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Europäischer Erfinderpreis für Superschwamm gegen Ölverschmutzungen

Europäisches Patentamt zeichnet deutschen Chemiker für „Zauberwatte“ gegen Ölverschmutzungen aus

16.06.2017

European Patent Organisation

Günter Hufschmid erhält Europäischen Erfinderpreis 2017 in der Kategorie KMU

Wer an das Wort „Ölpest“ denkt, sieht Bilder von havarierten Öltankern und brennenden Bohrplattformen vor seinem inneren Auge – verheerende Unfälle. Aber dank eines vom deutschen Chemiker Günter Hufschmid (58) entwickelten Bindemittels könnten Ölverschmutzungen einfacher gereinigt und damit deren schwerwiegende Folgen eingedämmt werden. Das neue synthetische Wachs, bekannt unter dem Namen „Pure“, kann etwa das Siebenfache seines eigenen Gewichts an Öl oder Chemikalien aufnehmen und ist wiederverwendbar. Für diese Leistung hat das Europäische Patentamt (EPA) den Chemiker und sein Team bei der Verleihung in Venedig mit dem Europäischen Erfinderpreis 2017 in der Kategorie „Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)“, einer von insgesamt fünf Kategorien, ausgezeichnet.

„Die Erfindung von Günter Hufschmid bietet neue Möglichkeiten zur Beseitigung von Öl und Chemikalien nach potenziell verheerenden Lecks“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. „Die Beseitigung von Schadstoffen kann dazu beitragen, deren Umweltbelastung zu begrenzen und Gesundheitsrisiken zu vermindern.“ Er fügte hinzu: „Das Beispiel Hufschmid ist Beleg dafür, dass auch die Innovationskraft kleinerer und mittelständischer Unternehmen in Europa, groß genug ist, technische Lösungen für einige der größten Herausforderungen der heutigen Zeit zu schaffen.“

Rund 600 Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, geistiges Eigentum und Wissenschaft nahmen an der Verleihungszeremonie im Arsenale in Venedig teil, die vom EPA-Präsidenten zusammen mit Carlo Calenda, Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, eröffnet wurde.

2017 hat das EPA zum 12. Mal den Europäischen Erfinderpreis verliehen, mit dem jedes Jahr außergewöhnliche Erfinder aus Europa und der ganzen Welt ausgezeichnet werden, die mit ihrer Arbeit maßgeblich zu gesellschaftlicher Entwicklung, technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum beigetragen haben. Die Preisträger wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams ausgewählt.

Eine Zufallsentdeckung – ein internationaler Erfolg

Hufschmids Erfindung stand zunächst der Zufall Pate: 2010 ließ ein Mitarbeiter seiner Wachs-, Farb- und Plastikfirma Deurex eine Maschine über Nacht mit falschen Einstellungen laufen. Am nächsten Morgen war der gesamte Fabrikboden mit einer weißen, watteähnlichen Substanz bedeckt. Als ausgebildeter Chemiker mit vielen Jahren Erfahrung in der Industrie setzte Hufschmid sofort darauf, nach einer Verwendungsmöglichkeit für dieses faserige Material zu suchen. Die passende Inspiration lieferte der Unfall auf der Deepwater Horizon Ölplattform, der sich nur wenige Wochen zuvor ereignet hatte und in dessen Folge Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko strömten. „Die ganze Welt machte sich Gedanken, wie man das Öl aus dem Meer zurückgewinnen und den Ozean retten kann“, erinnert sich Hufschmid. Er beschloss zu prüfen, ob die Wachswatte sich dafür einsetzen lässt. Wie sich zeigte, saugt das Wachs Öl sogar außergewöhnlich gut auf: Etwa ein Kilogramm der Substanz nimmt 6,5 Liter Öl auf. Dieses hohe Adsorptionsverhältnis reduziert auch die Abfallmenge und macht die Produktion ökonomischer. Im Gegensatz zu anderen Produkten, die nach dem Einsatz entsorgt werden müssen, kann die Wachswatte zudem wie ein Schwamm ausgewrungen und wieder verwendet werden.

Nach zweijährigen Produkttests und mit einem Patent beim EPA hatten Hufschmid und sein Team die notwendigen Sicherheiten für die Investition in eine neue Produktionsanlage und Gespräche mit Erdölunternehmen, um so im Ölrückgewinnungsmarkt Fuß fassen zu können.

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