion von Apoptose beruhen. Eine positive Wirkung von Weihrauchpräparaten auf das Begleitödem von Hirntumoren ist zwar in kleineren klinischen Studien beschrieben worden; die Ergebnisse sind aufgrund methodischer Mängel jedoch umstritten [5]. Als Hauptwirkstoff werden die im indischen Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren angesehen.

Siehe Artikel Weihrauchpräparat

Gesundheitliche Risiken

Weihrauch enthält (genauso wie Tabakrauch) den krebserregenden Stoff Benzo(a)pyren. Eine taiwanesische Studie fand in einem Tempel in Tainan eine Benzo(a)pyren-Konzentration, die 40mal so hoch war wie in tabak-verrauchten Wohnungen.[6] In taiwanesischen Tempeln wird Weihrauch jedoch deutlich intensiver eingesetzt als in katholischen Kirchen in Europa. Zum dortigen Gesundheitsrisiko liegen offenbar noch keine Studien vor. Eine dem Passivrauchen vergleichbare Gefährdung erscheint aufgrund der Zusammensetzung des Rauches aber plausibel.

THC im Weihrauch

Die Hypothese, dass bei Verbrennung von Weihrauch das bewusstseinsverändernde Tetrahydrocannabinol entstehe, konnte bislang nicht bestätigt werden. [7]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Phytopharmaka und Phytotherapie 2004. Gemeinsame Tagung der Deutschen Gesellschaft für klinische Pharmakologie und Therapie, der Gesellschaft für Phytotherapie und der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung. Berlin, 26.-28.2.2004. Abstract-Band Seite 86 Volltext
  2. ZDF.de: Avicennas Lehren - Stärkung durch Weihrauch
  3. http://fens2002.neurosciences.asso.fr/pages/posters/LetD.html H. Alaei et al.: Effects of the abstract of oliban on learning and memory, The journal of Qazvin University of Medical Science & Health Science, 1999
  4. Gerhardt H., Seifert F., Buvari P., Vogelsang H., Repges R. (2001). Therapie des aktiven Morbus Crohn mit dem Boswellia-serrata-Extrakt H 15. Z. Gastroenterol. 39:11-7.
  5. Warnke et al.: Die Rolle von Boswellia-Säuren in der Therapie maligner Gliome: Methodische Mängel. Deutsches Ärzteblatt 1998; 95:A-220 Volltext
  6. Ta Chang Lin u. a., Environmental Exposure to Polycyclic Aromatic Hydrocarbons and Total Suspended Particulates in a Taiwanese Temple, in: Bulletin of Environmental Contamination and Toxicology, Band 67.2001, S. 332-338, Zusammenfassung online auf newscientist.com
  7. Safayhi H: Wie der Haschisch in den Weihrauch kam. Pharmazeutische Zeitung 2001; 10 Volltext

Weiterführende Literatur

  • Vom Duftstoff und Heilmittel Weihrauch. in: naturel. Eintauchen ins Leben. Verlag Naturel, Dresden 2003,12.
  • Jürgen Tubach, Peter Wünsche: Art. Weihrauch I. Religionsgeschichtlich II. Praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 35 (2003), S. 472-477
  • [1] Heidelore Kluge, R. Charles Fernando: Weihrauch, Gold und Myrrhe, Haug Sachbuch, Heidelberg, 1999.
  • Heidelore Kluge, R. Charles Fernando: Weihrauch und seine heilende Wirkung, Haug Sachbuch, Heidelberg, 1998

Film

  • „Dhofar: Die Weihrauchbäume des Wadi Dawkah“, SWR, Weltkulturerbe, RealPlayer-Video, 15 Min.
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Weihrauch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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