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Brodifacoum



Strukturformel
Allgemeines
Name Brodifacoum
Summenformel C31H23BrO3
CAS-Nummer 56073-10-0
Kurzbeschreibung nahezu weißes, geruchloses Pulver
Eigenschaften
Molare Masse 523,4 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Schmelzpunkt 228–232 °C
Löslichkeit

gut in chlorierten Lösungsmitteln, schlecht in Wasser

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung
R- und S-Sätze R: ?
S: ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Brodifacoum (3-[3-(4′-bromobiphenyl-4-yl)-1,2,3,4-tetrahydro-1-naphthyl]-4-hydroxycumarin) ist ein Hydroxycumarin-Derivat. Es handelt sich um ein creme- bis beigefarbenes fettliebend und in Wasser praktisch unlösliches (hydrophob) geruchloses Pulver.

Inhaltsverzeichnis

Giftwirkung

Auf Vögel und Säugetiere wie auch den Menschen entfaltet es eine höchst lebensgefährliche Giftwirkung, auf Fische hat es eine noch stärkere, extrem lebensgefährliche Wirkung. Die Aufnahme kann sowohl über den Verdauungstrakt (oral) als auch über die Haut oder die Atmung geschehen.

Aufgrund der Strukturähnlichkeit von Cumarinen zu Vitamin K bewirken diese eine kompetitive Hemmung von Enzymen, die der Bildung des Gerinnungsfaktors Prothrombin des Blutes beteiligt sind. Somit hebt es indirekt die natürliche Gerinnungsfähigkeit des Blutes auf (indirektes Antikoagulans) und schädigt Blutgefäße (Leber). Dadurch tritt Blutflüssigkeit durch Schleimhäute, Körperhöhlen und innere Organe aus, was ein Verbluten des Opfers bewirkt. Entsprechend sind die allgemein für Antikoagulantien typischen Vergiftungssymptome Haut- und Schleimhautblutungen und in schweren Fällen Blut im Stuhl und Urin. Nach der Aufnahme einer tödlichen Dosis tritt der Tod nicht sofort, sondern erst nach vier bis fünf Tagen (bei Ratten) durch Entkräftung infolge des Flüssigkeitsverlustes (Dehydratisierung) ein.

Giftigkeit

Bei verschiedenen Säugetieren wurden folgende mittlere letale Konzentrationen (LD50) ermittelt[1]:

  • Ratten (oral): 0,27–0.3 mg/kg Körpergewicht
  • Mäuse (oral): 0,4 mg/kg Körpergewicht
  • Kaninchen (oral): 0,3 mg/kg Körpergewicht
  • Meerschweinchen (oral): 0,28 mg/kg Körpergewicht
  • Katzen (oral): 0,25 mg/kg Körpergewicht
  • Hunde (oral): 0,25 mg/kg Körpergewicht

LD50-Werte für verschiedene Vögel liegen zwischen etwa 1 mg/kg Körpergewicht und 20 mg/kg Körpergewicht[2].

LC50 bei Fischen:

  • Forelle (dem Stoff über 96 Stunden ausgesetzt): 0.04 ppm[3]

Die erlaubte Tagesdosis für den Menschen liegt bei 0,00004 mg/kg/j.

Gegenmittel

Vitamin K (intramuskulär oder oral verabreicht) wirkt bei Cumarinen als Antidot.

Nutzung

Es ist das bislang potenteste verfügbare Rodentizid (Rattengift) und findet als solches weit verbreitet Anwendung zur Vergiftung von Nagetieren (hauptsächlich Ratten und Mäuse, jedoch auch Kaninchen und Opossums). Dabei besteht besonders für Raubtiere die Gefahr von Sekundärvergiftungen durch vergiftete Tierleichen, schon der Verzehr eines vergifteten Tieres kann tödlich sein.

Es kommt als Wirkstoff in Fraßködern mit einem Gewichtsanteil von 0,005 % zum Einsatz.

Das Mittel wirkt als sogenanntes Antikoagulans der zweiten Generation („Super-Warfarin“) schon in Einmaldosis tödlich und tötet auch Tiere mit einer Resistenz gegen Mittel der sogenannten ersten Generation (namentlich Warfarin).

Der verzögerte Tod der Opfer bei diesen Mitteln ist somit eine erwünschte Eigenschaft, wodurch es auch bei sozial intelligenten Tieren effektiv ist, da keine Vorwarnung von Artgenossen stattfindet. Bei unmittelbarer wirksamen Substanzen lernen Ratten infolge ihrer sozialen Intelligenz von ihren Artgenossen diese zu meiden. Die Austrocknung treibt die Opfer vor ihrem Tod auf der Suche nach Wasser in der Regel von menschlichen Behausungen weg. Des Weiteren bewirkt die Austrocknung der Opfer auch, dass die Leichen bei der Zersetzung weniger Gestank entwickeln.

Siehe auch

Der Stoff ist eng verwandt mit dem für gleiche Zwecke genutzten, etwas weniger giftigen Bromadiolon.

Quellen

  1. http://www.inchem.org/documents/pds/pds/pest57_e.htm
  2. http://www.inchem.org/documents/hsg/hsg/hsg093.htm
  3. http://www.wil-kil.com/public/2005-06_labels-msds/WeatherBlok%20XT%20M.pdf#search=%22LC50%2Bbrodifacoum%22
  • Datenblatt zu Brodifacoum
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Brodifacoum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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