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18-Methoxycoronaridin



  18-Methoxycoronaridin oder kurz 18-MC ist eine halbsynthetische Substanz, die sich ableitet vom Alkaloid Coronaridin. Coronaridin ist strukturverwandt mit Ibogain, beides sind Indolalkaloide aus der Pflanzenfamilie der Apocynaceae.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Nachdem 1962 Howard Lotsof die Entdeckung machte, dass Ibogain Entzugssymptome bei Opiat-Abhängigkeit zu lindern vermochte und darüber hinaus zur Verringerung des Suchtgefühls (Craving) führte – also zu einem gewissen Abstinenzphänomen –, gelang es in den 1990er Jahren, diese zunächst anekdotischen Befunde wissenschaftlich zu untermauern. Da allerdings Ibogain gravierende Nebenwirkungen hat, die einer eventuellen Zulassung als Medikament entgegenstehen, entwickelten Stanley Glick und Martin Kuehne Mitte der 1990er Jahren verschiedene Derivate, so auch das 18-MC, im Bemühen, Ibogain in seinem pharmakologischen Profil zu optimieren und darauf aufbauend, genauere Erkenntnisse zu gewinnen über Wirkzusammenhänge des Suchtgeschehens. Später wurden weitere Analoga synthetisiert und untersucht, darunter das 18-Methylaminocoronaridin (18-MAC).

Pharmakologie

18-MC wirkt ähnlich wie Ibogain, es hat allerdings weniger Nebenwirkungen. Es lindert im Tierversuch sowohl die Suchtstärke (Craving) als auch Entzugserscheinungen bei Opiatabhängigkeit. Die suchtlindernden Eigenschaften von 18-MC oder Ibogain wurden interessanterweise auch nachgewiesen bei einer ganzen Reihe von weiteren stoffgebundenen Abhängigkeiten, z. B. bezüglich Nikotin, Alkohol, Amphetamin und Kokain.

18-MC und 18-MAC sind nicht-kompetitive Antagonisten an einem speziellen Nikotin-Rezeptor, vom Subtyp α3β4, wobei 18-MAC die höhere Potenz besitzt.[1] Diese Blockade korreliert gut mit der beobachteten Anti-Craving-Wirkung.[2] Selektive α3β4-Blocker mit hoher Potenz sind bis dato allerdings noch unbekannt. Im Gegensatz zu Ibogain haben diese Coronaridine keine Affinität am NMDA-Rezeptor und sind auch sonst im Bindungsprofil deutlich selektiver.[1][3]

18-MC verringert im Tierversuch die Selbstverabreichung von Morphin und Methamphetamin. 18-MAC ist dabei, verglichen mit 18-MC, in der Morphin-Reihe doppelt so effektiv, beim Methamphetamin jedoch weniger. Gegenüber Nicht-Suchtstoffen verhalten sich – anders als Ibogain – die Coronaridine neutral.[1]

Eine Affinitätschromatografie-Methode, um Substanzen effektiv auf ihre Affinität zur entsprechenden α3β4-Andockstelle zu prüfen (Screening), entwickelten Irving Wainer et. al. Eine milde bis moderate Affinität scheinen etliche ZNS-aktive Substanzen zu besitzen, unter ihnen Clozapin, SSRI-Antidepressiva, Methadon, DXM, Laudanosin und Mecamylamin (ein ehemaliges Blutdruck-Medikament).[4]

Siehe auch

Quellen

  1. a b c Pace CJ, et al. (2004): "Novel iboga alkaloid congeners block nicotinic receptors and reduce drug self-administration", European Journal of Pharmacology 492, 159-67. PMID 15178360
  2. V. Panchal et al. (2005). Eur.J.Pharmacol. 525, S. 98-104. PMID 16289028 (engl.)
  3. Glick SD et al. (1999). CNS Drug Reviews, Vol. 5, No. 1, 27-42, siehe S. 35. PDF (Daten zum Bindungsprofil, einschließlich der Enantiomere (+)- und (-)-18-MC)
  4. K. Jozwiak et al. (2004). J.Med.Chem. 47, S. 4008-4021. PMID 15267239 (S. 4014; engl.)
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