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Avermectine



 

Als Avermectine wird eine Gruppe von Neurotoxinen bezeichnet, die als Endprodukte der Fermentation des Strahlenpilzes Streptomyces avermitilis entstehen. In manchen Fällen werden die Fermentationsprodukte anschließend chemisch behandelt; dabei entstehen sogenannte halbsynthetische Avermectine.

Chemie und Vertreter

Chemisch gesehen sind die Avermectine Makrolide, d.h. makrozyklische Lactone, zu denen Ivermectin, Selamectin, Doramectin und Abamectin zählen.

Anwendung und Wirkungsweise

Avermectine werden bei der Parasitenbekämpfung von Haus- und Nutztieren sowie prophylaktisch bei Nutzpflanzen gegen Milbenbefall[1] verwendet. Sie zeigen eine breite Wirksamkeit gegen Nematoden und Milben. Sinnvolle Dosen bewegen sich bei Tieren im Bereich von 300 μg pro kg Körpergewicht oder darunter; für Pflanzenapplikation wird eine 2%-ige wässrige Emulsion eingesetzt. Anders als die meisten weiteren Makrolide zeigen Avermectine keine antibakterielle oder fungizide Wirkung.[2]
Die Avermectin-Neurotoxine erhöhen bei Wirbellosen die Membrandurchlässigkeit der Nerven- bzw. der Muskelzellen für Chlorid-Ionen durch Bindung an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle. Dadurch kommt es zur Hyperpolarisation der Zellmembran und zu einer Blockierung der Erregungsüberleitung.
Daneben beeinflussen Avermectine auch die Rezeptoren für γ-Aminobuttersäure (GABA) in Synapsen, die GABA als Neurotransmitter nutzen.[3] Durch erhöhte Ausschüttung von GABA werden die betroffenen Schädlinge paralysiert und sterben, eine weitere Wirkungsweise betrifft auch Wirbeltiere, was die Verwendung der Avermectine einschränkt.

Einzelnachweise

  1. Atanas Georgiev Dimitrov (2005): Integrierte Produktion von Tomaten ..., S.42, Tenea Verlag Ltd., ISBN 3865041167
  2. Hotson, I.K. (1982): The avermectins: A new family of antiparasitic agents. In: J. S. Afr. Vet. Assoc. Bd. 53, S. 87-90. PMID 6750121
  3. Campbell, W.C. et al. (1983): Ivermectin: a potent new antiparasitic agent. In: Science. Bd. 221, S. 823-828. PMID 6308762
 
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