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Bleichen




Bleichen ist ein textilchemisches Verfahren, bei dem der Bleicher (lat.: Albator) die vorhandenen natürlichen Färbungen der Naturfaser beseitigt und den Weißgrad erhöht. Moderne Kunstfasern werden im allgemeinen nicht mehr gebleicht. Hier achtet man, wenn gewünscht, schon bei der Herstellung der Faser auf den entsprechenden Weißgrad. Bei der Baumwolle ist das Bleichen als Vorbehandlung zum Färben allgemein üblich.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Dieser Bleichprozess wird meistens mit Wasserstoffperoxid, Natronlauge und Tensiden (und anderen Hilfschemikalien wie z. B. den Bleichstabilisatoren) durchgeführt. Je nach Herkunft der Faser (cellulosisch z. B. Baumwolle oder tierisch z. B. Schafwolle), wird die Bleiche bei unterschiedlichen pH-Werten durchgeführt. Baumwolle wird z. B. alkalisch und Wolle dagegen wird im sauren pH-Bereich gebleicht. Die chemischen Komponenten reagieren miteinander und durch den Einfluss der Bleichstabilisatoren wird der Sauerstoff aus dem Wasserstoffperoxid kontrolliert und langsam abgespalten. Bei einer spontanen, unkontrollierten Zersetzung würde die Molekülkettenlänge der Cellulose verringert, was sich durch verminderte Reissfestigkeiten bemerkbar macht. Mit der Bleiche werden mehrere Ziele verfolgt: a) Entfärben durch die Oxidation des Grundfarbstoffes b) Entfernen von pflanzlichen Verunreinigungen, z. B. Blattresten u. Ä. aus der Ernte c) Entfernen von Fetten d) Erhöhung und Vergleichmässigung der Saugfähigkeit für nachfolgende Prozesse

Man unterscheidet zwischen kontinuierlichen und diskontinuierlichen Bleichverfahren. Bei den kontinuierlichen Verfahren wird die Bleichflotte (Mischung aus Wasserstoffperoxid, Natronlauge, Stabilisator und Wasser) aufgetragen und in einem Durchlaufdämpfer nahe der 100 °C Marke der Zerfall des Wasserstoffperoxids aktiviert. Vorteil ist ein schnelles Verfahren bei allerdings hohen Energiekosten. Im diskontinuierlichen Verfahren wird die Bleichflotte auf das Gewebe aufgetragen und meistens auf großen Rollen (Kaulen oder Docken) für bis zu 24 h drehend gelagert. Vorteil ist hier die hohe Energieeinsparung, da keine zusätzliche Prozesswärme benötigt wird. Zu den diskontinuierlichen Verfahren zählt auch das Bleichen von Garnen auf Spulen oder Kettbäumen. Hier wird der Bleichprozess in großen Kesseln unter Druck und hohen Temperaturen in der Bleichflotte durchgeführt. Je nach Art des Verfahrens, werden die einzelnen Bestandteile der Flotte in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen der Bleichflotte zugesetzt.

Nach jedem Bleichprozess müssen die auf dem Gewebe verbliebenen Bleichchemikalien durch eine Wäsche wieder entfernt werden, damit nachfolgende Prozesse in der Druckerei oder Färberei nicht gestört werden, da evtl. übrig gebliebenes Wasserstoffperoxid die Farbstoffe zerstört.

Methoden des Bleichens

  1. Absorptionsbleichen (z. B. an Aktivkohle)
  2. Behandlung mit Chemikalien
    • Wasserstoffperoxid (H2O2) ist heute das am häufigsten benutzte Bleichmittel für Baumwollstoffe.
    • Chlordioxid (ClO2) nutzte man als großtechnisches Bleichmittel von Mischungen aus Kunst- und Naturfasern. Auf Grund der umweltschädlichen Nebenwirkungen dieser Chlorverbindung verwendet man heute in diesen Produktionsbereichen eher andere Bleichmittel, wie z. B. Sauerstoff, Peroxide, Ozon oder auch Natriumdithionit (Na2S2O4).
  3. Entfärbende Wirkung von Sonnenlicht oder Wasser auf Stoffe.
  4. Pigmente und Farbstoffe, vor allem künstliche Textilfarben, können durch reduzierende Verbindungen, wie z. B. Schwefeldioxid, entfärbt werden. Oxidierende Bleichmittel erzeugen gewöhnlich ein beständigeres Weiß als reduzierende Bleichmittel. Flüssige Haushaltsbleichmittel basieren gewöhnlich auf einer Natriumhypochloritlösung (NaOCl).
  5. Enzymverfahren oder auch elektrochemische Verfahren.

Natürliches Bleichen

Um Bettwäsche, Hemden usw. weiß zu erhalten, wurden bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts Wäschestücke an den Flußwiesen in der Nähe der Waschstellen außerhalb der Städte ausgelegt, um die Textilien von der Sonne ausbleichen zu lassen (UV-Licht). Diese Textilien bestanden zu jener Zeit noch meistens aus Leinen, da Baumwolle noch nicht allgemein verbreitet war. Die Bleicher bildeten in vielen Städten eine eigene Zunft.

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Bleichen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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