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Fingerabdruck statt Blutprobe

Antikörpertests an Fingerabdrücken zum Nachweis von Drogen und Krankheiten

21.05.2007

Auch heute noch sind Fingerabdrücke das A und O der Forensik, wenn es gilt, einen Täter dingfest zu machen oder eine Person zu identifizieren. Britische Wissenschaftler um David A. Russell wollen Fingerabdrücke zukünftig auch nutzbar machen, um Drogen- und Doping-Sünder zu entlarven und Krankheiten zu diagnostizieren. Wie das Team von der University of East Anglia in Norwich und dem King's College London in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, ist es ihnen mit Hilfe spezifischer Antikörper bereits gelungen, die Fingerabdrücke von Rauchern und Nichtrauchern zu unterscheiden.

Ein Fingerabdruck bringt einen Ermittler bisher nur weiter, wenn der Abdruck bereits in einer Datei erfasst ist oder mit dem eines Verdächtigen abgeglichen werden kann. Russell und sein Team erwarten, dass man zukünftig Informationen über den Lebensstil der Person, die die Fingerabrücke hinterlassen hat, herausfinden kann, um beispielsweise den Kreis der Verdächtigen einzugrenzen. So könnten sich anhand von Fingerabdrücken Drogen, eingenommene Medikamente, genossene Nahrungsmittel nachweisen, aber auch bestimmte Krankheiten diagnostizieren lassen.

All diese Geheimnisse wollen die Forscher den winzigen Spuren von Schweiß entlocken, die mit dem Fingerabdruck auf einer Oberfläche hinterlassen werden. Wie einfach das im Prinzip geht, demonstrierten sie mit einer Unterscheidung der Fingerabdrücke von Rauchern und Nichtrauchern. Um zu vermeiden, dass Ergebnisse verfälscht werden, wenn lediglich die Haut mit Tabakprodukten in Kontakt kam, wählten sie Cotinin als nachzuweisende Substanz, ein Abbauprodukt, das der Körper erst nach der Aufnahme von Nicotin bildet. Die Forscher benetzen die Fingerabdrücke mit einer Lösung von Goldnanopartikeln, an die Cotinin-spezifische Antikörper geknüpft sind. Diese binden an Cotinin. Anschließend wird ein zweiter, mit einem Fluoreszenz-Farbstoff markierter Antikörper aufgegeben, der spezifisch an Cotinin-Antikörper bindet. Da viele Cotinin-Antikörper an einem Nanokügelchen hängen, erzielt man einen erheblichen Verstärkungseffekt.

In der Tat zeigte sich bei Fingerabdrücken von Rauchern ein fluoreszierendes Rillenmuster, nicht aber bei Nichtrauchern. Die Fingerabdrücke sind sehr hoch aufgelöst und können, genau wie bei klassischen Verfahren, zum Abgleich mit bekannten Abdrücken herangezogen werden. In höherer Vergrößerung werden sogar die winzigen Schweißporen entlang der Rillen der Fingerkuppe sichtbar, was ebenfalls für eine eindeutige Zuordnung genutzt werden kann.

Außer für die Forensik wäre die neue Methode ideal für Doping-Kontrollen. Manipulationen sind kaum möglich, da sich die Proben anhand des Rillenmusters eindeutig dem jeweiligen Athlethen zuordnen lassen. Auch die medizinische Diagnostik könnte profitieren - in Form einfacher, schneller Reihenuntersuchungen, ohne die Gefahr, Proben zu vertauschen. Ein weiteres Feld könnte das Drogen-Screening ohne Blutabnahme sein, etwa bei auffälligen Autofahrern.

Originalveröffentlichung: David A. Russell et al.; "'Intelligent' Fingerprinting: Simultaneous Identification of Drug Metabolites and Individuals with Antibody-Functionalized Nanoparticles"; Angewandte Chemie 2007, 119, No. 22, 4178-4181.

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